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EM-Auftakt gegen die Ukraine
Gute Chancen für Gomez

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Evian-Les-Bains. Es ist endlich soweit. Die deutsche Elf startet gegen die Ukraine ins Turnier. In der Abwehr dürfte Benedikt Höwedes beginnen, im Angriff hat Mario Gomez die besten Karten. In unserem Taktik-Video erklären wir den Plan von Bundestrainer Joachim Löw. Von Robert Peters

Oberhalb des Trainingszentrums der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zieht sich eine kleine Straße durch ein beschauliches Wohngebiet. Für die Anwohner in Evian-les-Bains hat das ein paar Nachteile, weil viel mehr Autos die Straße rauffahren. Es hat aber auch Vorteile, denn die Anwohner kommen in den Genuss exklusiver Bilder. Gemütlich von der Wohnzimmer-Couch oder von der Terrasse blicken sie auf eine Hälfte des Trainingsplatzes. Dadurch war das Geheimtraining vor dem EM-Auftakt gegen die Ukraine (Sonntag, 21 Uhr/Live-Ticker) nur noch ein halbes Geheimtraining. Und wer sich besonders gut auskannte unter den Spionen auf dem Hügel, der sah, dass Mario Gomez von allen Seiten mit Flanken und Zuspielen eingedeckt wurde. Das beantwortet wohl eine der Fragen zum mit Abstand größten Staatsgeheimnis, der Startaufstellung.

"Die Mannschaft steht"

Wer spielt denn nun? Bundestrainer Joachim Löw ließ seinen Assistenten Thomas Schneider diese Frage bearbeiten. Viel schlauer ließ er seine Zuhörer nicht zurück. Denn er sagte: "Die Mannschaft steht." Er hätte auch sagen können: "Elf Spieler werden beginnen."

Ist Gomez einer von ihnen? Die Spione vom Höhenweg finden das naheliegend. Schneider behauptete: "Es gibt da keine Präferenz." Dazu setzte er ein entschlossenes Pokerface auf. Die Variante zur echten Neun, Gomez, ist die falsche Neun, Mario Götze. Den hatte Löw für Fitness und spielerische Fähigkeiten gelobt. Viel Lob erhielt allerdings auch Bastian Schweinsteiger. Und der wird sicher noch nicht in der Startelf auflaufen.

Wer spielt in der Innenverteidigung für Rüdiger? Antonio Rüdiger war der Ersatzmann für Mats Hummels, der nach seinem Muskelfaserriss aus dem Pokalfinale langsam wieder in Wettkampfverfassung kommt, aber vielleicht gar nicht mit nach Lille zum Auftaktspiel fährt, damit er weiter (geheim?) trainieren kann. Weil Rüdiger mit einem Kreuzbandriss ausfällt, wurde Jonathan Tah aus dem Urlaub nachnominiert. Auch dessen Einsatz ist nicht zu erwarten. Schneider beteuerte: "Wir haben mehrere Innenverteidiger, die über sehr gute Qualitäten verfügen." Neben dem gesetzten Jerome Boateng gibt es aber nur zwei gelernte Kräfte: Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi. Einiges spricht für die Versetzung von Höwedes links neben Boateng.

Wer verteidigt außen? Joshua Kimmich hat dort nur im Training gespielt. Wenn Höwedes nach innen rückt, könnte er sein Debüt als rechter Flügelmann geben. Links ist Jonas Hector ohne Konkurrenz.

Viererkette ist Favorit

Dreier- oder Viererkette? Schneider antwortete erwartungsgemäß: "Wir haben uns entschieden." Wofür, das war selbst vom Hügel nicht zu erkennen. Favorisiert wird die klassische Viererkette, die Variante mit den drei Innenverteidigern Höwedes, Boateng und Mustafi ist eine Alternative, die den ukrainischen Kontern den Weg verstellen könnte. Über Vor- und Nachteile der Modelle gab es keine nähere Auskunft. "Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich darüber referieren würde", sagte Schneider. Schade.

Das zentrale Mittelfeld? Hier tun die Platzhirsche Dienst. An Sami Khedira, neben dem völlig unumstrittenen Torwart Manuel Neuer der zweite Kapitän, kann Löw eigentlich nicht vorbeigehen. Toni Kroos hat keinen Konkurrenten. Die Alternativbesetzung mit Kroos und Mesut Özil, beim 4:1 gegen Italien sehr eindrucksvoll, kommt vielleicht später zum Einsatz.

Das offensive Mittelfeld? Das stellt sich von selbst auf. Die Besetzung der zentralen Stelle in diesem Trio wollte sogar der wortkarge Schneider nicht verschweigen. "Fakt ist: Mesut Özil ist in einer sehr, sehr guten Verfassung", versicherte der Co-Trainer, "und wenn einer in einer sehr, sehr guten Verfassung ist, dann könnte man ihn zentral bringen." Rechts ist Thomas Müller eine Bank, links hat Julian Draxler wohl die Nase vorn. Er hat das selbst unterstrichen. "Ich glaube, dass Jonas Hector und ich das auf der linken Seite zuletzt ganz gut gemacht haben", erklärte Draxler, "ich habe keine Sorge, dass wir es als Mannschaft defensiv auch hinkriegen." Im Klartext: Mit dem Links-Gespann Hector und Draxler. Aber auch darüber gab der Hügel-Blick keine Sicherheit.

Quelle: RP
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