| 14.25 Uhr

Fehlstart gegen Ungarn
Österreichs Legenden granteln schon wieder

Pressestimmen: "Österreichs Fehlstart gegen Ungarns Leidenschaft"
Pressestimmen: "Österreichs Fehlstart gegen Ungarns Leidenschaft" FOTO: afp
Bordeaux. Österreichs Mannschaft galt in der Heimat bereits als "Wunderteam". Nach dem verpatzten EM-Auftakt gegen Ungarn ist davon nicht mehr die Rede. Auch am Starspieler aus München macht sich die Kritik fest.

Reden wollte David Alaba eher nicht. Demonstrativ lustlos stand Österreichs Starspieler in den Katakomben des Stadions von Bordeaux, nahm erst auf Zureden einer Pressesprecherin seine Kopfhörer ab. Dann bequemte sich der Fußballprofi aus München nach der unerwarteten 0:2-EM-Niederlage gegen Außenseiter Ungarn dazu, in kürzester Form gerade einmal zwei Fragen zu beantworten - und sich dann abzudrehen.

"Die Enttäuschung ist natürlich groß", flüsterte Alaba in die Mikrofone. "Es hat einfach nicht sein sollen. Wir müssen den Kopf nach vorne richten." Die Frage nach den Gründen ließ der Österreicher, der sonst im Internet so mitteilungsfreudig ist, nicht mehr zu.

"Von Österreichs Star darf man mehr erwarten", schrieb der Kurier – und meinte damit die Leistung auf den Platz. Und in der "Kronen-Zeitung" hieß es: "Im Teamtrikot sah man den Bayern-Spieler schon sehr viel stärker."

Riesige Erwartungen in Österreich

Die Kritik in der Heimat war teilweise scharf, nicht nur an Alaba. "Der Standard" lästerte mit Wiener Schmäh: "Auch die Passqualität des Bayern war an diesem Tag alles andere als erster Schlagobers, Hektik die Mutter des Fehlstarts." Und über Stuttgarts Martin Harnik lästerte das Blatt: "Hatte Mühe, die Wahrnehmungsschwelle des Beobachters zu penetrieren."

Die Erwartungen in Österreich waren riesig. Vom Portal "oe24.at" war die mehrheitlich von Bundesligaprofis gebildete Mannschaft sogar als "Wunderteam" bezeichnet worden. Umso schmerzlicher war die Niederlage gegen den Nachbarn, dessen Profis in Deutschland meistens auf der Bank sitzen. Das schnelle Aus droht nun schon gegen Portugal.

Gerade von Alaba, der in Österreich ein Superstar ist, erwarten die Austria-Anhänger besonders viel. Doch nach seinem frühen Stangenschuss, wie der Pfostentreffer in seiner Heimat heißt, konnte der Münchener Profi kaum mehr Akzente setzen. Er rannte sich häufig in der dichten Defensive der Ungarn fest.

Die Show stahl dem Münchener Champions-League-Sieger mit Laszlo Kleinheisler ein Spieler, der in Bundesliga für Werder gerade einmal sechs Einsätze absolviert hat und in Bordeaux als "Man of the Match" ausgezeichnet wurde. Die Tore schossen Adam Szalai und Zoltan Stieber, bei ihren Stammklubs in Hoffenheim und Hamburg unerwünscht. "Die Ungarn kommen einmal nach vorne und Szalai, der langsamste Spieler, den ich je gesehen habe, schießt das 1:0", schrieb Österreichs WM-Held Hans Krankl in seiner Kolumne in der Gratis-Zeitung "Österreich".

Österreich "hektisch, auffällig nervös und ungenau"

"Er spielt im Zentrum bei uns und bei den Bayern Linksverteidiger – das ist ein kleines Problem", klagte Austria-Trainer Marcel Koller, als die Sprache auf Alaba kam. Auf kritische Fragen nach der Leistung antwortete der Coach: "Wenn er das Tor schießt, sieht es anders aus."

Nicht nur die Mannschaft als Tabellenletzter, auch der Schweizer Trainer steht nun am Samstag gegen Portugal im Pariser Prinzenpark gehörig unter Druck. Die "Kronen-Zeitung" fragte bereits: "Wie konnte das passieren, Herr Koller?"

Das Blatt gab ein wichtigen Teil der Antwort selber. Österreich spielte "hektisch, auffällig nervös und ungenau" analysierte die Boulevardzeitung und beklagte, dass "Führungsspieler wie Alaba oder Arnautovic viel zu wenig Präsenz zeigten". Es scheint, als könnte ihre EM-Präsenz schon am kommenden Mittwoch nach dem Island-Spiel komplett beendet sein.

(dpa)
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