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Kader für die EM
Die Youngster sind die großen Gewinner

Die Gestrichenen der Ära Löw
Die Gestrichenen der Ära Löw FOTO: dpa, geb
Düsseldorf. Marco Reus ist der Leidtragende der endgültigen Kader-Nominierung von Bundestrainer Joachim Löw für die EM 2016. Aber es gibt auch Gewinner – gleich drei der vier Youngster haben ein Ticket für Frankreich in der Tasche. Das war so nicht zu erwarten. Von Stephan Seeger

Das Länderspiel gegen die Slowakei (1:3) am vergangenen Sonntag sollte Joachim Löw eigentlich die letzten Erkenntnisse bringen, ehe er am Dienstag den endgültigen Kader für die EM in Frankreich nominieren wollte. Vor allem die Youngster Leroy Sané, Joshua Kimmich, Julian Weigl und Julian Brandt standen im Fokus des Bundestrainers. Doch bei der Wasserschlacht von Augsburg konnte Löw sich nicht von allen das Bild machen, was er sich erhofft hatte. Sané und Kimmich spielten in der ersten Halbzeit, als der Rasen noch nicht überflutet war. Brandt und Weigl wurden nach dem Unwetter in der Halbzeitpause eingewechselt, eine Bewertung ihrer Leistung war kaum möglich.

Immerhin: Sané ließ sein Können in Halbzeit eins hier und da aufblitzen, Brandt konnte in einigen Aktionen nach seiner Einwechslung und trotz der widrigen Bedingungen zeigen, dass er für den Weltmeister bei der EM eine wertvolle Alternative sein könnte. Dagegen sah Kimmich vor allem im ersten Abschnitt in der neuformierten Dreierkette ziemlich überfordert aus, Weigl fiel komplett aus der Bewertung.

Nach diesem Testspiel stand eigentlich fest: Alle Youngster müssen um ihr EM-Ticket zittern. Dass am Ende nur Brandt nach Hause fahren musste, war eine der großen Überraschungen neben dem Aus von Reus, die Löw bei der Pressekonferenz am Dienstag verkündete. Doch wieso setzt Löw auf Kimmich, Weigl und Sané?

Weltmeister Höwedes lobt Sané

Sanés großer Vorteil ist seine Schnelligkeit. Benedikt Höwedes lobte seinen Schalker Teamkollegen in den höchsten Tönen. "Jeder weiß um Leroys Qualitäten. Er ist ein sehr pfeilschneller Spieler, der immer für eine besondere Aktion sorgen kann", sagte der angeschlagene Weltmeister über seinen Teamkollegen. Höwedes weiß aber auch, dass Sané Zeit braucht. "Leroy ist ein Spieler, der natürlich noch gewisse Dinge lernen muss. Aber ich glaube, in diesem Kreise kann er das auch bestens tun und bekommt hier auch jegliche Hilfestellung von allen Seiten."

Kimmichs Argument ist seine Vielseitigkeit. Pep Guardiola schulte den 21-Jährigen in der abgelaufenen Saison vom defensiven Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger um. Und auf dieser Position überzeugte Kimmich, auch international. Das Spiel gegen die Slowakei darf somit getrost als Ausrutscher gewertet werden, Löw weiß, was er an Kimmich hat. Da Mats Hummels wahrscheinlich erst während der Gruppenphase ins Turnier einsteigen wird, ist Kimmichs Nominierung nur logisch. Und: Löw kann ihn auch auf seiner Stammposition in der Zentrale vor der Abwehr bringen – oder als rechten Verteidiger, wie zuletzt beim Test gegen die DFB-eigene U20.

Weigls Nominierung hängt eng mit dem Fragezeichen hinter Kapitän Bastian Schweinsteiger zusammen. Sollte er ausfallen, könnte Weigl sofort einspringen. Der 20-Jährige hat eine überragende Saison für Borussia Dortmund absolviert, stand in 30 Bundesliga-Spielen für die Westfalen auf dem Platz. Dort zeigte er, wieso sich Löw auf ihn verlassen kann: Weigl spielt weniger spektakulär, macht aber für sein Alter schon verdammt viel richtig: Gute Übersicht, gutes Zweikkampfverhalten, gute Balleroberungen. Weigl könnte von Schweinsteigers Verletzung profitieren und bei der EM seinen endgültigen Durchbruch schaffen.

Drei der vier Youngster, die Löw mit ins Trainingslager nach Ascona genommen hat, sind auf den EM-Zug aufgesprungen. Drei Youngster, die in Frankreich sicherlich ihre Chance erhalten werden. Jetzt sind sie am Zug, diese auch zu nutzen.

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