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EM-Qualifikation
"Mitleiderregend", "skandalös": Presse schlägt auf Oranje ein

Oranje trauert nach verpasster EM
Oranje trauert nach verpasster EM FOTO: afp, ed/RT
Amsterdam. Oranje trägt nach dem Super-GAU Trauer, in der Türkei und in Kroatien gab es dagegen nach der erfolgreichen EM-Qualifikation spontane Jubelfeiern. Während sich die Niederlande nach dem 2:3 (0:2) gegen Tschechien im kollektiven Schockzustand befinden, sich im ganzen Land Fassungslosigkeit und Ohnmacht breit machten, konnte die türkische Nationalmannschaft durch ihr 1:0 (0:0) gegen Tabellenführer Island wenige Tage nach dem verheerenden Terroranschlag in Ankara bei ihren Landsleuten wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Während sich die Türken als bester Gruppendritter insgesamt auf direktem Weg für die EURO in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) qualifizierten, scheiterte der WM-Dritte Niederlande erstmals seit 1984 in der EM-Quali und das trotz der Aufstockung auf 24 Teams. Entsprechend böse fielen die Kommentare der niederländischen Presse aus.

Holland-Häme im Netz

"In der Arena vollzog sich die definitive Demaskierung der niederländischen Elf, als eine bittere Parodie auf Spitzenfußball, eine mitleiderregende Sportmannschaft, die auf einem Endturnier nichts zu suchen hat. Die niederländische Elf anno 2015 scheint ein steuerloses Boot zu sein. Es hat an allem gefehlt", schrieb De Volkskrant und De Telegraaf titelte: "Der niederländische Fußball ist eingestürzt. Demaskiert, wirklich skandalös. Sprachlosigkeit. Eine enorme Blamage für Oranje."

Nach der fünften Niederlage der Elftal im zehnten Qualifikationsspiel flüchtete sich Trainer Danny Blind in Durchhalteparolen. "Wir müssen diese Pleite so schnell wie möglich abhaken und uns auf die WM-Qualifikation konzentrieren", sagte der Coach, der dennoch weiter fest im Sattel sitzt.

Verband hält an Blind fest

Pressestimmen: "Bittere Parodie auf Spitzenfußball" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Nach der neuerlichen Blamage wiederholte Bert van Oostveen, Direktor des niederländischen Fußballverbandes KNVB, sein Treuekenntnis zu Blind, dessen Vertrag bis 2018 läuft: "Wir machen gemeinsam weiter. Man sollte nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Das macht der KNVB, und das macht Danny Blind."

Blind, der erst im Sommer das Amt von Guus Hiddink übernommen hatte uns drei der letzten vier Quali-Partien verloren hat, denkt ebenfalls nicht an einen Rücktritt: "Ich habe nicht die Absicht, zurückzutreten. Ich werde weitermachen mit meiner Arbeit, denn ich stehe bis 2018 unter Vertrag, und ich glaube an dieses Team." Der 54 Jahre alte Bondscoach wollte von eigenen Fehlern nichts wissen, beklagte stattdessen das Verletzungspech. "Wir sind nicht Spanien oder Deutschland, wir sind die Niederlande und hier sind Spieler wie ein Arjen Roben nicht so leicht zu ersetzen."

Das war für Jan-Klaas Huntelaar aber keine Entschuldigung, zumal sein Team nach der Roten Karte gegen Marek Suchy (43.) fast 50 Minuten in Überzahl spielte. "Man kann das Glück auch erzwingen, aber das haben wir nicht gemacht. Alles in allem hat die Qualität gefehlt", bilanzierte der maßlos enttäuschte Stürmer von Schalke 04.

Die größten Qualifikations-Blamagen

Während in den Niederlanden die Wunden geleckt wurden, feierten die türkischen Fans ihr Team nicht nur ausgelassen am Taksim-Platz in Istanbul. Auch in Berlin gab es spontane Autokorsos. Vor allem Torschütze Selcuk Inan (89.) und Trainer Fatih Termin, der die Türken zum dritten Mal zu einer EM führte, ließen die Anhänger hochleben.

Norwegen, Bosnien-Herzegowina, die von Bernd Storck trainierten Ungarn, die Ukraine, Irland, Slowenien, Schweden, und Dänemark hoffen als Play-off-Starter ebenfalls noch auf eine EM-Fahrkarte. Die Paarungen werden am Sonntag (11.20 Uhr) im schweizerischen Nyon ausgelost, die Hinspiel finden zwischen dem am 12. und 14., die Rückspiele zwischen dem 15. und 17. November statt.

(sid)
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