| 21.44 Uhr

"Weiter so!"
Russischer Politiker stellt sich hinter die Hooligans

Russische Hooligans stürmen England-Block
Russische Hooligans stürmen England-Block FOTO: ap, AF FP
Moskau. Der russische Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew hat die Fanausschreitungen von Marseille verteidigt. "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht Jungs. Weiter so!", schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten am Montag im Kurznachrichtendienst Twitter.

Lebedew ist auch Vorstandsmitglied des russischen Fußball-Verbandes. Er verstehe die Politiker und Funktionäre nicht, die die Fans kritisieren würden. "Wir sollten sie verteidigen und dann können wir es klären, wenn sie nach Hause kommen", äußerte Lebedew weiter.

Bei den Krawallen in Marseille rund um die EM-Partie Russland gegen England (1:1) waren nach Angaben des Staatsanwalts von Marseille, Brice Robin, etwa 150 russische Hooligans beteiligt. Keiner konnte festgenommen werden. 35 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer, ein weiterer Mensch schwebte am Montag noch in Lebensgefahr.

Was in Marseille und anderen französischen Städten passiert sei, "ist nicht die Schuld der Fans, sondern die Unfähigkeit der Polizei, solche Events angemessen zu organisieren", betonte Lebedew weiter. Die Hooligans hätten "die Ehre ihres Landes verteidigt und es den englischen Fans nicht gestattet, unser Land zu entweihen", sagte Lebedew. "Wir sollten vergeben und unsere Fans verstehen."

Frankreichs Sportminister Patrick Kanner kritisierte derweil einen "bedauerlichen Mangel an Zusammenarbeit" von Seiten Russlands. Moskau hätte die Beteiligten niemals passieren lassen dürfen, sagte Kanner am Montag der französischen Nachrichtenagentur AFP. "Es gibt 150 bis 200 russische Hooligans, die außer Gefecht gesetzt werden müssen."

Neustädter: "Wie soll ich noch Vorbild sein?"

Nationalspieler Roman Neustädter reagierte dagegen mit Unverständnis auf die massiven Hooligan-Attacken. "Wir haben natürlich eine Vorbildfunktion, aber wie soll ich für diese Leute noch Vorbild sein? Wir können diese Schläger gar nicht erreichen", schrieb der Bundesligaprofi von Schalke 04 in seinem Tagebuch bei Vice Sports. Er finde die Aktionen und Bilder "einfach schrecklich".

Der 28-Jährige habe von den Übergriffen der russischen Gewalttäter im Stade Velodrome direkt nach dem EM-Auftaktspiel gegen England (1:1) zunächst gar nichts mitbekommen, erfuhr erst in den Katakomben von den massiven Angriffen. "Warum schlagen sich die Menschen dafür die Köpfe ein? In solchen Situationen wird mir bewusst, dass wir Spieler so etwas leider nicht mehr beeinflussen können. Wir können das nicht verhindern", so Neustädter.

Trotz der äußerst negativen Begleiterscheinungen will Neustädter sein zweites Spiel für Russland, bei dem er in der Startformation zum Einsatz kam, in positiver Erinnerung behalten. "Es war das bisher besonderste Spiel meiner ganzen Karriere", schrieb der Mittelfeldspieler: "Mein Trikot habe ich nach dem Spiel mit keinem Engländer getauscht, so ein besonderes hebe ich mir natürlich auf."

(dpa/sid)
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