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Kroatien gegen Portugal
Favoritenrolle als Gefahr

Kroatien - Spanien: die Fakten
Kroatien - Spanien: die Fakten
Lens/Düsseldorf. Kroatien hat in der Vorrunde sportlich voll überzeugt. Vor allem die Mittelfeld-Strategen Rakitic und Modric bringen das Team nach vorn. Doch Fortuna Düsseldorfs Ex-Profi Robert Palikuca mahnt: "Die Favoritenrolle steht uns nicht gut." Von Bernd Jolitz

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Robert Palikuca ist hochzufrieden. "Kroatien hat eine starke Vorrunde gespielt", sagt der frühere Profi der Zweitligisten Fortuna Düsseldorf und FC St. Pauli, selbst Kroate und bekennender Fan des aktuellen Nationalteams. "Wir sind mit einer guten Mischung aus hochtalentierten Jungs und erfahrenen Spielern zur EM gefahren. Und was das Entscheidende ist: Diese erfahrenen Leute sind im goldenen Alter, es sind Persönlichkeiten und Teamplayer, richtig gute Charaktere." Mit dieser Mischung, so Palikuca, sei vieles möglich.

Über Nacht zum Mitfavoriten 

Wenn die Kroaten am Samsatg in Lens ihr Achtelfinale gegen Portugal spielen (21 Uhr/Live-Ticker), stecken sie plötzlich in einer ganz anderen Rolle als zuvor erwartet. Das 1:0 gegen die Türkei und das 2:2 gegen Tschechien passten ja noch ins gewohnte Bild. Wer jedoch Titelverteidiger Spanien völlig verdient 2:1 schlägt und vor ihm Gruppensieger wird, der ist über Nacht zum Mitfavoriten geworden.

Luka Modric und Ivan Rakitic sind die Strippenzieher hinter diesem Erfolg. "Zwei extrem gute Mittelfeldspieler, die inzwischen auf Weltklasse-Niveau angelangt sind", meint Palikuca. "Modric hält bei Real Madrid den Stars Ronaldo und Bale den Rücken frei, Rakitic tut das Gleiche bei Barcelona für den Wahnsinns-Sturm mit Messi, Suárez und Neymar." Viele Fans nähmen nur die Torjäger wahr, sagt der frühere Abwehrspieler, "aber ohne Luka und Ivan wären sie nichts."

Im kroatischen Nationalteam zahlt es sich aus, dass das Selbstvertrauen der beiden Mittelfeldstrategen bei ihren spanischen Topklubs gewachsen ist. Der frühere Schalker Rakitic (28) und der schmächtige Modric (30) nehmen die Verantwortung an, die Mannschaft zu führen. Sie füttern die Offensivspieler Mario Mandzukic, Nikola Kalinic und Ivan Perisic mit Vorlagen, suchen aber auch selbst den Abschluss. An ihrer Seite wachsen Talente wie der Leverkusener Tin Jedvaj (20) zu wertvollen Stützen des Teams von Nationaltrainer Ante Cacic heran.

"Favoritenrolle steht uns nicht gut"

Und dann gibt es ja noch das Tableau der EM-K.o.-Runden. Sicher, in der kroatischen Hälfte des Turnierbaums stecken neben Portugal auch noch die vorab hoch gewetteten Belgier. Die meisten Favoriten - Deutschland, Frankreich, Spanien, England und Italien - sind jedoch in der anderen Hälfte, so dass Cacics Elf erst im Endspiel auf sie treffen könnte. Gemessen an der Vorrundenform scheint der Weg zumindest bis ins Halbfinale vorgezeichnet. "Aber darin liegt eine Gefahr", mahnt Palikuca. "Allein wegen Rakitic und Modric wird man noch nicht zum Titelkandidaten. Die Favoritenrolle steht uns nicht gut."

Die gesunde Skepsis, die sich der 38-Jährige bewahrt hat, senkt jedoch nicht seine Vorfreude aufs Achtelfinale. Ebenso wenig wie die Ausschreitungen innerhalb des eigenen Fanblocks während des Tschechien-Spiels. "Die kroatischen Anhänger in Deutschland sind da zwiegespalten", berichtet Palikuca. "Viele, die sich in den Strukturen zu Hause auskennen, haben Verständnis für die Kritik am Verband, nicht aber für die Mittel, mit denen diese geäußert wurde. Die meisten wünschen sich, von außen auch als fröhliche Fans wie die Iren wahrgenommen zu werden. Ich denke, die Uefa hat mit ihrer Strafe das richtige Maß gefunden, weil es keine Gewalt gegen Anhänger anderer Nationen gegeben hat."

Weil er es wegen seines Jobs bei Fortuna (siehe nebenstehende Box) zeitlich nicht schafft, nach Lens zu fahren, drückt der Ex-Profi seinem Team heute wieder im "Louisiana" in der Düsseldorfer Altstadt den Daumen. "Der Treffpunkt schlechthin bei unseren Spielen", berichtet er schmunzelnd, "sogar mit einem kroatischen DJ." Und dann wird trotz aller Skepsis auch wieder die Begeisterung aufkommen. "Weil alle Jungs in unserem Kader", so Palikuca, "richtig stolz sind, das karierte Trikot unseres kleinen Landes zu tragen."

Quelle: RP
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