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Italien oder Spanien?
Angstgegner bereiten Löw keine schlaflosen Nächte

Angstgegner Italien ud Spanien bereiten Joachim Löw keine schlaflosen Nächte
Joachim Löw fordert von seinem Team im Viertelfinale eine weitere Steigerung. FOTO: dpa, jai
Lille/Evian. Deutschland ist locker ins Viertelfinale der EM in Frankreich eingezogen. Nach dem überzeugenden 3:0 im Achtelfinale gegen die Slowakei herrscht auch vor der nächsten Runde gegen Italien oder Spanien große Zuversicht beim Weltmeister.

Das Personal zelebrierte die La Ola, anschließend schallte donnernder Applaus aus dem Hotel Ermitage in die Nacht, als wäre das große Ziel schon erreicht. Als Joachim Löw und seine müden Helden am Montagmorgen gegen 1.00 Uhr in ihr EM-Quartier in Evian zurückkehrten, herrschte nicht nur bei den Angestellten der Nobelherberge ausgelassene Stimmung.

Nach dem souveränen Einzug ins EM-Viertelfinale durch das 3:0 (2:0) in Lille gegen die Slowakei leuchtete sogar der Eiffelturm schwarz-rot-gold. Bei so viel Zuspruch konnte auch der kommende Viertelfinalgegner dem Weltmeister keine Angst einflößen.

"Wir fürchten uns vor keinem", sagte der einmal mehr überragende Abwehrboss und Torschütze Jerome Boateng bestimmt, und auch Löw demonstrierte das Selbstbewusstsein eines Weltmeisters. "Ich werde keine schlaflosen Nächte haben", sagte der Bundestrainer mit Blick auf den kommenden Samstag, an dem in Bordeaux (21 Uhr) so oder so ein Angstgegner auf die deutsche Mannschaft wartet: Spanien - oder Italien.

"Ein anderes Kaliber"

"Das sind beides Topmannschaften, ein anderes Kaliber als unsere bisherigen Gegner", urteilte der Bundestrainer, und er ging ins Detail: "Italien hat eine sehr starke Defensive und auch gute Spieler vorne. Spanien zeigt mit das beste Offensivspiel seit Jahren. Beide Mannschaften sind sehr unterschiedlich, aber beide sind ähnlich stark."

Um auch das nächste Etappenziel der Tour de France zu erreichen, sei "eine weitere Steigerung" vonnöten, sagte Löw, seine Mannschaft sei "noch lange nicht" am Limit: "Wir müssen noch stärker werden, wenn wir das Turnier gewinnen wollen."

Nach dem holprigen Start registrierte der 56-Jährige aber erfreut, dass seine Mannschaft gegen die Slowaken weiter Fahrt aufgenommen hat und ihren Ruf als Turniermannschaft zu bestätigen scheint: "Wir hatten immer die Kontrolle über das Spiel und haben den Ball gut laufen lassen. Es war ein ungefährdeter Sieg."

Jerome Boateng (8.) mit seinem ersten Länderspieltreffer, zugleich dem schnellsten der deutschen EM-Geschichte, Mario Gomez (43.) und Julian Draxler (63.), der Mann des Spiels, schossen Deutschland in die Favoritenrolle. Mesut Özil vergab einen Foulelfmeter (13.).

Dass seine Mannschaft auch im vierten EM-Spiel ohne Gegentor blieb, freute den Bundestrainer zwar, aber er mahnte: "Jetzt kommen Mannschaften mit viel mehr Potenzial und Qualität in der Offensive. Auch da müssen wir weiter zulegen."

Am Montag standen für die Spieler zunächst Regeneration und ein wenig Freizeit am Genfer See auf dem Programm, am Dienstag, wenn Gewissheit herrscht, beginnt die Vorbereitung auf den nächsten Gegner. In Gedanken waren alle schon auf der kurzen Rückreise nach Evian beim Viertelfinale.

"Spanien ist technisch die beste Mannschaft überhaupt. Italien ist taktisch überragend", sagte Boateng, der nach seiner Wadenblessur aus dem Nordirland-Spiel erneut groß aufspielte und in der 72. Minute gefeiert vom Feld ging. "Die Wade ist am Ende etwas fest geworden, es war eine Vorsichtsmaßnahme", versicherte er.

Geburtstagsparty im Finale?

Auch Mario Gomez, der den "Matchkampf" im Sturmzentrum gegen die falsche Neun Mario Götze zumindest bei der EM für sich entschieden haben dürfte, blickte nach vorn - bis zum Finaltag 10. Juli, seinem 31. Geburtstag: "Unser Ziel ist der Titel, deshalb müssen wir auch die Gegner in den nächsten Runden schlagen."

Dazu beitragen will auch wieder der überragende Draxler, der als Torschütze und als Vorlagengeber für Gomez zu überzeugen wusste. "Ich hoffe, dass ich im nächsten Spiel wieder ran darf. Italien und Spanien sind riesige Fußball-Nationen, wir wissen aber um unsere Stärken und glauben an uns."

Ob Löw jetzt seine Stammformation für den vierten EM-Titel gefunden hat? "Es kann auch wieder im Viertelfinale die eine oder andere Änderung geben. Das will ich nicht ausschließen", sagte der Bundestrainer. Kapitän Bastian Schweinsteiger brachte sich nach seinem dritten Kurzeinsatz selbst ins Gespräch: "Ich würde mir schon zutrauen, von Anfang an zu spielen. Ich fühle mich gut."

(sid)
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