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EM-Viertelfinale
Schreckgespenst Italien

EM 2016: Italien ist Deutschlands Schreckgespenst
Italien ist Deutschlands Angstgegner. FOTO: Martin Ferl
Düsseldorf. Gegen keine andere Nation sieht der deutsche Fußball so schlecht aus wie gegen Italien. In acht Duellen bei Welt- und Europameisterschaften gab es keinen Sieg. Vier Mal bedeuteten bittere Niederlagen den Abschied von allen Titelträumen. Von Bernd Jolitz

Im Grunde ist es wie mit den Engländern beim Elfmeterschießen: Sie versuchen es immer wieder, aber ein glückliches Ende ist einfach nicht drin. Mit dem feinen Unterschied allerdings, dass die deutschen Fußballer im Gegensatz zu den Kollegen von der Insel grundsätzlich eher zu den Erfolgreichen ihrer Zunft zählen. Es sei denn, es geht gegen Italien. Am Samstag (21 Uhr/Live-Ticker) steigt im EM-Viertelfinale der neunte Versuch, ein großes Turnierspiel gegen die Squadra Azzurra zu gewinnen (vier Niederlagen, vier Remis). Die schwarze Serie begann vor 46 Jahren in der Hitze Mexikos.

17. Juni 1970 Mehr als 100.000 Zuschauer sind im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt. Sie erleben ein Stück Fußballgeschichte, als im WM-Halbfinale Italien und Deutschland aufeinandertreffen. Das Geschehen in der regulären Spielzeit, die mit Roberto Boninsegnas 0:1 (8.) einen frühen Höhepunkt hat, mutet zwar beinahe wie Standfußball an - das ist jedoch den über 50 Grad Celsius auf dem Platz geschuldet.

Richtig los geht es erst nach Karl-Heinz Schnellingers 1:1 in der 90. Minute. In der Verlängerung liefern sich beide Teams einen Schlagabtausch, der 50 internationale Fußballstars bei einer Umfrage 27 Jahre später dazu bringt, die Partie zum "Spiel des Jahrhunderts" zu wählen. 2:1 Gerd Müller (95.), 2:2 Tarcisio Burgnich (98.), 2:3 Gigi Riva (103.), 3:3 Müller (110.). Erst von Gianni Riveras 3:4 (112.) erholt sich Helmut Schöns Elf nicht mehr. Im Finale unterliegt Italien Brasilien dann 1:4.

11. Juli 1982 Diesmal ist es das WM-Finale - und wieder ist Italien obenauf. Aus deutscher Sicht ist es ein sehr durchwachsenes Turnier, bei dem im Rückblick die negativen Schlagzeilen überwiegen: die "Schande von Gijon" mit dem Vorrunden-Ballgeschiebe gegen Österreich und Toni Schumachers Brachial-Attacke gegen den Franzosen Patrick Battiston sind nur zwei Beispiele. Die Azzurri beginnen die WM mit drei peinlichen Unentschieden, sind aber in der entscheidenden Phase voll da. So auch im Finale von Madrid, das sie durch Tore von Paolo Rossi, Marco Tardelli und Alessandro Altobelli gewinnen. Paul Breitners Elfmeter zum 3:1-Endstand ist nur Ergebniskosmetik.

4. Juli 2006 Das deutsche Sommermärchen endet in der Nacht von Dortmund schmerzhaft. Mehr als drei Wochen lang hat die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann das ganze Land begeistert, und sie setzt das im Halbfinale fort. 65.000 Zuschauer sind aus dem Häuschen, beide Teams haben oft das Führungstor auf dem Fuß. Als sich fast alle auf ein Elfmeterschießen eingerichtet haben, wird Fabio Grosso zum personifizierten Alptraum. Italiens Verteidiger setzt einen Schuss aus der Drehung unhaltbar für Jens Lehmann in die lange Ecke (119.). Gegen die geschockte DFB-Auswahl legt Alessandro Del Piero noch das 0:2 nach. Fünf Tage später wird die Squadra in Berlin gegen Frankreich Weltmeister.

28. Juni 2012 Fabio Grosso findet einen würdigen Nachfolger: Mario Balotelli. Italien geht im Nationalstadion von Warschau als Außenseiter ins EM-Halbfinale, weil das von Joachim Löw trainierte deutsche Team in den Runden zuvor weitaus überzeugender aufgetreten ist als sein Gegner. Doch Löw wählt die falsche Taktik, nimmt seiner Elf unter anderem durch eine zu defensive Rolle für Toni Kroos die Wirkung. Bereits zur Pause hat Balotelli mit zwei Treffern in der 20. und 36. Minute die Weichen gestellt, Deutschland findet auch nach dem Wechsel kein Mittel gegen den alten Angstgegner. Erst in der Schlussminute gelingt Mesut Özil per Handelfmeter der Treffer zum 1:2-Endstand. Italien holt den Titel dennoch nicht, geht im Endspiel gegen Weltmeister Spanien 0:4 unter.

2. Juli 2016 Deutschlands neunter Versuch, diesmal im Stadion Matmut Atlantique von Bordeaux. Wird es die fünfte Pleite oder der erste Sieg? Balotelli ist jedenfalls nicht dabei - und Grosso trainiert nur noch die Jugend von Juventus Turin.

Quelle: RP
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