| 07.49 Uhr

Halbfinal-Aus gegen Frankreich
Deutschland hat eben keinen Griezmann

Matchwinner Griezmann verbeugt sich vor Fans
Matchwinner Griezmann verbeugt sich vor Fans FOTO: dpa, pgr
Marseille. Der Weltmeister ist im Halbfinale der Europameisterschaft gescheitert. Nach einer über weite Strecken ordentlichen Vorstellung unterlag Deutschland Gastgeber Frankreich in Marseille mit 0:2. Die vielleicht spielentscheidende Szene sorgte nicht nur auf dem Platz für reichlich Gesprächsstoff. Von Robert Peters

In der letzten Minute der ersten Halbzeit spielte der deutsche Kapitän Bastian Schweinsteiger im Kopfball-Duell mit Patrice Evra den Ball mit der Hand. Während die Deutschen ein Foul von Evra beklagten, entschied Schiedsrichter Nicola Rizzoli auf Elfmeter. Antoine Griezmann vollstreckte sicher.

Für die Deutschen war es der Anfang vom Ende. Sie hatten im ersten Durchgang klare Vorteile und ordentliche Torchancen, aber die ganz große Durchschlagskraft entwickelten sie nicht. Nach der Pause hatten sie zwar weiter Feldvorteile, aber erst dann gute Chancen, als sie nach Griezmanns zweitem Treffer schon aussichtlos zurücklagen.

Reaktionen: "Das ist die Rache von Rizzoli"

Ganz nebenbei mussten sie den nächsten Ausfall eines Stammspielers hinnehmen. Abwehrchef Jerome Boateng schied nach einer Stunde mit dem Verdacht auf eine Muskelverletzung aus. Dadurch fehlte der DFB-Auswahl ein konstruktives Element im Spielaufbau. Eine zusätzliche Schwächung bei ihrer Aufholjagd. Den entscheidenden Treffer fing sie sich allerdings durch ein großes Durcheinander im eigenen Strafraum, das Griezmann mit dem zweiten Tor bestrafte. Die Franzosen hatten genau den effektiven Stürmer, der den Deutschen fehlte. Thomas Müller war als Sturmspitze wie immer eifrig, aber ohne Torgefahr und in vielen Situationen extrem unglücklich. Er bestätigte den sehr durchwachsenen Eindruck der vorhergehenden Spiele.

"Es gibt so Tage im Fußball", sagte Bundestrainer Joachim Löw, "da kommt einiges zusammen. Der Ausfall wichtiger Spieler, eine unglückliche Aktion, ein bisschen Pech."

Enttäuschung bei entkräfteten Deutschen

Nach dem Abpfiff sanken die deutschen Spieler entkräftet und enttäuscht auf den Rasen. Auch ihnen war das Kunststück nicht gelungen, einen Weltmeistertitel mit einer Europameisterschaft zu veredeln. Dabei boten sie im Lauf des Turniers zunehmend reife Vorstellungen an, und sie können natürlich darauf verweisen, eine tolle erste Halbzeit gegen die Franzosen gespielt zu haben. Sie können außerdem laut über den Elfmeter klagen. Ohne ein eigenes Tor zu schießen, ist das mit Gewinnen aber sehr schwierig. Letzten Endes lag das Problem damit im Angriff.

Fotos: Schweinsteiger verursacht Handelfmeter FOTO: dpa, hak

Vielleicht wird auch darüber diskutiert, ob Löw gut beraten war, das Mittelfeld durch Schweinsteiger und Emre Can stark gemacht zu haben. Dadurch nahmen die Deutschen dem zentralen Mittelfeld der Franzosen um Paul Pogba die gefürchtete Wucht, der Weg in den eigenen Angriff war jedoch mit zunehmender Spielzeit zu weit für Toni Kroos, der ein Stück vor Schweinsteiger und Can spielen sollte.

Löw fand, dass seine Mannschaft "heute besser war als Frankreich". Sie habe ein insgesamt "tolles Turnier gespielt", und er könne ihr überhaupt keinen Vorwurf machen. "Ich habe jetzt, ehrlich gesagt, nicht so viele Fehler gesehen", erklärte er. Eine große Analyse der EM wollte er natürlich noch nicht vornehmen. "Der Stachel sitzt doch tief", stellte Löw fest, "wir werden vielleicht morgen mal darüber reden, wann wir das Turnier analysieren. In drei Tagen, in vier Tagen, in ein paar Wochen, das weiß ich noch nicht."

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