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Islands Torwart
Die filmreife Karriere des Hannes Thor Halldorsson

Islands Torwart: Hannes Thor Halldorsson hat filmreife Karriere
Hannes Thor Halldorsson, Islands Keeper, schreibt eine der besten Geschichten des EM-Turniers in Frankreich. FOTO: dpa, mr
Annecy. Hannes Thor Halldorsson ist von Beruf Filmregisseur – und steht für Island im Tor. Was er dafür können muss, hat er sich selbst beigebracht.

Hannes Thor Halldorsson schämt sich immer ein bisschen, wenn er seine Geschichte erzählt. "Es klingt blöd", sagt er dann, "aber das ist eine Story wie in einem dieser Sportfilme aus Hollywood." Der Torwart der isländischen Fußball-Nationalmannschaft weiß, wovon er spricht: Bis vor zweieinhalb Jahren war er hauptberuflich Filmregisseur.

Eine bessere Geschichte als seine eigene hätte sich Halldorsson nicht ausdenken können. Seine Fußballer-Karriere war vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Erst mit 29 Jahren unterschrieb er seinen ersten Profivertrag. Jetzt, mit 32, ist er mit Island bei der EM – und hat zum Auftakt gegen Portugal (1:1) den großen Cristiano Ronaldo zum Verzweifeln gebracht.

"Ronaldo ist einer der Größten, meine Enkel werden noch über ihn sprechen. Da ist es schön, sagen zu können: Der Opa hat mal gegen den gekickt", sagt Halldorsson. Sein Gesicht wird zwischen den Augen von einer Grüblerfurche zerschnitten wie Island von Fjorden, und wenn Halldorsson von seinem Aufstieg berichtet, schaut er, die Lider halb geschlossen, immer ein wenig skeptisch – als könne er es selbst nicht glauben.

Der 14-jährige Hannes Thor war ein talentierter Torwart, als er sich bei einem Snowboard-Unfall die Schulter verletzte. "Bis ich 19 war, habe ich praktisch keinen Fußball gespielt, weil meine linke Schulter ständig auskugelte", sagt er. Dann, mit 20, die erste Operation. An echtes Torwarttraining war in dieser Phase nicht zu denken. Eine Betonwand in einem Vorort von Reykjavik wurde sein "Partner", Halldorsson schoss sich die Bälle quasi selbst um die Ohren. Stundenlang. "Einfach, aber effektiv", sagt er.

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2004 wird er trotzdem von einem isländischen Viertligisten abgelehnt, ein Jahr später sitzt er bei einem Drittligisten bis zum letzten Spiel auf der Tribüne, ehe er plötzlich ran darf – und sein Patzer das Team den Aufstieg kostet. "Ich dachte: Das war's! In meinen wildesten Träumen hätte ich nicht erhofft, dass ich mal diesem historischen isländischem Team angehören werde." Das Magazin "11Freunde" schrieb einst: "Damals hätte er wohl mehr Chancen gehabt, Islands erfolgreichster Strandtuchverkäufer zu werden als Nationaltorwart."

Halldorsson wendet sich seinem zweiten Hobby zu: Filmemachen. Er arbeitet sich schnell nach oben, dreht bald Dokumentationen, Werbespots, Kurzfilme. Und, oh Wunder, nebenbei nimmt auch die Fußball-Karriere wieder Fahrt auf. Halldorsson spielt in der zweiten, dann in der ersten Liga, wird Meister und Pokalsieger in Island und debütiert 2011 in der Nationalmannschaft.

Ein Jahr darauf dreht er das Musikvideo für Islands Teilnehmer am Eurovision Song Contest, dann für ein schwedisches Möbelhaus und einen Spot für die Fluglinie, die Islands Kicker sponsert. Halldorsson ist Filmemacher und Hauptdarsteller in einer Person. "Alle haben sich ständig kaputtgelacht, so etwas geht nur in Island", sagt er.

2013, inzwischen Vater geworden, muss er sich zwischen beiden Karrieren entscheiden - und wählt den Fußball. Sein Arbeitgeber (Sagafilm) hat ihm versprochen, dass er jederzeit zurück in den Job kann, wenn es mit dem Fußball nicht mehr klappt. Doch davon kann derzeit keine Rede sein. Und Halldorsson will sein ganz persönliches Märchen in Frankreich fortschreiben. "Dänemark hat 1992 gewonnen, Griechenland 2004", sagt er, "das hätte auch kein Mensch geglaubt."

Island als Europameister – das wäre in der Tat was für Hollywood. Halldorsson hat seine Kamera in Frankreich übrigens dabei.

(jaso/sid)
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