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Bundeskanzlerin als Glücksbringer
Reist Merkel für das Spiel gegen Italien zur EM?

Fotos: Merkel bejubelt Treffer der DFB-Elf gegen Portugal
Fotos: Merkel bejubelt Treffer der DFB-Elf gegen Portugal FOTO: dpa, hpl
Berlin. Keines der bisher vier EM-Spiele der Deutschen hat die Kanzlerin in Frankreich im Stadion verfolgt. Zuviel los in der Politik. Dabei ist Merkel bekennender Fan der Mannschaft – und umgekehrt. Ob sie nun wenigstens zum Kracher-Viertelfinale Deutschland gegen Italien fährt?

So kennt man sie: Brille auf, Schlandkette um, die Daumen fest auf den Zeigefingern. Und wenn die Deutschen ein Tor schießen, springt sie von ihrem Tribünen-Platz auf und reißt die Arme nach oben - die Daumen bleiben gedrückt. Es sind so ziemlich die einzigen Momente, in denen die Bürger eine jubelnde, emotionale Kanzlerin erleben. Nichts haut sie öffentlich sichtbar mehr vom Hocker als ein Spiel der Nationalmannschaft.

Aber bisher hat Angela Merkel während der Europameisterschaft beim Nachbarn Frankreich noch kein einziges Spiel der Deutschen live im Stadion verfolgt. Bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren im fernen Brasilien war sie zweimal: zum Auftakt und zum Finale. Deutschland wurde Weltmeister. Und auch die Bundeskanzlerin wurde gefeiert.

Viele Fußballfans riefen beim Public Viewing "Angie, Angie", wenn die Kamera auf die Regierungschefin schwenkte, die eine dezente schwarz-rot-goldene Halskette trug. Auch jene Bilder gingen um die Welt, wie Merkel mit den zum Teil nur halbbekleideten Spielern in der Kabine feierte. Bevor es um Politik ging, gratulierten ausländische Gäste Merkel jedenfalls kurz nach der WM erst einmal zum Sieg – als trainierte sie die Jungs, und nicht Jogi Löw.

Seit dem ersten EM-Spiel der Nationalelf gegen die Ukraine hindert aber eben die Politik Merkel aber daran, nach Frankreich zu reisen. Am 12. Juni war sie zu Regierungskonsultationen in China. Anpfiff war in Frankreich um 21 Uhr – drei Uhr morgens in Peking. Merkel sagte vorher: "Ich drücke der Mannschaft die Daumen. Ich hoffe, dass wir gewinnen, wie man das ja immer tut." Nach dem 2:0-Sieg hieß es, Merkel habe sich das Spiel im Fernsehen angeschaut. Schlaf adé.

Das Spiel gegen Polen am 16. Juni wurde ihr durch eine Konferenz mit den Ministerpräsidenten verhagelt. So betonte Merkel vor dem Treffen: "Ich beginne damit, dass ich erst einmal der deutschen Nationallmannschaft, obwohl ich heute Abend leider nicht in Paris sein kann, allen Erfolg wünsche." Das 0:0 war politisch gesehen ganz angenehm. Denn einen Tag später jährte sich der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag zum 25. Mal, was beide Länder groß feierten. Der Gleichstand passte da gut ins Bild.

Die Begegnung mit Nordirland am 21. Juni war terminlich eingeklemmt zwischen einer Sitzung der Unionsfraktion am Nachmittag und einer großen Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrates am Abend, wo Merkel eine Rede hielt. Aber das Spiel um 18 Uhr konnte sie zumindest zu einer vernünftigen Zeit im Fernsehen sehen.

Wie auch den Einzug der Deutschen ins Viertelfinale nach dem Sieg gegen die Slowakei am 26. Juni. Das war zwar ein Sonntag und insofern ein Tag, an dem ein privater Kurztrip eher mal drin gewesen wäre. Aber das war der dritte Tag nach dem Brexit-Referendum, und an etwas anderes als europäische Krisenbewältigung war nicht zu denken.

Nun kommt das Spiel aller Spiele. Deutschland gegen Italien. Ein Kracher im Viertelfinale. Könnte Endspiel-Qualität haben. Deutschland hat in vergleichbaren Situationen noch nie gegen Italien gewonnen. Und Merkel gilt als Glücksbringer für die deutsche Mannschaft. Und wenn sie nicht anreist, und Manuel Neuer und Co. fliegen raus, dann hätte sie kein Spiel während dieser EM gesehen. Ist es da nicht ein Muss, dass sie in Bordeaux auf der Tribüne sitzt?

Regierungssprecher Steffen Seibert verkündet die neuen Termine der Kanzlerin immer freitags. So viel steht schon fest: Samstagabend gibt es weder eine Unionsklausur noch ein Ministerpräsidenten-Treffen oder eine Brexit-Krisensitzung. Ein ganzer Abend ohne Politik. Demnach könnte sie – und man darf annehmen, dass sie es auch gern möchte.

(dpa)
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