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"Das Gehirn der Mannschaft"
Hitzfeld schwärmt in den höchsten Tönen von Xhaka

Aus Schweizer Trikots wird Schweizer Käse
Aus Schweizer Trikots wird Schweizer Käse FOTO: dpa, hpl
Montpellier. Beeindruckende Passquote, starke Zweikampfbilanz - der Schweizer Granit Xhaka ist auf gutem Weg, einer der EM-Topstars zu werden. Weniger euphorisch fallen dagegen die Urteile über seinen ebenfalls als Leitfigur vorgesehenen Teamkollegen Xherdan Shaqiri aus.

Sein künftiger Vereinscoach Arsène Wenger war tief beeindruckt, sein einstiger Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld voll des Lobes. Granit Xhaka hat sich bei EM in das internationale Rampenlicht gespielt. Nach einhelliger Expertenmeinung gehörte die Nummer 10 der Schweizer Nationalmannschaft im defensiven Mittelfeld zu den auffälligsten Figuren der Turnier-Vorrunde. "Er hat einen enormen Sprung hinter sich. Er ist das Gehirn dieser Mannschaft geworden", schwärmte Hitzfeld vor dem Achtelfinale der Schweizer am Samstag in Saint-Etienne gegen Polen (15 Uhr) im "Blick".

In erstaunlich unbekümmerter Manier ist der erst 23 Jahre alte Profi - wie schon bei seinem ehemaligen Verein Borussia Mönchengladbach - in eine tragende Rolle geschlüpft. Zur Freude von Arsenal-Coach Wenger, der seinen künftigen Schützling im Gruppenfinale am vorigen Sonntag beim 0:0 in Lille gegen Frankreich als TV-Gastkommentator bestaunte, tritt Xhaka als umsichtiger Taktgeber und gnadenloser Zweikämpfer auf. Spiel für Spiel stellt er unter Beweis, dass die üppige Ablöse von rund 45 Millionen Euro, die der FC Arsenal an den Bundesligisten überweist, gerechtfertigt ist.

Allein die Statistik dokumentiert Xhakas hohen Wert für das Team. In 270 Minuten spielte er rund 300 Pässe - mit einer Erfolgsquote von über 90 Prozent. Ähnlich beeindruckende Zahlen bescherten ihm in seinen vier Bundesliga-Jahren bereits die Schlagzeile, ein "Pass-Monster" zu sein.

Nach eigenem Bekunden schöpft Xhaka viel Kraft aus seinem Familienleben. Nicht nur zu seinem Bruder Taulant, der für das albanische Nationalteam spielt und im ersten Gruppenspiel (1:0) am 11. Juli in Lens Gegner war, pflegt er ein intensives Verhältnis.

"Ich war eigentlich für die Schule vorgesehen"

"Weil wir unseren Eltern alles zu verdanken haben, möchten wir ihnen etwas zurückgeben. Mama und Papa kommen aus einfachen Verhältnissen, aus dem Kosovo. Natürlich haben wir ein eigenes Konto, aber 80 Prozent unserer Einkommen geben wir zu Hause ab", verriet er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bereits vor der EM. Dabei hatten die Eltern eigentlich andere Pläne mit ihm: "Sie wollten, dass einer der Söhne auf Sport setzt, der andere auf Schule. Ich war eigentlich für die Schule vorgesehen."

Mittlerweile steht Xhaka für die gewachsene Zuversicht der Eidgenossen. "Ich setze mir in Frankreich keine Grenzen", sagte er, "das Vertrauen meiner Mitspieler tut sehr gut. So ist es möglich, Verantwortung zu tragen und die beste Leistung abzurufen." Er sieht gute Chancen, dass die Erfolgsstory für ihn und sein Team anhält: "Wir sind gewachsen, das ist so. Und wir bewegen uns im körperlichen Bereich inzwischen auf einem ganz hohen Niveau."

Obwohl die Schweiz erstmals in der K.o.-Runde einer EM steht, ist das Turnier nicht für alle Profis von Trainer Vladimir Petkovic ein reines Vergnügen. Von Lobeshymnen wie für Xhaka kann Xherdan Shaqiri derzeit nur träumen. Nach zuletzt dürftigen Leistungen wird in der Heimat darüber diskutiert, ob der Coach im Achtelfinale gegen Polen auf den eigentlich als Leistungsträger eingeplanten Mittelfeldspieler verzichten soll. "Wo ist der Zauberzwerg?", fragte der "Blick" unlängst mit kritischem Unterton.

Nicht nur die Boulevard-Medien gingen mit dem "Kraftwürfel" hart ins Gericht. "Aber nun rannte er mit dem Ball am Fuß einmal über die Seitenlinie, fast so orientierungslos wie die Filmfigur Forrest Gump beim Football. Spätestens da hätte Shaqiri eine Auswechslung verdient", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" nach dem Duell der Schweizer mit Frankreich. Die "NZZ" verglich den früheren Bayern-Spieler gar mit einem "Schriftsteller mit Schreibstau": "Es ist zum Verzweifeln für ihn."

(dpa)
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