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Sané, Kimmich und Weigl
Junge Männer zum Mitreisen

Portrait: Leroy Sane – das Schalke-Juwel
Portrait: Leroy Sane – das Schalke-Juwel FOTO: ap, EM
Paris. Leroy Sané, Joshua Kimmich und Julian Weigl warten bei dieser Europameisterschaft auf ihre Chance. Möglicherweise bekommt zumindest einer am Dienstag gegen Nordirland eine Bewährungschance. Von Robert Peters

Leroy Sané ist 20 Jahre alt, und er sieht wirklich keinen Tag älter aus. Trotzdem spielt er schon bei dem – zumindest für deutsche Verhältnisse – großen Klub Schalke 04 in der Bundesliga. Trotzdem steht er bereits im EM-Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft, und trotzdem wollen ihn die ganz großen Klubs unbedingt verpflichten.

Trainer Pep Guardiola gilt als erklärter Anhänger des Spiels von Sané, und weil er nun mit dem Geld der Scheichs bei Manchester City um sich werfen kann, winkt ManCity mit einer Ablösesumme von 50 Millionen Euro. Die Bayern würden es preiswerter machen, noch ein Jährchen warten und dann 37 Millionen Euro zahlen. Diese Summe hat sich Sané für 2017 in den Vertrag schreiben lassen. Morgen, das wollen die Zeitungen und Portale des Springer-Verlags erfahren haben, soll sich Sané zu seiner Zukunft erklären.

Seinem Management würde es da sicher ganz gut in den Kram passen, wenn der Schalker Stürmer zuvor bei der Europameisterschaft in Frankreich, also heute gegen Nordirland, die große Bühne betreten würde. Das ist durchaus möglich, denn Sané, dessen Namen Joachim Löw beinahe unnachahmlich wie "Sahne" ausspricht, bringt Qualitäten mit, die der Bundestrainer zuletzt vermisste. Er ist schnell, kann auch mal einen Gegner ausspielen und gegen eine tiefstehende Verteidigung Lösungen finden, die seine prominenten Kollegen gegen die Polen nicht fanden.

Dennoch hält sich Löw bei der Frage nach Einsatzzeiten für "Sahne" und seine jungen Kollegen Julian Weigl (20, Borussia Dortmund) und Joshua Kimmich (21, Bayern München) betont zurück. Er sagt zwar: "Sané hat schon auch große Fähigkeiten, und Jo Kimmich hat im Training als rechter Verteidiger, als Innenverteidiger und als Mittelfeldspieler einen guten Eindruck hinterlassen. Auf keiner Position hätte ich Bedenken, ihn einzusetzen."

Löw sagt aber auch: "Die jungen Spieler mussten sich schon auch an das höhere Tempo und das Niveau gewöhnen. Man spürt bereits im Training: Das hier ist die Nationalmannschaft." Und es ist die Europameisterschaft, bei der sehr genau hingeschaut wird und bei der jeder Fehler schwere Folgen haben kann, nicht mehr auszugleichende Folgen, je länger das Turnier dauert. "Es ist eine besondere Drucksituation", folgert der Bundestrainer, "deshalb muss ich bei den Talenten, die ich mitgenommen habe, den richtigen Zeitpunkt für einen Einsatz finden." Er werde darum "nach der Situation entscheiden". Über Weigl spricht er gar nicht erst, dem stehen freilich die Mittelfeld-Großfürsten Toni Kroos und Sami Khedira, später wohl auch Bastian Schweinsteiger im fußballerischen Lebensweg.

Als Maradona Müller nicht kannte

Es gibt selbst in der jüngeren Länderspielgeschichte Beispiele dafür, dass Talente im ganz kalten Wasser das Schwimmen lernen können. Vor gut sechs Jahren machte Thomas Müller bei der 0:1-Testspielniederlage gegen Argentinien in München sein erstes Länderspiel als Einwechselspieler. Er war 20 und damals so unbekannt, dass Trainer Diego Maradona ihn für einen Balljungen hielt, der sich nach dem Spiel aufs Podium geschlichen hatte. Maradona brach die Konferenz zunächst ab und war erst mit viel gutem Zureden zur Rückkehr zu bewegen.

Ein paar Monate später lernte er den schlaksigen Bayern näher kennen. Müller erzielte in seinem dritten Länderspiel zum WM-Auftakt beim 4:0 gegen Australien einen Treffer. Und er machte auch das Führungstor beim 4:0-Triumph über die Argentinier im Viertelfinale. Maradona wird ihn bis heute nicht vergessen haben.

Müller brachte ebenso wenig Erfahrung mit wie die drei jungen Männer, die Löw zum Mitreisen eingeladen hat. Vielleicht war er bei seinen öffentlichen Auftritten nur einen Schuss unbekümmerter als das Nachwuchs-Trio heute, mehr Thomas Müller eben. Sané und Weigl wirken so brav und im DFB-Sinn wohlerzogen, dass es an Unscheinbarkeit grenzt. Kimmich überlassen sie meist die Redeanteile. Und der verheddert sich gern im Gestrüpp der Artigkeiten. Er sagt: "Ich bin natürlich froh, dabei zu sein." Aber auch: "Ich habe gezeigt, dass ich auf vielen Positionen spielen kann. Der Bundestrainer weiß das." Das klingt schon wieder kess, allerdings ein bisschen berechnend.

Quelle: RP
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