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Müllers Motor stottert
"Tore sind nicht mein Benzin, sondern der Speziallack"

Fotos: Thomas Müller – Bayer, WM-Torjäger, Weltmeister
Fotos: Thomas Müller – Bayer, WM-Torjäger, Weltmeister FOTO: afp, desk
Ganz Deutschland macht sich Sorgen um Thomas Müller. Der verhinderte Torjäger bleibt aber ganz cool. Für die Beschreibung seines Gemütszustands wählte er einen ungewöhnlichen Vergleich.

Thomas Müller trifft das Tor nicht, aber von Verkrampfung ist bei ihm keine Spur. "Ich habe im Duden unter 'Lockerheit' nachgeschaut", sagte Oliver Bierhoff am Dienstag über den deutschen Torjäger mit Ladehemmung: "Da ist ein Foto von Thomas Müller drin." Just in dem Moment betrat der Weltmeister den Pressekonferenzraum, mit seinem Lausbubengrinsen merkte er an: "Ich bin noch gar nicht da, da geht es schon um mich."

Seine chronische EM-Torlosigkeit würde Müller zu gerne am Donnerstag (21.00 Uhr/im Live-Ticker) im Halbfinale gegen Frankreich beenden. "Ein Tor würde mir gut tun, dann würden mir nicht mehr so viele Fragen gestellt", sagte er, wohlwissend, dass in diesem Falle der Hype um seine Person noch größer würde.

Der frühere Torjäger Bierhoff ist jedenfalls sicher, dass der Knoten platzen wird: "Die Lage spitzt sich zu, und dann explodiert er." Im Viertelfinale gegen Italien war Müller selbst vom Elfmeterpunkt gescheitert. Es ist wie verhext.

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Um Müllers Seelenleben, das wird in jeder Sekunde deutlich, muss sich trotzdem niemand sorgen. Den Teampsycholgen Hans-Dieter Hermann hat der WM-Torschützenkönig von 2010 noch nicht aufgesucht, auch tröstende Worte seiner Mitspieler will er nicht hören. "Tore sind nicht mein Benzin, sondern der Speziallack auf einem Auto, der es noch besser aussehen lässt", sagte er.

Sein Benzin sei der Antrieb, das Streben nach dem gemeinsamen Erfolg: "Wir sind als Weltmeister hier angetreten, auch den EM-Titel zu holen. Das ist nicht alltäglich, das haben noch nicht so viele geschafft. Dieses Ziel zu erreichen, treibt mich an." Daraus ziehe er auch einen Großteil seiner Energie, wie der "Kilometerfresser" betonte. Zudem esse er gut und reichlich, ohne viel auf die Rippen zu bekommen - weil auch sein Verbrennungsmotor nicht ganz normal funktioniere.

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Dass es mit dem Toreschießen noch nicht so klappt, bringt Müller nicht aus der Ruhe. "So viele Torchancen hatte ich noch nicht. Und wenn ich sie hatte, habe ich das Außergewöhnliche nicht hinbekommen, ihn reinzumachen. Aber das bringt mich nicht um. In Südafrika war ich Torschützenkönig, wir sind aber im Halbfinale ausgeschieden."

In Frankreich soll es anders laufen. "Es ist eine schöne Vorstellung, am kommenden Montag in Berlin zu sein", sagte Müller mit Blick auf eine neuerliche Titelfete am Brandenburger Tor. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg. Er selbst sei dafür bestens gerüstet, auch wenn er bei der EURO keinen Elfmeter mehr schießen wolle.

Joachim Löw glaubt fest an Thomas Müller, er wird ihn im Halbfinale gegen Frankreich vielleicht sogar alleine in den Sturm stellen. "Da mache ich mir keine Sorgen. Thomas ist einer, der sich nicht runterziehen lässt und nach wie vor durch seine unnachahmliche Art in jedem Spiel für ein Tor gut ist", sagte der Bundestrainer: "Ich habe das Gefühl, wenn wir ein Tor richtig brauchen, dass er dann auch eins macht."

(sid)
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