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EM-Premiere als Kommentatorin
Neumann: "Neutrale Beurteilung kaum möglich"

Claudia Neumann: "Neutrale Beurteilung kaum möglich"
Claudia Neumann feiert Premiere FOTO: dpa, rje htf fie wok
Claudia Neumann kommentiert für ZDF erstmals ein EM-Spiel. Das verschafft ihr viel Aufmerksamkeit, die ihr gar nicht so recht ist.

Von dem Wirbel um ihre Person wirkt Claudia Neumann immer noch überrascht. Als erste Frau kommentiert die ZDF-Reporterin am Samstag aus Bordeaux ein Spiel bei einer Männer-EM - und wird dadurch in eine neue Rolle gedrängt. Die sonst auch als Interviewerin am Spielfeldrand arbeitende Journalistin wird auf einmal selber interviewt. Doch das "wird nicht meine Lieblingsdisziplin", sagte sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Mit dem Rummel kann die 52-Jährige, die als Mädchen selber gekickt hat, umgehen. "Das Interesse gilt ja glücklicherweise nicht mir als Person, ich transportiere nur ein gesellschaftspolitisches Thema", sagte Neumann. "Noch immer fragen wir uns, in welcher Funktion passen Frau und Fußball so zueinander, dass es eine breite Akzeptanz erfährt. Mir war schon bewusst, was im Vorfeld der Spiele passiert."

Was danach kommt, hat sie sich ebenfalls schon ausgemalt. Zumindest würde es sie nicht überraschen, wenn es unerwünschte Reaktionen nach ihrem ersten Live-Einsatz am Samstag beim Spiel Wales gegen Slowakei gibt. Sie sei "vorbereitet, was im Nachgang auf mich zukommen wird, so oder so".

Die TV-Teams bei der EM 2016 FOTO: ZDF/Nadine Rupp/Ruppografie

Dabei ist es für die erfahrene Reporterin selber gar nicht so ungewöhnlich, was sie am zweiten Tag der EM tun wird. "Ich mache diesen Job, weil es Teil meines Berufes ist und ich eine große Leidenschaft für den Fußball hege, und nicht, um irgendjemanden in seinem Weltbild zu erschüttern." Früher hat sie selber auf dem Bolzplatz und mit den Jungs gespielt. Das passte nicht ins Weltbild ihrer Mutter.

Bei der Kritik durch die Kollegen spiele das Geschlecht keine Rolle, die richte sich "positiv wie negativ ausschließlich nach Inhalten. Bei den Zuschauern sieht das anders aus." Der ZDF-Frau ist klar: "Wenn jemand per se die Frauenstimme bei Fußball-Kommentaren ablehnt, ist eine neutrale Beurteilung kaum möglich."

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Seit 1999 arbeitet sie für das ZDF, davor auch bei RTL und Sat.1. Sie berichtete bereits von Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften der Frauen. Die Männer-EM ist für sie nur der nächste normale Schritt.

Allerdings räumt sie Unterschiede zwischen Frauen- und Männer-Spielen ein. "Das fängt schon bei der Vorbereitung an. Wenn ich bei einer Frauen-WM Costa Rica gegen Südkorea kommentiere, sind die Vorab-Informationen rar. Der Männerfußball hingegen ist so transparent, da gibt es alles in Hülle und Fülle."

Manche Frauenspiele seien "zäher", weil es vorkomme, "dass 20 Minuten nichts passiert. Ballgeschiebe in der neutralen Zone mit regelmäßigen Ballverlusten auf beiden Seiten." Beim Männer-Fußball gebe es solche Probleme nicht. "Hier liegen die Tücken eher im intensiven Tempospiel, es ist mitunter sehr schwer, strittige Szenen sofort im Realbild zu beurteilen", erklärte Neumann.

(dpa)
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