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Die Stars bei der EM
Ronaldo? Lewandowski? Ibrahimovic? Bale!

Bale sorgt mit dem Außenrist für die Entscheidung
Bale sorgt mit dem Außenrist für die Entscheidung FOTO: afp
Düsseldorf. Die potenziellen Superstars der EM schwächeln. Cristiano Ronaldo? Trifft nicht. Robert Lewandowski? Versucht es gar nicht erst. Zlatan Ibrahimovic? Bleibt ungewohnt blass. Sie alle sollten ihr Team tragen, doch schaffen es bislang nicht. Ganz im Gegensatz zu Gareth Bale. Von Denis Canalp

Das Turnier in Frankeich ist generell noch nicht das Turnier der großen Individualisten. Schon gar nicht von den Stars, die die einzigen Ausnahmekönner ihres Landes sind.

Portugals Ronaldo ist so einer. Die Hoffnungen der Iberer ruhen einzig und allein auf "CR7". Der dreimalige Weltfußballer wirkt gesundheitlich angeschlagen, doch er versucht alles. Er schießt aus allen Lagen, hatte aber in den Spielen gegen Island und Österreich kein Glück im Abschluss. Gegen unseren Nachbarn setzte der 31-Jährige sogar einen Elfmeter an den Pfosten. Zwei magere Pünktchen hat Portugal aus den zwei ersten Gruppenspielen gesammelt. Auch, weil Ronaldo noch nicht zündet. Der ewige Geheimfavorit zittert vor dem Match gegen Ungarn sogar noch um das Weiterkommen.

Schweden nicht gut genug für Ibrahimovic

Noch schlechter ist es um die Schweden bestellt. Die Skandinavier verfügen über einen sehr biederen und durchschnittlichen Kader, haben aber in Ibrahimovic den wohl schillerndsten Star des Turniers in ihren Reihen. Doch wie schon so oft in seiner langen Karriere muss der 34-Jährige feststellen, dass ihm die passenden Mitspieler für einen Überraschungserfolg bei einem großen Turnier mit Schweden fehlen. Die "Tre Kronor" sind das einzige Team bei der EURO, das noch gar nicht auf das gegnerische Tor geschossen hat. Das bislang einzige Erfolgserlebnis hatten die Schweden durch ein irisches Eigentor verbucht. Immerhin war Ibrahimovic maßgeblich am Tor beteiligt, hatte Ciaran Clark angeschossen. Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Belgien sind die Hoffnungen der Nordeuropäer auf das Erreichen des Achtelfinals trotz "Ibrakadabra" erheblich geschrumpft. Eine K.o.-Runde ohne Europas größten Sprücheklopfer ist ein mehr als nur vorstellbares Szenario.

Russland - Wales: Pressestimmen FOTO: ap, AF FP

Polen verfügt anders als Schweden zwar über eine starke Mannschaft, doch außer Robert Lewandowski besitzt dennoch kein Einzelspieler der Mannschaft Weltklasse-Format. Der Bundesliga-Torschützenkönig des FC Bayern agiert in Frankreich jedoch seltsam passiv, verzeichnete noch keinen Torabschluss und wirkt gehemmt. Polen ist jedoch mit vier Punkten gut ins Turnier gestartet und hat beste Chancen, noch das eine oder andere Spiel in Frankreich zu bestreiten. Und natürlich hoffen die Polen dann auch auf den Durchbruch von Torjäger Lewandowski.

Bale wie einst Platini und Häßler

Wales um Superstar Gareth Bale von Real Madrid ist da schon zwei Schritte weiter. Zum einen glückte dem EM-Debütanten bereits am Montagabend mit dem 3:0 über Russland nicht nur die Qualifikation für das Achtelfinale, der Außenseiter sicherte sich sogar noch vor England den Gruppensieg. Und zum anderen funktioniert der Superstar des Teams. Bale ist bislang der Spieler der EM. Drei Spiele, drei Tore, davon zwei direkt verwandelte Freistöße, was bislang in der EM-Historie lediglich dem Franzosen Michel Platini (1984) und Thomas Häßler (1992) bei einer EM glückte.

Bale wirkt im Gegensatz zu den anderen Superstars viel spritziger, glänzt nicht nur als Tor- und Kunstschütze, sondern auch als Vor- und Wegbereiter für die Treffer seiner Teamkollegen. Durch eindrucksvolle Sololäufe quer über den Platz schafft der zweitteuerste Fußballer der Geschichte immer wieder Räume für Aaron Ramsey und Co. und setzt seine Mitspieler mit viel Übersicht immer wieder aussichtsreich in Szene. Der Modellathlet aus Cardiff, für den Real Madrid im Sommer 2013 91 Millionen Euro an Tottenham Hotspur überwies, drückt der EM seinen Stempel auf, ohne dabei egoistisch zu spielen.

Doch warum ist Bale so viel besser in Form? Im Vergleich zu Lewandowski, Ronaldo und Ibrahimovic kommt der 26-Jährige relativ ausgeruht zur EM nach Frankreich. In Liga und Champions League absolvierte Bale in der abgelaufenen Spielzeit gerade einmal 2382 Minuten in 32 Spielen. Zum Vergleich: Lewandowski kommt auf 51 Spiele und 4236 Minuten, Ronaldo auf 48 Partien mit 4293 Minuten auf dem Platz und Ibrahimovic verbrachte in 51 Spielen 4146 Minuten auf dem Rasen. Das bedeutet, dass Bale bei der EM rund 20 Spiele weniger in den Knochen hat als vergleichbare Spieler, aber immer noch ausreichend viele Spiele absolviert hat, um sich in Frankreich in guter Form zu präsentieren. Und in dieser Form ist bei dieser EM weiterhin mit Bale und Wales zu rechnen.

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