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Einer wie George Best
Kyle Lafferty – der "Ire ohne Regeln"

Kyle Lafferty – der Ire ohne Regeln
Kyle Lafferty ist der Star Nordirlands. FOTO: dpa, hm
Paris. Kyle Lafferty hat Nordirland mit sieben Toren zur EM geschossen. Seine große Liebe ist eine Schönheitskönigin, sein Name ziert einen Pub und einen Flughafen.

Wenn Kyle Lafferty Aufmunterung für das EM-Spiel gegen Deutschland braucht, muss er nur seinen Namen im Internet eingeben. Nordirlands Fans veröffentlichen dort nahezu stündlich Videos aus diversen Pubs, immer wird laut gesungen, und fast immer heißt der Held Lafferty. Er sei "2,10 m groß", wird dann gegrölt, es folgen nicht jugendfreie Zeilen, denen zufolge Lafferty sich gerne auch mit den Ehefrauen der Fans treffen dürfe.

Ein wenig Aufmunterung kann Lafferty derzeit durchaus brauchen. Mit sieben Toren schoss er Nordirland fast im Alleingang zur EM, dort aber läuft es nicht, beim furiosen 2:0 gegen die Ukraine saß er 90 Minuten auf der Bank. "Alle Entscheidungen waren richtig", sagte der 28-Jährige nach Schlusspfiff und deutete an, auch gegen das DFB-Team mit der Reservistenrolle leben zu können: "Es geht um die Mannschaft, nicht um mich."

Pub in "Lafferty" umbenannt

Dabei ruhten auf Lafferty die großen Hoffnungen der Nordiren. In seiner Heimatstadt Kesh im County Fermanagh wurde für die EM sogar der Pub Mayfly Inn in "Lafferty" umbenannt, an der Kneipe hängen Plakate mit dem Gesicht des Torjägers und der Aufschrift "Legende". "Kyle ist in der Stadt das Thema Nummer eins. Wir wollten etwas für ihn tun", sagte Pub-Mitarbeiter Robert Anderson.

Sogar der Flughafen in Belfast hieß für einen Tag "Kyle Lafferty City Airport". Das passte: Eigentlich trägt der Flughafen den Namen von George Best, mit Nordirlands Fußball-Legende hat Lafferty viel gemeinsam. Denn auch der "Baby-Best" (L'Equipe) ist auf dem Platz zeitweise genial, mit 17 Treffern sogar zweitbester Torschütze Nordirlands, abseits des Rasens aber ein Lebemann.

Bei den Glasgow Rangers wurde Lafferty einst wegen einer Trainingsschlägerei suspendiert. Palermos Präsident behauptete einmal, der "Ire ohne Regeln" fliege gerne für eine Woche zur Frauen-Jagd nach Mailand. Dreimal war Lafferty verlobt, sein Sohn Taylor stammt aus der Ehe mit der ehemaligen Miss Scotland Nicola Mimnagh. Kurz vor der EM heiratete er das schottische Model Vanessa Chung.

Kyle sei "eigentlich eher schüchtern", sagt die 23 Jahre alte Chung, deren Konterfei inzwischen als Tattoo auf dem Unterarm des Nationalspielers prangt. Die Hochzeit wurde auf Wunsch von EM-Trainer Michael O'Neill sogar um zwei Wochen vorgezogen. In Frankreich läuft die Schönheitskönigin im Trikot mit der Aufschrift "Mrs Lafferty" und der Nummer 10 durch die Straßen.

Für Kyle zählt derzeit aber nur Fußball. Am Dienstag wartet gegen Deutschland das wohl größte Spiel seiner Karriere - egal, ob er aufläuft oder nicht. "Deutschland trifft auf das Team mit dem größten Herzen und der größten Entschlossenheit des Turniers. Wenn wir so spielen wie gegen die Ukraine, kann uns keiner schlagen", sagt der zuletzt von Norwich City an den Zweitligisten Birmingham City ausgeliehene Stürmer.

Und Vanessa? Die freut sich schon auf das EM-Ende. "Dann holen wir unsere Flitterwochen auf Bora Bora nach", verriet sie der Zeitschrift Sunday Life: "Ich kann es kaum erwarten, Kyle ganz für mich alleine zu haben."

(sid)
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