| 17.28 Uhr

Lob sogar von Schweinsteiger
Die nordirischen Fans dürfen weitersingen

Nordirland bei der EM 2016: Die Fans dürfen weitersingen
Nordirland und seine Fans stehen im Achtelfinale. FOTO: dpa, mr
Paris. Auch Nordirland hat es ins Achtelfinale geschafft: Die liebenswürdigen Fans feierten wie wild. Vor allem Torhüter "Magic" McGovern.

Für Weltmeister Deutschland war es nur ein gewonnenes EM-Spiel, für die nordirischen Fans ein historisches Open-Air-Konzert. Sie sangen unverdrossen beim Gegentor, sie bejubelten ihre Helden nach dem Schlusspfiff, und am Ende feierten sie sogar noch den Einzug ins EM-Achtelfinale. Die einzigartigen Anhänger trugen ihre Mannschaft gleich bei deren EM-Debüt bis in die nächste Runde.

Das ehrenvolle 0:1 (0:1) gegen einen der größten Turnierfavoriten fühlte sich überhaupt nicht wie eine Niederlage an. Nicht für die Supporters und nicht einmal für Teammanager Michael O'Neill. "Unsere Fans sind unglaublich. Ich freue mich sehr, dass sie jetzt weitersingen können. Sie haben es sich verdient", sagte der Coach mit einem Leuchten in den Augen.

Schon vor dem letzten Vorrundenspieltag gehörte sein Team zu den vier besten Gruppen-Dritten, für seine liebenswert-verrückten Landsleute auf den Tribünen darf somit die Party am Wochenende weitergehen. "Wir gehen noch nicht nach Hause", schallte es folgerichtig noch weit nach Mitternacht aus den Bistros und Brasserien überall entlang der Seine. Und so mancher Pariser feierte gerne mit.

Das knappe Resultat belegte jedoch auch, dass die Frankreich-Gäste von der Grünen Insel nicht nur sich selbst zu feiern hatten. Torwart Michael McGovern bewahrte den Außenseiter mit einer herausragenden Leistung vor einer durchaus möglichen weit höheren Niederlage. Erstaunlich, denn der 31-Jährige steht in seinem Profialltag nur bei Hamilton Academical zwischen den Pfosten. Ein Klub, der Jahr für Jahr gegen den Abstieg aus der Scottish Premier League kämpft.

Aber der Schlussmann wuchs im Prinzenpark an seinen nicht enden wollenden Aufgaben und war nicht zu Unrecht stolz auf sich: "Noch nie hatte ich in einem einzigen Spiel so viel zu tun. Aber auch noch nie habe ich gegen eine Mannschaft mit so viel Qualität gespielt."

Derlei sportliche Herausforderungen kommen sehr wahrscheinlich bald häufiger auf McGovern zu, denn der Vertrag des Keepers in Hamilton läuft zum Monatsende aus. "Es würde mich wundern, wenn es keine Interessenten aus England für ihn gäbe. Egal, wo er spielen wird, er hat einen Topverein verdient", sagte O'Neill.

Auch die Teamkollegen wussten genau, wem sie in erster Linie das mehr als achtbare Resultat gegen Deutschland zu verdanken hatten. Als McGovern nach der Partie erschöpft die Kabine betrat, wurde er von prasselndem Beifall empfangen. Die "Irish Times" feierte den Torhüter als "Magic McGovern."

Mit jetzt 14 Länderspieleinsätzen wird McGovern die nordirische Torwart-Ikone Pat Jennings allerdings nie erreichen können. Der mittlerweile 70-Jährige sammelte zwischen 1964 und 1986 119 "caps". Nationalspieler über einen Zeitraum von 22 Jahren - diese Marke ist bis heute Weltrekord.

(sid)
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