| 19.15 Uhr

EM 2016
Wie fit ist Ronaldo diesmal?

Portugal feiert Kantersieg gegen Estland
Portugal feiert Kantersieg gegen Estland FOTO: ap, SG
Marcoussis . Der Superstar des europäischen Fußballs geht mal wieder angeschlagen in ein großes Turnier. Portugals Cristiano Ronaldo hat Probleme im Oberschenkel. Seit dem letzten EM-Test aber hoffen viele wieder: So schlimm wie bei der WM 2014 wird es diesmal nicht.

Wie es sich für den wohl berühmtesten Fußballer der EM gehört, wohnen Cristiano Ronaldo und seine Portugiesen bei diesem Turnier an einem sehr speziellen Ort. Am Donnerstag reisten sie als letztes der 24 Teams nach Frankreich und quartierten sich in Marcoussis ganz in der Nähe von Paris ein, dem gigantischen Zentrum des nationalen Rugby-Verbandes.

Ronaldo als Hochrisikofaktor

Das ist nicht nur ein Heiligtum des französischen Sports mit sieben Trainingsplätzen, großem Schwimmbad und einem eigenen Amphitheater mit 250 Plätzen. Das "Centre National de Rugby" ist in diesen Tagen auch einer des bestbewachten Orte des ganzen Landes. "Wir haben Cristiano Ronaldo", sagte Portugals Trainer Fernando Santos lapidar. "Also sind wir auch eines der Hoch-Risiko-Teams dieser EM."

Einen großen Ronaldo-Zirkus wie noch vor zwei Jahren bei der WM in Brasilien soll und darf es diesmal nicht geben. Damals kamen 10.000 Zuschauern zu einem öffentlichen Training, sie riefen "Cristiano, Cristiano", und am Ende lief auch noch ein Nacktmodell auf den Platz, das sich nur seine Rückennummer "7" auf den Körper gemalt hatte. Alles gestrichen diesmal, alles nicht erlaubt. Die Angst vor Anschlägen lässt eine solche Show-Veranstaltung nicht mehr zu.

Davon abgesehen, erinnert aber gerade Ronaldo zurzeit noch vieles an die WM 2014. Genau wie damals reist er auch diesmal als Champions-League-Sieger mit Real Madrid zu einem großen Turnier. Die EM in Frankreich ist seine mittlerweile siebte Gelegenheit, endlich auch einmal mit der Nationalelf einen bedeutenden Titel zu gewinnen.

Es zwickt im Oberschenkel

Vor allem aber ist der 31-Jährige auch diesmal nicht ganz im Vollbesitz seiner imposanten Kräfte. Vor zwei Jahren schleppte er sich mit einer schmerzhaften Knieverletzung durch die WM. Diesmal zwickt es zumindest im Oberschenkel. "Wir können das nicht leugnen: Es ist schon ein Unterschied, ob Cristiano dabei ist oder nicht", meinte Santos. "Wir reden hier über den besten Spieler der Welt."

Gerade weil die WM für Portugal im Sog von Ronaldos Verletzung schon nach der Vorrunde vorbei war, sorgen sich viele Fans: Wie fit ist "CR7" diesmal? Kann er es tatsächlich schaffen, in Frankreich zum Rekordspieler und Rekordtorschützen der EM-Geschichte aufzusteigen?

Zur ersten Bestmarke von 17 EM-Spielen fehlen ihm nur noch drei Einsätze. Dazu sollten Ronaldo die drei Vorrunden-Partien gegen Island, Österreich und Ungarn reichen. Schwieriger wird es, auch noch Michel Platini und seine neun Treffer vom ersten Platz der ewigen EM-Torjägerliste zu verdrängen. Ronaldo steht aktuell bei sechs.

Ronaldo bremst Euphorie

Immerhin haben er, Portugals Team und auch die Fans am Mittwochabend wieder erheblich an Zuversicht gewonnen. Da gewann die "Seleção" ihren letzten EM-Test gegen Estland locker mit 7:0 (3:0). Ihr großer Star spielte von Anfang an und schoss sogar zwei Tore.

"Dieses Spiel beweist erst einmal gar nichts", sagte Ronaldo zwar hinterher. "Das war, ohne respektlos sein zu wollen, ein sehr bequemer Gegner. Aber wir haben trotzdem gezeigt, dass wir sehr gut trainiert haben, sehr motiviert sind und mit einem Lachen zu dieser EM fahren können. Wir wollen eine gute Euro spielen."

Ronaldos Physis war auf einmal kein Thema mehr. Der dreimalige Weltfußballer hatte nach seinem Champions-League-Triumph eine Woche Sonderurlaub erhalten, er schipperte mit einer Luxusyacht vor Ibiza herum, mietete auf der Insel aber auch ein kleines Trainingsgelände an, auf dem er sich fit hielt und behandeln ließ. "Ich denke, alles wird gut ausgehen", sagte sein Trainer Fernando Santos. Und für alle Fälle gibt es im Rugby-Zentrum von Marcoussis auch noch einen großen Komplex mit modernsten medizinischen Einrichtungen.

(dpa)
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