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DFB-Zukunft im Unklaren
Schweinsteiger – es klingt nach Abschied

Die deutschen EM-Rekordspieler
Die deutschen EM-Rekordspieler FOTO: dpa
Marseille. Im August wird Bastian Schweinsteiger 32 Jahre alt. Er sieht älter aus, als er da in der Begegnungszone des Stadions von Marseille steht. Das Haar an den Schläfen ist vornehm ergraut, die Augen sind müde. Vielleicht stimmt auch im Fußball, was der große Boris Becker einst fürs Tennis behauptet hatte: "Tennisjahre sind Hundejahre." Von Robert Peters

120 Länderspiele hat Schweinsteiger gemacht, es könnte sein, dass das EM-Halbfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Gastgeber Frankreich sein letztes gewesen ist. "Darüber habe ich noch nicht nachgedacht", sagt er nach dem 0:2 mit leiser Stimme, "ich habe versucht, alle meine Energie in dieses Turnier reinzupacken. Das war nicht leicht."

Nicht viele haben ihm zugetraut, dass er im Halbfinale würde spielen können, kaum einer, dass er im Viertelfinale gegen Italien 105 Minuten auf dem Platz stehen würde. Seine Krankenakte machte viele skeptisch. Die zwei Jahre nach seinem großen Triumph im WM-Finale von Rio schleppte er sich bei Bayern München und Manchester United mit zahlreichen Blessuren herum. In der Nationalelf spielte er selten, der letzte Einsatz in der Startmannschaft war im November 2015 beim Freundschaftsspiel in Paris gegen Frankreich, das von den verheerenden Terroranschlägen überschattet wurde. So richtig Fußball gespielt hat er zuletzt im Januar.

Es war gewagt, dass Bundestrainer Joachim Löw seinen Kapitän ins Aufgebot für Frankreich holte. Nach dem Halbfinale sagt er: "Dafür, dass er so lange verletzt war, hat er uns sehr geholfen." Das hört sich nach Abschied an. Ausgerechnet der Kapitän ist an einer entscheidenden Szene des Spiels beteiligt. Im Kopfballduell mit Patrice Evra spielt er den Ball mit der Hand. Der Schiedsrichter zeigt folgerichtig auf den Punkt und gibt Elfmeter. "Eine sehr unglückliche Aktion", sagt Löw. Und Schweinsteiger kann es sich selbst nicht erklären. "Jeder, der mal Fußball gespielt hat, der weiß, dass es manchmal Reflexe gibt. Ich weiß nicht, warum der Arm da hochgegangen ist", sagt er.

Dieses Rätsel nimmt er mit in den Mannschaftsbus.

Quelle: RP
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