| 19.59 Uhr

"Will Grigg's on fire"
Nordirland brennt auf den EM-Auftakt

Polen - Nordirland
Polen - Nordirland FOTO: dpa, htf
Zehntausende sangen sich in der Fanzone in Belfast warm, mindestens genauso viele wollen "ganz Frankreich grün einfärben" – und selbst in Uganda werden die Daumen gedrückt.

Wenn Nordirland am Sonntag (18 Uhr/Live-Ticker) gegen Polen das erste EM-Spiel seiner Geschichte bestreitet, wird die völlig euphorisierte "green and white army" ganz Fußball-Europa ihre grenzenlose Unterstützung und Leidenschaft zeigen.

"Das ist das größte Spiel in unseren Karrieren. Selbst für die, die schon in der Champions League gespielt haben", sagt Routinier Gareth McAuley (36) und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass seine Mannschaft in Nizza verbissen um jeden Zentimeter kämpfen wird: "Es ist ein ganz anderes Level an Leidenschaft dabei, wenn du das Trikot deines Landes anziehst."

Natürlich sind die Nordiren, die erstmals seit 30 Jahren bei einem wichtigen Turnier dabei sind, der krasse Außenseiter. Vor allem der Respekt vor Polens Tormaschine Robert Lewandowski von Bayern München ist enorm. "Wir werden immer der Underdog sein. Das ist ganz normal, wenn du für Nordirland spielst", sagt McAuley: "Aber wir sind sicher nicht hier, um nur dabei zu sein. Wir sind richtig hungrig."

Die Fans sind hingegen ziemlich durstig - und sie sind auf den verrücktesten Wegen nach Frankreich gekommen, um ihre Helden zu unterstützen. Die einen bauten einen Wohnwagen um, weil sie sich weder Flug noch Unterkunft leisten konnten, anderen reisen in großen, trinkfesten Gruppen nach Frankreich, die ganz Verrückten nahmen einfach das Fahrrad. Die Zeitung Belfast Telegraph forderte die Fans schon auf, Fotos einzusenden, wie sie "Frankreich grün einfärben".

"Die meisten Leute aus Nordirland sind verrückt. Das müssen sie sein", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot Eddie Irvine dem SID. Der Edelfan wird mit seinen Cousins ebenfalls im Stade de Nice an der Côte d'Azur vor Ort sein, das eine oder andere Bier dürfte der 50-Jährige da bereits geleert haben. "Wenn in Frankreich das Guiness ausgeht, machen wir einfach mit dem nächsten Drink weiter", sagte Irvine.

All jene, die es nicht über den Ärmelkanal geschafft haben, werden in Belfast eine feucht-fröhliche Freiluftparty vor den Videoleinwänden feiern. Quasi zur Generalprobe schmetterten 10.000 Fans dort bereits den EM-Hit "Will Grigg's on fire", der die britischen Charts stürmt. Der besungene Held wird zum EM-Auftakt gegen die Polen allerdings zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen. Im Angriff vertraut Trainer Michael O'Neill zunächst auf den zuletzt angeschlagenen Stürmer Kyle Lafferty. 

Weniger laut, aber mit mindestens der gleichen Leidenschaft drücken sogar die Kinder eines Waisenhauses in Uganda Grigg und Co. die Daumen. Die jungen Afrikaner, die Nordirland teilweise schon besuchten, posteten ein Foto in den grünen Trikots bei Twitter und malten ein Banner für ihre Vorbilder.

(sid)
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