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Turnier in Frankreich
Anschläge werfen Fragen nach Sicherheit der EM 2016 auf

Reaktionen: "Die Gegentore treten völlig in den Hintergrund"
Reaktionen: "Die Gegentore treten völlig in den Hintergrund"
Paris. Die Terror-Anschläge von Paris werfen Sicherheitsfragen auf – auch bezüglich der EM 2016. Das Organisationskomitee ist alarmiert.

Frankreich fühlte sich für die EM 2016 gerüstet. Seit Monaten arbeiten das Innenministerium, der französische Fußball-Verband FFF und das EM-OK an Detailfragen des Schutzes von Besuchern, Spielern und Touristen, im Bewerbungskonzept stand "Sicherheit" in der Liste von zwölf Risiken an erster Stelle. Zudem hatte der Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo schon ein Umdenken ausgelöst. Doch der IS-Terror in Paris am Freitag, er könnte alles verändern.

OK-Präsident Jacques Lambert lieferte unter unmittelbarem Eindruck des Horrors eine bedrückende Analyse. "Der Grad des Terror-Risikos ist gestiegen", sagte er. "Der Terror ist kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches. Die Grenze zur Handlung ist überschritten worden." Die Sportzeitung L'Equipe schrieb am Samstag: "Die EURO 2016 wird bedroht. Die Befürchtungen sind maximal geworden." Offensichtlich waren zwei der Sprengsätze direkt am Stade de France explodiert.

Einhundertprozentige Sicherheit kann es für ein Großereignis mit zehn Stadien in zehn Städten nicht geben, auch dies war eine Erkenntnis am Ende eines schwarzen Tages. "Wir haben viele Vorsichtsmaßnahmen ergriffen", sagte Verbandspräsident Noel Le Graet nach dem Spiel gegen Deutschland (2:0) noch in den Katakomben des Endspielstadions von 2016 nachdenklich, "aber man sieht, dass Terroristen jederzeit zuschlagen können. Wir hatten vorher bereits eine gewisse Unruhe bezüglich der Europameisterschaft. Die ist natürlich noch stärker geworden."

Selbstverständlich auch in der Mannschaft, die sogar selbst betroffen war. Die Schwester von Antoine Griezmann (24/Atletico Madrid) überstand das Attentat auf den Pariser Konzertsaal Bataclan mit viel Glück unbeschadet. "Gott sei Dank konnte meine Schwester den Bataclan verlassen. Alle meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien", schrieb Griezmann bei Twitter: "Vive la France!"

Uefa sagt Hilfe zu

Anzeichen von Zweifeln an einem derzeit nicht vorstellbaren friedlichen Fußball-Fest gab es von den Organisatoren der Uefa am Samstag aber trotz der gezielten Attacken mit Toten im unmittelbaren Umfeld des wichtigsten Turnierstadions in Saint-Denis (noch) nicht. Dem EM-Gastgeber wurde vom Kontinentalverband jede Hilfe zugesagt.

"Die Uefa ist tief geschockt und traurig über die tragischen Ereignisse und möchte Frankreich und denjenigen, die von diesen schrecklichen Akten betroffen sind, ihre Unterstützung und Solidarität ausdrücken", teilte der Verband am Samstagmorgen in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Für alle anstehenden Länderspiele wurde eine Schweigeminute und Trauerflor für alle Spieler angeordnet. Uefa-Chef Michel Platini, selbst Franzose, äußerte: "Ich möchte meine tiefe Trauer und tiefe Empörung über solche Taten der blinden Barbarei zum Ausdruck bringen."

Doch wie sind Menschen, Stadien, Hotels und Anlagen, öffentliche Verkehrsmittel und bevölkerte Plätze zu schützen? In erster Linie durch den Staat. Der wird sich im Wesentlichen um die Sicherheit kümmern, wenn zum Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli Hunderttausende anreisen.

Am 2. September ist ein Protokoll unterschrieben worden, in dem die Aufgabenverteilung zwischen dem Staat und der FFF geregelt wird. Die Stadien, Camps, Mannschafts- und Uefa-Unterkünfte werden laut dieses Abkommens von den Organisatoren abgesichert. Außerhalb trägt der Staat die Verantwortung. Ob es somit während der EM zu Grenzkontrollen kommen wird, ist offen, aber am Freitag wahrscheinlicher geworden.

"Wir wussten von Anfang an, dass der Sicherheitsfrage eine Schlüsselrolle zukommt", sagt Lambert. "Die Vorgänge vom Januar (Attentat auf die Zeitung Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt, d. Red.) haben die Voraussetzungen nicht grundsätzlich geändert. Wir wussten von Anfang an um die Gefahr von terroristischen Anschlägen gegen Frankreich." Wichtig war ihm, hinzuzufügen: "Ich sage Frankreich, und nicht Uefa oder EM!" Die Europäische Fußball-Union hatte am Samstagmorgen kondoliert, ließ aber Fragen des SID in Bezug auf die EM unbeantwortet.

Für die Koordination aller Sicherheitsfragen wurde schon vor geraumer Zeit eine nationale Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. In den Fanzonen der EM-Städte sind die Stadtverwaltungen zuständig, sie werden sich wohl mit privaten Sicherheitsdiensten verstärken.

Ziad Khoury, Sicherheitsdirektor des französischen Organisationskomitees, sieht Frankreich gut aufgestellt. "Die Organisation einer Sportveranstaltung von Weltgeltung erfordert präzise und ausreichende Mittel. Ich denke besonders an Auskünfte, die eine internationale Zusammenarbeit erfordern", sagte er.

Er versicherte: "Unsere technische Ausrüstung wird ausreichend sein. Vor allem, was die Entdeckung von Sprengstoff angeht."

(sid)
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