| 19.36 Uhr

Ungarn gegen Österreich
Die ewige Jogginghose holt sich den Matthäus-Rekord

Die ältesten Spieler bei einer EM-Endrunde
Die ältesten Spieler bei einer EM-Endrunde FOTO: dpa, mr
Bordeaux . Ungarns Torhüter Gabor Kiraly ist Kult. Am Dienstag bricht der "Mann mit der grauen Jogginghose" bei der EM den Alters-Rekord.

Beim Anblick von Gabor Kiraly würde Karl Lagerfeld wahrscheinlich einen Weinkrampf bekommen. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", sagt der berühmte Modeschöpfer. Unter den Fußball-Fans genießt Kiraly aber gerade wegen der grauen Schlabberhose Kultstatus, auch wenn er selbst die ganze Aufregung nicht versteht: "Ich bin Torwart und kein Top-Model. Die Hose ist meine Arbeitskleidung."

In diesen Tagen wird "Lagerfelds Schrecken in grau" (Spiegel) häufig auf seine einzigartige Trainingshose angesprochen, denn am Dienstag schreibt Kiraly Fußballgeschichte. Im ersten EM-Spiel der Ungarn in Bordeaux (18 Uhr/Live-Ticker) gegen Österreich löst der dann 40 Jahre und 74 Tage alte Nationaltorwart den deutschen Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (39 Jahre und 91 Tage) als ältesten Spieler der EM-Geschichte ab. 

Darüber sprechen wollte Kiraly im Vorfeld nicht. Vielleicht aus Aberglauben, vielleicht aber auch, weil er die Aufmerksamkeit nicht vom Team lenken wollte, das sich erstmals seit 44 Jahren wieder für eine EM-Endrunde qualifiziert hat. Dafür sprachen andere über den früheren Bundesligaprofi von Hertha BSC und 1860 München. Und sie alle schwärmten über den "Pyjama-Mann", wie Kiraly auf der offiziellen Uefa-Internetseite genannt wird.

"Gabor hat eine unglaublich Aura"

"Ich habe ihm immer gesagt, dass das Alter nicht wichtig für mich ist", sagte Ungarns deutscher Nationaltrainer Bernd Storck. Bei ihm gehe es nur um gut oder schlecht, "und Gabor ist gut, er ist sogar überragend. Er hat eine unglaubliche Aura", sagt Storck.

Einen passenderen Gegner für seinen Altersrekord hätte sich Kiraly nicht aussuchen können. Gegen Österreich hatte der Keeper mit 22 Jahren sein Länderspieldebüt gegeben. Seine erste Ballberührung war ein gehaltener Elfmeter von Toni Polster. 102 Auswahlspiele später ist sein Haar zwar deutlich spärlicher, die Reflexe nicht mehr so stark, doch Kiraly ist immer noch der beste Torwart seines Landes.

Nach 17 Jahren als Legionär in Deutschland und England, wo er nicht nur wegen seiner kultigen Trainingshose schnell zum Fanliebling aufstieg, kehrte er im vergangenen Sommmer zu seinem Heimatverein Szombathelyi Haladas zurück. Hier begann auch die Geschichte seiner Trainingshose.

Mit dem Klub steckt Kiraly im Abstiegskampf, vor einem wichtigen Spiel vergisst er seine schwarz Hose. Die einzige noch saubere ist eine graue. Er zieht sie an, Haladas gewinnt das Spiel, verliert auch die nächsten acht Partien nicht und feiert den Klassenerhalt. Danach zieht Kiraly den Glücksbringer auf dem Platz nicht mehr aus.

Die Hose, der er privat "nie anziehen" würde, wäscht Kiraly immer selbst. "Nur meine allererste Buxe werde ich leider nie wieder hinbekommen", sagte er einmal dem Magazin 11 Freunde: "Sie hängt löchrig bei mir im Schrank."

(areh/sid)
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