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Halbfinale der EM
Darauf kommt es gegen Frankreich an

EM-Taktik: Deutschland gegen Frankreich
Evian. Zum Halbfinale gegen Frankreich am Donnerstag (21 Uhr/Live-Ticker) sagt DFB-Stürmer Thomas Müller: "Für solche Spiele schaut man die Euro." Von Robert Peters

Thomas Müller sitzt auf dem Podium des DFB-Medienzentrums in Evian. Er hält sich ein bisschen am kleinen Ball fest, in den das Mikrofon mündet. Ein schönes Bild für alle, die immer noch glauben, er benötige dringend Halt in dieser bösen, für ihn bislang torlosen Europameisterschafts-Welt. Dem widerspricht er allerdings. Und er hat ein nicht minder schönes Beispiel für die wirklich wichtigen Dinge in seinem Sportlerleben. Er sagt: "Tore sind nicht mein Benzin, sondern eher der Lack, der gut aussieht. Mein Benzin ist der Antrieb, etwas Großes zu leisten." Die wesentlichen Themen vor dem Halbfinale heute Abend in Marseille gegen Frankreich:

Gibt es Änderungen? Bislang hat Bundestrainer Joachim Löw darauf stets vage antworten können. Das Wörtchen "vielleicht" nahm breiten Raum in seinen Beiträgen ein. Nun muss er sagen: "Es wird Änderungen geben." Er muss den gesperrten Innenverteidiger Mats Hummels, den Stürmer Mario Gomez und den Mittelfeldspieler Sami Khedira ersetzen. Die naheliegenden Lösungen: Benedikt Höwedes verteidigt für Hummels, Mario Götze kehrt in den Angriff zurück. Und für Khedira hatte Löw gestern Abend in Bastian Schweinsteiger die Lösung parat: "Er wird definitiv beginnen. Er hat die Physis und die Kraft, von Anfang an zu spielen. In so einem Hexenkessel ist seine Erfahrung enorm wichtig."

Wer stoppt Pogba? Paul Pogba ist der große Star in Frankreichs Mannschaft, körperlich stark, strategisch beschlagen, gut am Ball, vorwärts orientiert und mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein. Er unterstreicht es durch viel Glitter und Gold in seiner Freizeitmode, extravagante Frisuren und extrem lässiges Auftreten. Gegen Pogbas körperliche Präsenz ist Can ein gutes Gewicht. Allein wird er den zentralen Spieler in Frankreichs Auswahl aber nicht neutralisieren können. "Wir müssen das als Mannschaft gut machen", findet Müller. Da ist er nicht allein.

Die deutsche Defensive. "Wir wissen, dass wir gerade in der Defensive bisher ein sehr gutes Turnier spielen", erklärt Manuel Neuer. Er kann das als Torwart bestens beurteilen. Er schließt daraus: "Wir müssen keine Angst haben. Aber die Franzosen beherrschen das Umkehrspiel sehr gut, da müssen wir hellwach sein." Manager Oliver Bierhoff urteilt: "Sie haben eine sehr hohe individuelle Qualität, da müssen wir Geschlossenheit entgegensetzen."

Dreier- oder Viererkette. Löw gibt vor, sich nicht entschieden zu haben. "Für das Spiel gegen Frankreich muss ich mir noch etwas einfallen lassen", sagt er. Das hat er vor den anderen Turnierspielen auch gesagt. Die Dreierkette in der Abwehr war gegen Italien sicherlich das richtige Mittel. "Frankreich ist aber schon auch eine andere Mannschaft", erklärt der Coach. Gut vorstellbar, dass er zur klassischen Viererkette zurückkehrt.

Die Schlüsselspieler. Die DFB-Auswahl hat eine spielbestimmende Achse. Sie besteht aus Torwart Neuer, Verteidiger Jerome Boateng, den Mittelfeldspielern Toni Kroos, Mesut Özil und Stürmer Müller. Für alle gilt, was Müller bereits vorm Achtelfinale sagte: "Ab jetzt müssen wir alle unser bestes Spiel spielen." Özil stellt mit der Erfahrung aus vier Halbfinal-Partien in großen Turnieren fest: "Ein Fehler kann das Ende sein." Und wer will das schon?

Die Offensive. Dass Löw umbauen muss, steht fest. Wer in die Angriffsmitte rückt, ist dagegen offen. Nach vielen Jahren, in denen das Dahinscheiden der klassischen Neun mal erklärt, mal betrauert, mal kritisiert wurde, sagt Bierhoff: "Wir dürfen nun nicht den Fehler machen, zu denken: Es geht nicht ohne echte Neun." Gomez hat der Mannschaft mit seiner körperlichen Präsenz im Strafraum sehr geholfen. Aber der Kollege Müller erklärt zu Recht: "Mario war sehr wichtig für unser Spiel, aber er ist nicht die Anspielstation gewesen wie bei den Italienern Pellè." Das deutsche Spiel entsteht aus der Kombination über die Flügel und in die Tiefe. Einen Abnehmer im Strafraum benötigt es freilich auch.

Das könnte Müller sein. "Wenn das meine Rolle ist, dann muss ich mich als Stürmer auf den ersten Pfosten bewegen", sagt er. Weil er wirkungsvoller auftritt, wenn er seine Räume selbst entdeckt, könnte Götze als beweglicher Mittelstürmer die nächste Chance bekommen. Damit er keine schlechte Laune bekommt, haben ihn die Trainer bei jeder Gelegenheit für seine läuferisch überzeugenden Auftritte in den ersten beiden Gruppenspielen gelobt.

Der Klassiker. Ein Spiel von Deutschland gegen Frankreich gehört längst zu den Großereignissen im Fußball. "Für solche Spiele schaut man die Euro", erklärt Müller. Und Löw ist gleich mal völlig begeistert. "Das ist so ein Spiel auf Augenhöhe", sagt der Trainer, "super, dass es solche Spiele gibt. Ich liebe diese Spiele." Die Vorfreude strahlt aus jedem Knopfloch.

Löws Rolle. Der Bundestrainer demonstriert Gelassenheit. Er kann es sich leisten. "Er hat ja auch eine gewisse Erfolgshistorie aufzuweisen", betont Müller, "er wirkt auf uns sehr zuversichtlich. Er merkt, welche Geschlossenheit und Qualität die Mannschaft zeigt." Zielstrebig sei der Coach, aber niemals hektisch. "Da sind wir schon gut versorgt mit Jogi Löw." Das meint nicht nur Müller.

Quelle: RP
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