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Emotionale Testspiele nach Terroranschlägen
Frankreich und Belgien in Gedanken vereint

Terror in Brüssel: Emotionale Tests für Frankreich und Belgien
Die Partie zwischen Frankreich und Russland im Stade de France war das erste Spiel der Nationalmannschaft nach den Terroranschlägen am 13. November 2015. FOTO: afp, le
Düsseldorf. Schweigeminuten und Solidaritätsbotschaften, aber auch strenge Sicherheitsvorkehrungen: Sowohl bei der Rückkehr der französischen Nationalmannschaft 137 Tage nach den Anschlägen von Paris ins Stade de France als auch beim ersten Länderspiel Belgiens nach der Attacke von Brüssel stand der Sport bei den emotionalen Begegnungen nur im Hintergrund.

"In Gedenken an alle Opfer, Brüssel 22. März 2016", war auf den Aufwärm-Shirts der Belgier vor dem 1:2 in Portugal zu lesen. Eigentlich hatte das Spiel in Brüssel stattfinden sollen, war dann allerdings wegen der angespannten Sicherheitslage nach Leiria verlegt worden. Als weiteres Zeichen der Solidarität wurde die neben dem Stadion gelegene Burg der Stadt in den Farben Belgiens angestrahlt.

"A Bola", die führende Sporttageszeitung Portugals, war am Dienstag mit einer in den belgischen Farben gehaltenen Titelseite und dem Schriftzug "Heute sind wir alle Belgier" erschienen. Und auch der französische Gegner Russland zeigte in Paris vor dem 2:4 beim EM-Gastgeber sein Mitgefühl. "Belgien, wir sind bei euch", stand auf einem Banner, dass die Russen während den Nationalhymnen hochhielten.

Dabei war auch das Spiel im Pariser Stade de France ein besonderes. Erstmals nach den Terrorattacken während der Begegnung gegen Deutschland am 13. November wurde im Finalstadion der EM wieder Fußball gespielt. Genauso wie in Leiria allerdings unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Über 500 Polizisten sowie zusätzlich mehrere hundert Ordner wurden eingesetzt. Mehr als die doppelte Anzahl als bei einem normalen Spiel.

"Wir werden uns weiter auf die EM vorbereiten. Mit einem einfachen Ziel: 100-prozentige Vorsicht", sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve, der die Maßnahmen vor dem Spiel persönlich in Augenschein genommen hatte. Bereits am Nachmittag hatte Staatspräsident Francois Hollande mit Blick auf das in weniger als zweieinhalb Monaten beginnenden Turnier erklärt: "Die Sicherheit wird maximal sein. Das ist unsere Aufgabe für alle Besucher, die sich dafür entschieden haben, nach Frankreich zu kommen." Man werde, so Hollande, bei dieser Angelegenheit keine Kompromisse eingehen.

Deschamps sammelt trotzdem Erkenntnisse

"Wir werden dies nie vergessen, aber wir müssen vorwärts schauen", hatte Didier Deschamps im Vorfeld des Spiels erklärt. Und so bekam der französische Nationaltrainer auch aus sportlicher Sicht einige Erkenntnisse geliefert. Eine davon: Auch ohne den in Ungnade gefallenen Stürmerstar Karim Benzema von Real Madrid besitzt der Gastgeber genug Torgefahr, um bei der Vergabe des EM-Titels mitzureden.

N'Golo Kanté (8.), André-Pierre Gignac (38.), Dimitri Payet (64.) und der eingewechselte Kingsley Coman von Bayern München (76.) mit seinem ersten Länderspieltor ließen dem EM-Teilnehmer Russland trotz einiger Probleme in der Abwehr eigentlich keine echte Chance. "Ich habe heute viel Positives gesehen, aber es gibt noch viel zu tun. Es ist gut für das Selbstbewusstsein, aber die Wahrheit kommt erst im Juni", sagte Deschamps.

Auch in Leiria wollten die Trainer das sportliche Geschehen nicht gänzlich aussparen. "Vor dem Spiel waren wir alle Belgier, und es war eine großartige, wichtige Solidaritätsbekundung", sagte Portugals Trainer Fernando Santos: "Aber die Belgier haben schnell ihren Spaß wiedergefunden. Sie haben genauso wie wir alles getan, um zu gewinnen."

Nani (20.) und Superstar Cristiano Ronaldo (40.) sowie der Belgier Romelu Lukaku (62.) erzielten die Tore. "Freundschaftsspiele sind dazu da, etwas auszuprobieren. Und ich habe das gesehen, was ich sehen wollte", sagte Belgiens Trainer Marc Wilmots.

(sid)
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