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Achtelfinale gegen die Slowakei
Schweinsteiger "immer besser", Fragezeichen hinter Boateng

Deutschland - Slowakei: die Fakten
Deutschland - Slowakei: die Fakten
Evian. Bundestrainer Joachim Löw könnte im Achtelfinale gegen die Slowakei  auf seinen Kapitän Bastian Schweinsteiger setzen. Die Planstelle auf der Sechs ist nicht die einzige Position, über deren Besetzung noch nicht entschieden ist. Von Robert Peters

Die Sonne brutzelt vom blauen Himmel, das Thermometer zeigt 30 Grad. Wer kann, der geht ins Freibad oder an den See. Alle anderen in Evian-les-Bains schwitzen fröhlich um die Wette. Nur Bastian Schweinsteiger scheint ein anderes Temperaturgefühl zu haben. Beim Morgentraining der deutschen Nationalmannschaft trägt er ein längeres Beinkleid. Vielleicht hat er auch nur Angst vor Sonnenbrand. Das weiß kein Mensch. Es ist ebenfalls nicht heraus, ob der Kapitän im EM-Achtelfinale am Sonntag in Lille gegen die Slowakei spielen wird. Aber es gibt Anzeichen dafür. Joachim Löws Trainer-Assistent Marcus Sorg hat festgestellt, "dass er in einem sehr guten Zustand ist, er wird immer besser, stabiler, spielfreudiger. Er kommt langsam auf das Niveau, dass man ihn von Anfang an bringen könnte".

Khedira könnte eine Pause vertragen

Sorgs Kollege Thomas Schneider hat seinen tragbaren Computer mit den vielen Daten befragt und zur Auskunft bekommen, dass Sami Khedira in den ersten Spielen die höchste läuferische Belastung aushalten musste. Er könnte eine Pause vertragen. Ob er sie bekommt und Schweinsteiger an seiner Stelle durchs defensive Mittelfeld ackert, ist dennoch eine andere Frage.

Die Planstelle auf der sogenannten Sechs ist nicht die einzige Position, über deren Besetzung noch nicht entschieden ist. Nach offenbar verfrühten Meldungen über eine eilige Gesundung des Innenverteidigers Jerome Boateng sind die Auskünfte der medizinischen Abteilung des DFB deutlich zurückhaltender geworden. Sorg berichtet über "eine rückläufige Verhärtung" der Wadenmuskulatur, "wir sind positiv und hoffen, dass es reicht". Am Freitag reicht es noch nicht. Boateng tritt auf dem Ergometer mit erkennbarer Zurückhaltung in die Pedale, und er bringt nach Darstellung des Verbands ein Lauftraining hinter sich. Es sei "alles im Plan", lässt Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mitteilen.

EM-Taktik: Deutschland gegen Slowakei

Am Samstag soll Boateng in den Alltag der Teamübungen zurückfinden. Er darf das noch in Evian tun. Dort findet das Abschlusstraining statt, weil auf Geheiß der Uefa am Spielort Lille eilig ein neuer Rasen verlegt wird, dem die Organisatoren bis zum Anstoß Schonung auferlegen wollen.

Neuer warnt angeschlagenen Boateng vor "falschem Ehrgeiz"

Boatengs Kollegen sind zuversichtlich, dass der wichtigste Mann in der deutschen Defensive seinen Auftritt auf dem neuen Geläuf im Norden haben wird. "Das Wichtigste ist, dass er in seinen Körper hineinhorcht", sagt Torwart Manuel Neuer, "falscher Ehrgeiz ist ein falscher Ratgeber. Aber ich bin sicher, dass er in Lille dabei ist."

Ihr Spielsystem werden die Deutschen im Vergleich zur Vorrunde nicht grundsätzlich ändern. Löw betont, "dass wir wieder Spieler brauchen, die in die Tiefe gehen, die unserem Spiel Raum geben". Diesen Job hat beim 1:0 über Nordirland vor allem der EM-Debütant Joshua Kimmich auf dem rechten Flügel sehr zufriedenstellend erledigt. Als weitgehend stürmischer Rechtsverteidiger eröffnete er mit seinen Sprints die Abspielmöglichkeiten für Boateng aus der Defensive, Toni Kroos aus dem zentralen Mittelfeld und Mesut Özil in der vorderen Linie, der dadurch nicht nur nach Löws Ansicht "viel besser aussah als in den Spielen davor". Der Bundestrainer fasst das wichtigste Ergebnis der Forschungsgruppe Gegner-Analyse so zusammen: "Die Slowakei spielt schon auch aus einer starken Deckung schnell nach vorn." Im Prinzip also nicht anders als die Ukraine, Polen und Nordirland.

Druck liegt beim DFB-Team

Dass der Achtelfinalkontrahent dabei über Qualitäten verfügt, die dem Weltmeister durchaus gefährlich werden können, wissen Löws Jungs seit Ende Mai. In einer bedingt aufschlussreichen Regenschlacht von Augsburg gewannen die Slowaken mit 3:1. Als der Regen noch nicht derart herunterprasselte, dass außer Wassertreten mit Ball keine andere Sportart mehr möglich war, setzten sie zwei konzentrierte geradlinige Spielzüge in Tore um. Die deutsche Führung war verspielt. Das ging sehr schnell, und das ist auch die Hoffnung des Außenseiters in Lille. "Es ist gut zu wissen, dass wir sie schlagen können, und wir sind bereit", sagt Kapitän Martin Skrtel.

Der Druck liegt natürlich beim Favoriten. Der aber glaubt, damit umgehen zu können. "Wir sind gut vorbereitet", versichert Neuer, "und wir werden versuchen, das Spiel möglichst früh für uns zu entscheiden." Sein Münchner Mannschaftskollege Thomas Müller betont: "Ab jetzt brauchen wir jedes Mal unser bestes Spiel." Er findet allerdings auch: "Wir sind gut unterwegs. Die Basis stimmt für den großen Erfolg." Vor dem großen Erfolg steht die Pflichtaufgabe gegen die Slowakei. Vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gab es die Achtelfinal-Pflichtaufgabe gegen Algerien. Nach einigem Gerumpel reichte es zum knappen 2:1-Erfolg nach Verlängerung.

Quelle: RP
 
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