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Ausschreitungen in Saint-Etienne
Uefa verhängt milde Strafe gegen Kroatien

Kroatische Fans prügeln sich nach Pyro-Eklat
Kroatische Fans prügeln sich nach Pyro-Eklat FOTO: afp
Paris. Der kroatische Fußball-Verband HNS muss die Krawalle der eigenen Fans bei der EM 2016 teuer bezahlen, kommt aber um einen EM-Ausschluss auf Bewährung herum.

Nur ein angedrohtes "Hausverbot für Hooligans" statt EM-Aus auf Bewährung: Die kroatische Fußball-Nationalmannschaft ist nach den Krawallen der eigenen Fans mit einem blauen Auge davongekommen. Die Disziplinarkommission der Europäische Fußball-Union (Uefa) verhängte am Montagabend für den Skandal von St. Etienne eine äußerst milde Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro. Auf Bewährung darf der Verband zudem keine Tickets mehr an polizeibekannte Krawallmacher verkaufen.

Bestraft wurde Kroatien, das damit wie geplant am Dienstag (21.00 Uhr/Live-Ticker) gegen Titelverteidiger Spanien in Bordeaux um den Einzug ins Achtelfinale spielt, für "Zuschauerausschreitungen", das Zündeln mit Pyrotechnik, rassistisches Verhalten, und weil am Freitagabend kurz vor dem Abpfiff der Partie gegen Tschechien (2:2) "Objekte" auf den Rasen geworfen worden waren. Mit Blick auf die dicke Strafakte der Kroaten, die noch Einspruch einlegen können: nichts Ungewöhnliches.

Cacic rechnet nicht mit weiteren Ausschreitungen

Die Probleme würden das Team nur "stärker" machen, sagte Trainer Ante Cacic: "Niemand kann unser Land terrorisieren." Der Coach rechne nicht mit weiteren Ausschreitungen. "Ich bin nicht besorgt, die französische Polizei wird besser vorbereitet sein. Wir müssen uns auf das Spiel konzentrieren", sagte Cacic. Zusammen mit seinem Team hatte der 62-Jährige aber am Freitag im Stade Geoffroy-Guichard hilflos zusehen müssen, wie im Fanblock das Chaos ausbrach.

Ab der 86. Minute hatten Hooligans Böller und bengalische Feuer auf den Rasen geworfen. Zudem prügelten sich die Kroaten untereinander. Ein Ordner wurde leicht verletzt, weil ein Knallkörper direkt neben ihm explodierte. Die Uefa-Sanktion, kroatische Hooligans bei möglichen weiteren EM-Spielen vom Kartenverkauf auszuschließen, greift dennoch erst, wenn es am Dienstag noch einmal knallt. Details, beispielsweise wie viele Hooligans bereits auf der schwarzen Liste stehen, wurden zunächst nicht bekannt.

"Wir haben alles getan, um Zwischenfälle zu vermeiden", hatte der Verband am Wochenende mitgeteilt. Die Aktion war vorher sogar im Internet angekündigt worden, dort war von einem geplanten Platzsturm die Rede. Teile der kroatischen Hooligans wollen mit solchen und ähnlichen Aktionen der kroatischen Verbandsspitze schaden.

"Wir senden ein hässliches Bild in die Welt"

"Das sind Staatsfeinde, die ihre Mannschaft und ihr Land hassen", hatte die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic gesagt: "Schämt euch!" Die Zeitung Sportske Novosti schrieb von einem "Anschlag auf Kroatien - die Wilden verwirklichten ihre Drohungen", und Trainer Ante Cacic, der immer noch unter "Schock" stand, betonte: "Wir senden ein hässliches Bild in die Welt. Aber das ist nicht Kroatien."

In den Augen der Uefa-Richter sind die Kroaten ganz klar Wiederholungstäter. Knapp eine Million Euro musste der Verband HNS in den vergangenen zehn Jahren an die Uefa überweisen. Zu den "gewöhnlichen" Vergehen wie das Abbrennen von Pyrotechnik kommen immer wieder hässliche Zwischenfälle wie im Juni 2015, als kroatische Fans den Rasen im Poljud-Stadion in Split vor dem EM-Quali-Spiel gegen Italien so mit Chemikalien behandelten, dass sich ein viele Meter großes Hakenkreuz abzeichnete.

(jaso/sid)
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