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Euro 2016
Lukaku-Brüder wollen ihre Eltern "stolz machen"

Lukaku weint nach Doppelpack gegen Irland
Lukaku weint nach Doppelpack gegen Irland FOTO: afp
Nizza. Mit zwei Toren gegen Irland schoss Romelu Lukaku Belgien wieder zurück in die Favoritenrolle. Der 23-Jährige ist inzwischen einer der begehrtesten Profis Europas.

Die harsche Kritik an ihrem Sohn traf Adolphine Lukaku mitten ins Herz. "Ich habe sehr gelitten. Seitdem er Fußball spielt, war es noch nie so schlimm", sagte die Mutter von Belgiens Sturm-Hoffnung Romelu Lukaku der belgischen Tageszeitung La Dernière Heure: "Ich weiß, dass Kritik zum Fußball dazugehört. Aber es gibt auch Grenzen."

Nach der 0:2-Auftaktpleite gegen Italien war der 23-Jährige vom FC Everton öffentlich infrage gestellt worden. Vieles wurde ihm abgesprochen. Lukaku könne "auf höchstem Niveau nicht mithalten", schrieb beispielsweise die Tageszeitung Le Soir. Er passe nicht ins Spielsystem, sei zu schwerfällig.

Doch wenige Tage später ließ Romelu Lukaku mit zwei Toren gegen Irland die Kritiker verstummen. Und wie hoch der Druck war, war deutlich zu sehen: Nach seinem zweiten Tor fiel er seinem Bruder und Ersatzspieler Jordan um den Hals. Tränen kullerten über sein Gesicht. Die ganze Last - mit einem Schlag weg. "Mein Bruder ist nach meiner Mutter der wichtigste Mensch für mich. Ich habe an all die Momente gedacht, die uns hierher gebracht haben", sagte Romelu nach dem "emotionalsten Spiel" seiner Karriere.

"Wir wollen unsere Eltern so stolz wie möglich machen, sie haben für uns viele Opfer gebracht", sagte Lukaku. Er rührte damit auch seine Mutter zu Tränen. "Als sich meine beiden Söhne nach dem Tor umarmt haben, habe ich angefangen zu weinen. Das ging direkt ans Herz", sagte Adolphine.

Hohe Erwartungen hatte Lukaku allerdings auch selbst geweckt. "Ich will die EURO gewinnen", hatte er in einem etwas pathetischen Spot für seinen Sponsor erklärt. Seine Leistungen beim FC Everton taten ihr Übriges.

Wettbewerbsübergreifend traf er in 46 Spielen 25-mal, dazu kamen noch 7 Torvorlagen. Kein Wunder, dass die Spekulationen über einen vorzeitigen Wechsel auch während der EM nicht aufhören. Sein Ex-Klub Chelsea, Paris St. Germain und Juventus Turin interessiert sein. Marktwert: Mindestens 50 Millionen Euro. Eher mehr.

"Lukaku ist ein Schlüsselspieler. Er ist noch jung, er kann sich noch verbessern. Wir wollen solche Spieler behalten", sagte allerdings Evertons neuer Trainer Ronald Koeman. Ob das bei weiteren guten Leistungen des umworbenen Jungstars, an dem 2014 auch der VfL Wolfsburg interessiert war, möglich ist, erscheint fraglich.

Vor der EM hatte Lukaku allerdings auch Lacher auf seine Kosten hinnehmen müssen. Der Angriffspunkt: sein Ehrgeiz. Beim Videospiel Fifa gilt Lukaku als einer der besten des Teams - aber er verlor zu seinem Entsetzen vor laufenden Kameras klar gegen die belgische Nationalspielerin Cecile de Gernier.

Lukaku war entsetzt, schaffte es nur schwer, gute Miene zum für ihn bösen Spiel zu machen. Seine Laune sank mit jedem Gegentreffer. Was er nicht wusste: Er war in Wirklichkeit gegen einen hinter einem Vorhang versteckten Fifa-Profi angetreten. Und fand erst nach der Auflösung sein Lachen wieder.

(sid)
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