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Comeback des Kapitäns
Schweinsteiger hat noch "keinen Rhythmus"

Schweinsteiger feiert Comeback im DFB-Team
Schweinsteiger feiert Comeback im DFB-Team FOTO: dpa, mb wst
Gelsenkirchen. Bastian Schweinsteiger war nach seinem lang ersehnten Comeback sichtlich erleichtert. Der Kapitän der deutschen Weltmeister klatschte seine Kollegen mit einem Lächeln im Gesicht ab, dann zog er noch auf dem Rasen ein zufriedenes Zwischenfazit.

"Für 25 Minuten, eine halbe Stunde oder eine Halbzeit reicht es schon", sagte der Spielführer nach dem weitgehend mühelosen 2:0 (1:0) bei der EM-Generalprobe gegen EURO-Teilnehmer Ungarn.

Allerdings: Zum EM-Auftakt am 12. Juni in Lille gegen die Ukraine wird Schweinsteiger wohl noch nicht in der Startelf stehen. "Für 90 Minuten im ersten Spiel wird es schwer, das geht eher nicht", sagte er nach seinem ersten Länderspiel seit November 2015 (0:2 in Frankreich) im ZDF. Er sei jedoch "definitiv fitter als vor der WM 2014, da konnte ich fast nix machen, jetzt schon einiges". Und damals in Brasilien reichte es am Ende ja für den Titel - mit Schweinsteiger in der Heldenrolle.

Das große Ziel vor Augen warf sich Schweinsteiger nach seiner Einwechslung (68.) in Gelsenkirchen noch nicht mit letzter Konsequenz in die Zweikämpfe - schließlich hatte er wegen zweier Knieverletzungen 2016 nur zwei Spiele bestritten. "Er hat natürlich noch keinen Rhythmus", sagte Bundestrainer Joachim Löw, für das Ukraine-Spiel müsse man "mal sehen".

Löw fand es "wichtig, zu Null zu spielen, das bringt ein gutes Gefühl für die nächste Woche" - die letzte vor dem Start ins Turnier. Deshalb nahm es Löw auch erleichtert zur Kenntnis, dass Abwehrchef Jerome Boateng ("kein Problem") und Sami Khedira, dessen Auswechslung er als "reine Vorsichtsmaßnahme" bezeichnete, sich in harten Duellen nicht ernsthaft verletzten.

Adam Lang (39.) brachte den überlegenen Weltmeister per Eigentor in Führung, Thomas Müller legte nach (63.). Allerdings übersah Schiedsrichter Martin Strömbergsson (Schweden) vor beiden Toren Abseitsposition der Vorlagengeber Jonas Hector und Mario Gomez. Titel-Favorit Deutschland spielte dominant, legte aber einige Verschnaufpausen ein und zeigte zu viel brotlose Kunst. Obwohl die Null stand, wirkte die deutsche Elf in der Defensive wieder nicht sattelfest.

Löw hatte vor dem Anpfiff für zumindest eine Überraschung gesorgt: Statt des erwarteten Gomez bot er WM-Held Mario Götze in der Spitze auf und entschied sich in der Grundsatzfrage "falsche oder richtige Neun" für letzteres. Als rechter Außenverteidiger durfte in "seiner" Arena der Schalker Benedikt Höwedes ran statt des jungen Münchners Joshua Kimmich. Auf der seit der Verletzung von Marco Reus vakanten Position links vorne erhielt wie im Training absehbar der frühere Schalker Julian Draxler eine Chance. Er bekam den Vorzug vor Geburtstagskind Lukas Podolski (31), der als Joker kam (79.).

Einen Auftakt nach Maß - eben durch die sehr agilen Götze und Draxler - verhinderte nur eine krasse Fehlentscheidung von Strömbergsson: Nach einem Pass des Münchners schob der Wolfsburger den Ball nach 57 Sekunden eindeutig nicht aus Abseitsposition über die Linie, der Schwede pfiff dennoch.

Der Ex-Herthaner Gabor Kiraly verhinderte gegen Müller das 1:0 (11.), nach dem anschließenden Eckball von Toni Kroos köpfte Antonio Rüdiger freistehend vorbei. Auf der Gegenseite zeigte Torhüter Manuel Neuer bei einem Schuss von Gergö Lovrencsis eine seltene Schwäche und hatte Glück, dass der Hannoveraner Adam Szalai beim unverhofften Abpraller im Abseits stand (15.).

So stand wie gegen die Slowakei (1:3) ein guter Beginn ohne den erhofften Ertrag, und wie am vergangenen Sonntag fand der Außenseiter plötzlich ins Spiel. Sechs Minuten vor der Pause gelang dann die zumindest zu diesem Zeitpunkt etwas überraschende Führung - und bezeichnenderweise war es ein Missgeschick der Ungarn: Nach einer Hereingabe von Hector drückte Lang den Ball vor Götze über die Linie.

In der Pause wechselte Löw Spieler und Positionen, und das DFB-Team gewann die Spielkontrolle zurück. Gomez scheiterte zunächst per Kopf an Kiraly, ehe Müller vollstreckte. Dann kam Schweinsteiger - und das war an diesem Abend doch die wichtigste Nachricht.

(sid)
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