| 16.44 Uhr

Zoff bei den Belgiern?
Rätsel De Bruyne: Völlig von der Rolle

Lukaku macht sein zweites Tor für Belgien
Lukaku macht sein zweites Tor für Belgien FOTO: afp
Kevin De Bruyne ist stinkig - und offenbar unzufrieden mit Nationaltrainer Marc Wilmots. Bei Belgien rumort es vor dem Duell mit Irland gewaltig.

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Was ist bloß mit Kevin De Bruyne los? Es sollte die EM des Superstars aus Belgien werden, doch von dem 75 Millionen-Euro-Mann ist in Frankreich bisher nichts zu sehen. Der Hochbegabte blieb blass gegen Italien, versteckt sich seither vor der Presse und gibt den Fans der Roten Teufel ein einziges Rätsel auf.

"Ein schlechtes Spiel kann jedem Spieler passieren. Und dazu steht Kevin auch", sagte Trainer Marc Wilmots vor dem so wichtigen zweiten Gruppenspiel der Belgier gegen Irland in Bordeaux (15 Uhr/Live-Ticker). Nun ist De Bruyne aber nicht irgendwer. Der 24-Jährige hat besondere Fähigkeiten, also werden von ihm auch besondere Momente erwartet.

Doch gegen Italien wirkte der Ex-Wolfsburger matt und uninspiriert, er verlor 60 Prozent seiner Zweikämpfe, hatte nur 63 Ballkontakte und leistete sich elf Fehlpässe. "Er kann es besser", sagte Wilmots: "Aber man muss gleichzeitig auch sehen, dass er insgesamt zwölf Kilometer gelaufen ist."

Seine eigentlichen Fähigkeiten, Tempodribblings, Torgefahr, tödliche Zuspiele - De Bruyne ruft sie derzeit nicht ab. Er steht damit sinnbildlich für das Dilemma des ach so gelobten Geheimfavoriten: Wenn die Roten Teufel gegen Irland wieder versagen sollten, ist in der Heimat die Hölle los. Dem Gruppenletzten droht das unehrenhafte Aus.

De Bruyne, der im März erstmals Vater wurde, sagt nichts zu der aufkommenden Kritik - stattdessen kommen Verschwörungstheorien auf. Das Verhältnis zu Wilmots soll nicht das beste sein, weil der sensible junge Mann davon genervt ist, in der offensiven Dreierkette immer wieder neue Positionen bekleiden zu müssen. Zudem soll er gekränkt sein, dass ihm Eden Hazard bei der Besetzung des Kapitänsamtes nach dem Ausfall von Vincent Kompany vorgezogen wurde.

"Wir müssen zusammenhalten", rief Wilmots nun De Bruyne und Co. zu. Allein die Forderung offenbart, dass es um die Einheit im Luxuskader nicht sonderlich gut bestellt ist. Nun wird erwartet, dass Wilmots sein Team für das erste von zwei "Endspielen" umstellt. De Bruyne, der ebenso wie Hazard unter der Woche wegen kleiner Blessuren zwei Tage geschont wurde, wird wohl auf seiner Lieblingsposition zentral im offensiven Mittelfeld beginnen.

24 Stunden vor dem Anpfiff bestätigte Wilmots eine Systemänderung. Doch damit allein sei es nicht getan: "Man muss im richtigen Moment aggressiv sein. Das hatte uns Italien im ersten Match voraus." Eine erneute Niederlage wäre für den 47-Jährigen eine gänzlich unerfreuliche Premiere: Noch nie in seiner vierjährigen Amtszeit hat der ehemalige Schalker Bundesliga-Profi mit seinen Schützlingen zweimal hintereinander verloren.

Gegen Irland heißt es "gewinnen oder sterben", sagte Wilmots. Der Druck ist immens, der Ton wird rauer - auch in Richtung De Bruyne. "Das Publikum erwartet eine aggressive Mannschaft, die um jeden Ball kämpft. Talent alleine wird uns nicht reichen", sagte Wilmots, den sie früher auf Schalke liebevoll "Kampfschwein" gerufen haben: "Wir müssen uns bewusst werden, dass wir vielleicht eine Schlacht, aber noch lange nicht den Krieg verloren haben."

(sid)
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