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Nationalmannschaft
"Einschüchtern bedeutet: Niederlage"

Fotos: Löw wirkt auf Pk sehr nachdenklich
Fotos: Löw wirkt auf Pk sehr nachdenklich FOTO: afp, PST/DG
München. Die deutsche Nationalmannschaft trägt nach Ansicht von Psychologe Florian Holsboer bei einer Rückkehr in das Stade de France bei der EM in einem Jahr eine schwere Bürde.

"Ja, ganz bestimmt. Das werden sie im Kopf haben, daran wird man denken. Das ist so, wie man einen Spielort nicht vergisst, an dem man unglücklich verloren hat, nur in einer anderen Dimension. Es wird viel nötig sein, um das zu überwinden", sagte der langjährige Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München.

"Hier fängt man nicht einfach bei Null an. Man hat die Gedanken im Kopf. Da wird es eines gewissenhaften psychologischen Coachings bedürfen", sagte der Psychologe in einem Interview in "tz" und "Münchner Merkur" (Dienstag). Beim Terror in Frankreichs Hauptstadt waren weit über 100 Menschen gestorben, mehrere Hundert wurden verletzt.

DFB-Elf trainiert im Regen von Hannover unter Polizeischutz FOTO: dpa, nte lus htf

Auch als ein Zeichen gegen Einschüchterung und für Zusammenhalt findet das Länderspiel des DFB-Teams gegen die Niederlande statt. Das sei auch gut für die Spieler, befand Holsboer. "Man überwindet ein solches Erlebnis am besten, wenn man sich aktiv gegen das stellt, was einem angetan werden sollte. Es ist gut, entschieden dagegen vorzugehen und sich in seinen Plänen nicht beeinträchtigen zu lassen", erklärte Holsboer.

Über Ereignisse wie das am Freitag müsse man reden, sagte der Psychiater. "Aber auch genau das, was mit dem Spiel in Hannover bezweckt wird: Nicht einschüchtern lassen! Einschüchtern bedeutet: Niederlage. Das wollen die Terroristen ja erreichen."

Maas begrüßt Bestätigung Frankreichs als EM-Gastgeber

Nach den Terror-Anschlägen hat derweil Bundesjustizminister Heiko Maas die Bestätigung Frankreichs als Gastgeber der EM als wichtiges Signal begrüßt. "Als Konsequenz jetzt die Fußball-EM abzusagen oder in ein anderes Land zu verlegen, wäre nicht der richtige Weg. Denn dann hätten die Terroristen gewonnen. Wir werden auch im nächsten Sommer die Fußball-EM in Frankreich feiern, wenn die Sicherheitsbehörden keine Bedenken haben", sagte Maas im Sport1-Interview.

Zu Wochenbeginn hatte die Europäische Fußball-Union (Uefa) Fragen nach einer Absage des EM-Turniers in Frankreich zurückgewiesen. Es gebe keinen Grund für die Annahme von Anschlägen beim Turnier der 24 besten Mannschaften des Kontinents, teilte die Uefa mit. Bei der Anschlagsserie in der französischen Hauptstadt sollen Terroristen offenbar vergeblich versucht haben, im Stade de France beim Länderspiel Frankreich gegen Deutschland eine Bombe in der Arena zu zünden. Am Dienstag bekräftigte auch Frankreichs Sportminister Patrick Kanner, dass die EM-Endrunde trotz der Terror-Gefahr wie geplant unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen in seinem Land stattfinden wird.

Gianni Costa vor dem Länderspiel in Hannover

Aus Sicht von Maas ist auch für Deutschland die Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen bei sportlichen Großereignissen die bessere Antwort auf die Bedrohung durch Terroristen als eine Absage der Massenveranstaltungen. "Es hat sich an der abstrakten Bedrohungslage in Deutschland nichts geändert. Wenn wir jetzt in Angst und Schrecken verfallen, dann haben die Terroristen eines ihrer Ziele schon erreicht. Fußballspiele sollten weiter stattfinden, Fans sollten im Stadion weiter ihren Spaß haben. Sicherheitsmaßnahmen werden wir verstärken. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten", sagte der SPD-Politiker.

(areh/dpa/sid)
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