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Innenband-Teilanriss beim DFB-Kapitän
EM für Schweinsteiger in Gefahr

Fußball: DFB-Elf trainiert nach Anschlägen in Brüssel
Fußball: DFB-Elf trainiert nach Anschlägen in Brüssel FOTO: dpa, ahi fdt
Es soll sein erstes Turnier als DFB-Kapitän werden. Die Frage ist: Wird Bastian Schweinsteiger bis zur EM wieder richtig fit, sodass er der Mannschaft helfen kann.

Als Bastian Schweinsteiger am Mittwochmorgen zum Arzt seines Vertrauens flog, flog die Sorge mit. Als die Diagnose von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die DFB-Delegation in Berlin erreichte, schwankte die Stimmung zwischen Schock und Erleichterung. Der Innenband-Teilanriss gefährdet wohl zumindest das große Ziel des Nationalmannschafts-Kapitäns: Die EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) als krönender Abschluss seiner Karriere im DFB-Team.

Schweinsteiger verletzte sich am Ende des Dienstag-Trainings bei einem Gegner-Kontakt nach einem Pass. Darüber, wie lange er ausfallen wird, wie es bis zur EM in etwas mehr als zwei Monaten mit ihm weitergeht, wollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwoch nicht mutmaßen. Die EM-Teilnahme scheint nicht ausgeschlossen. Es droht dem 31-Jährigen aber vielleicht doch ein Horror-Szenario: Nach zwölf Jahren und 114 Länderspielen im Kreise der Nationalelf ein Abschied durch die Hintertür.

Denn aktuell war Schweinsteiger schon nur "ein Chef für gewisse Stunden". Dass sein erstes Turnier als Kapitän auch sein einziges als Spielführer sein wird, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Sein Körper ächzt immer wieder unter den Belastungen, die der Profifußball dem einst "Frühreifen" seit nun fast 15 Jahren zumutet.

Ein Rücktritt aus dem Nationalteam nach der EM, so hört man aus Schweinsteigers Umfeld, ist wahrscheinlich. Weil er auch als Leader wichtig ist, nominierte ihn Bundestrainer Joachim Löw trotz fehlender Bestform für die beiden ersten Länderspiele des Jahres gegen England am Samstag und Italien drei Tage später. Die verletzungsbedingte Abreise nährt nun die Spekulationen, ob Schweinsteiger überhaupt bei der EM dabei sein wird.

Sollte er fit werden, kann er sich Löws Unterstützung sicher sein. Denn nicht nur der Bundestrainer erinnert sich stets an das Bild vom 13. Juli 2014, auf dem Schweinsteiger, unter dem Auge eine blutende Wunde und der ganze Körper irgendwie ein einziger blauer Fleck, nach Sieg gegen Argentinien (1:0 n.V.) den WM-Pokal in die Luft reckt. Das wichtigste Spiel seiner Karriere wurde sein bemerkenswertestes. Löw lobte eine "unmenschliche Willenskraft, die ich noch nie gesehen habe".

Einen besseren Moment zum Abgang auf dem Höhepunkt wird Schweinsteiger nicht mehr finden, so viel scheint klar. Doch solch einen Leader braucht man auch bei einer EM. Obwohl er seit der Beförderung zum Kapitän nur 495 von 1350 Minuten auf dem Platz stand.

Schweinsteigers Wille ist ungebrochen

"Die Zeit bis zur Euro ist noch relativ lange", hatte Löw vor der Zusammenkunft in Berlin gesagt: "Auch bei der WM 2014 hat er bei uns im Trainingslager kaum eine komplette Einheit mit der Mannschaft absolviert. Dann aber hatten wir ihn doch so weit, dass er in den wichtigen Spielen richtig präsent war." Schweinsteigers Ehrgeiz sei "ungebrochen extrem hoch, er will weiter Topleistungen bringen." Abgesprochen sei ein Rücktritt danach auch noch nicht, versicherte Löw.

Sicher hat Schweinsteiger sich auch nach dem WM-Triumph schon Gedanken gemacht, ob wie bei Philipp Lahm, Miroslav Klose oder Per Mertesacker für ihn noch etwas kommen kann im Nationalteam. Doch die Aussicht, das Team einmal als offizieller Kapitän zu einem Turnier zu führen, war für den seit Jahren als heimlicher Chef geltenden Bayern zu reizvoll. "Ziemlich schnell nach unserem Triumph in Rio habe ich gemerkt, wie sehr es mich reizt, den Erfolg in Europa zu bestätigen", erklärte er: "Mir war sofort klar, dass mein Weg mit diesem Team noch nicht zu Ende ist."

Bei Manchester United, wohin er im Sommer nach 17 Jahren bei Bayern München wechselte, nahm er aus Verletzungs- wie Leistungsgründen nicht die Rolle ein, die er und der Klub sich vorstellten. Die "Daily Mail" führt ihn als drittgrößten Flop der Saison. Doch beim DFB irritiert das niemanden. "Bei so einem erfahrenen Spieler wie Bastian mache ich mir keine große Sorge", sagte Manager Oliver Bierhoff vor der Verletzung: "Vielleicht ist es sogar gut, dass er keine 60 Spiele vor der EM auf dem Buckel hat."

In einem offenen Brief an die Fans schrieb Schweinsteiger kürzlich, er wolle in Frankreich "einen Jubelsommer erleben". Sollte das gelingen und das DFB-Team mit dem Kapitän Schweinsteiger erstmals als Weltmeister eine EM gewinnen, wäre seine Mission endgültig erfüllt.

(seeg/sid)
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