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Personalsorgen bei Bundestrainer Löw
Die deutsche Mittelachse ist gebrochen

Khedira muss nach 15 Minuten verletzt runter
Khedira muss nach 15 Minuten verletzt runter FOTO: dpa, pgr
Düsseldorf. Fünfmal hat Mats Hummels bei dieser EM Foul gespielt. Bis zum nächsten Mal wird etwas Zeit vergehen, vielleicht werden es sogar vier Jahre: Denn Hummels ist am Donnerstag im Halbfinale gegen Frankreich gesperrt – weil 40 Prozent seiner Vergehen mit Gelb geahndet wurden. Von Jannik Sorgatz

"Jetzt habe ich drei Tage länger Regeneration als andere", flüchtete sich der 27-Jährige in Galgenhumor. Die zweite Karte gegen Italien ging in Ordnung, die erste gegen die Slowakei bleibt ein Rätsel.

In dieser Hinsicht besitzt Bundestrainer Joachim Löw also Planungssicherheit. Doch am Tag nach dem Elfmeterkrimi gegen Italien kam die Ernüchterung: Neben Hummels fällt Sami Khedira auf jeden Fall aus, für ihn ist wahrscheinlich sogar das Turnier beendet.

Genau wie für Mario Gomez, bei dem am Sonntag ein Muskelfaserriss im Oberschenkel diagnostiziert wurde. Eine zumindest auf den ersten Blick gute Nachricht: Auf allen drei Positionen hat Löw gegen Italien Alternativen ausprobieren können. 

Das Netz lacht über Boatengs Handspiel

Khedira fällt definitiv für das Spiel gegen Frankreich aus, das bestätigte Bundestrainer Löw am Montag. "Wir werden alles dafür tun, dass er in einem möglichen Finale zur Verfügung steht", sagte Löw. Bei Schweinsteiger müsse man die nächsten Tage abwarten. "Das Spiel gegen Italien mit den 120 Minuten hat Spuren hinterlassen. Wir müssen Veränderungen vornehmen und Lösungen finden", betonte Löw.

Die Umstellung von einer Vierer- auf eine Dreierkette war in einer Hinsicht ein ungewollter Glücksfall, weil Benedikt Höwedes, der designierte Hummels-Ersatz, bereits 120 Minuten verteidigen durfte und ein gutes Länderspiel machte. Außerdem hat das DFB-Team mit Höwedes noch nie ein Pflichtspiel verloren (17 Siege, drei Unentschieden), bei der WM 2014 verpasste der Schalker keine Minute. 

Nicht nur der Halbfinalgegner spricht dafür, dass Löw zur Viererkette zurückkehren wird. Eine Formation mit Höwedes, Jerome Boateng und Shkodran Mustafi wäre dann wohl doch zu viel Risiko. Zudem rief Italiens Zweiersturm geradezu nach einer Dreierkette. Am Donnerstag wird mehr Präsenz im Mittelfeld gefragt sein.

Italiens Zaza macht sich mit Elfmeter zum Gespött

Khedira sorgt von Natur aus für eine gewisse Wucht neben dem feinfüßigeren Toni Kroos, den Italiens Eder als Bodyguard so gut es ging aus dem Spiel nahm. Doch der Mann von Juventus Turin fällt für das Spiel aus. Bereits in der Anfangsphase am Samstag erlitt er einen Anriss im Adduktorenbereich.

Der Pechvogel wurde durch Bastian Schweinsteiger ersetzt. Der hatte im gesamten Kalenderjahr für seinen Klub Manchester United nur 155 Minuten auf dem Platz gestanden, gegen Italien war er 105 Minuten am Stück gefordert. Auch im Halbfinale wäre Schweinsteiger die erste Alternative gewesen, wenn bei dem Kapitän nicht auch eine Verletzung diagnostiziert worden wäre. Schweinsteiger laboriert an einer Außenbandzerrung im Knie. Die Zeit wird knapp.

Für ihn könnte der Dortmunder Julian Weigl zu seinem EM-Debüt kommen. Gut möglich auch, dass Joshua Kimmich, der bislang auf der rechten Seite ein starkes Turnier spielt, in die Schaltzentrale neben Kroos gezogen wird. Zumindest ist klar, dass Mesut Özil, der Schütze des zwischenzeitlichen 1:0 fit, nicht gesperrt und damit gesetzt ist für das Halbfinale. 

Einzelkritik: Hummels und Neuer überragend FOTO: afp

Weiter vorne wird durch den Ausfall von Gomez definitiv eine Position frei. Julian Draxler, der "Man of the Match" aus dem Achtelfinale, könnte in die Startformation rücken, wenn Thomas Müller ins Zentrum beordert wird. Falls ihn Löw weiter auf rechts das Glück suchen lässt, könnte noch einmal Mario Götzes Stunde schlagen. Was ebenfalls ginge: Draxler im Zentrum hinter Müller, André Schürrle, bislang ohne Startelfeinsatz, auf links. Dass Leroy Sané ausgerechnet im Halbfinale sein EM-Debüt feiert, erscheint höchst unwahrscheinlich.

Gewiss ist: Dass Hummels, wie er selbst betonte, die erste Gelbsperre seiner Profikarriere absitzen muss. Und dass für Gomez die EM vorbei ist.

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