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Nach Scholls Taktik-Kritik
Siegenthaler und Löw reagieren mit Spott und Verärgerung

EM 2016: Urs Siegenthaler weiß nicht, was er Scholl getan hat
Urs Siegenthaler mit Joachim Löw FOTO: dpa, geb jai
DFB-Chefscout Urs Siegenthaler hat gelassen, aber auch mit Unverständnis und Spott auf die Attacke von ARD-Experte Mehmet Scholl reagiert. Verärgert war vor allem Joachim Löw.

"Ich weiß nicht, was ich Herrn Scholl getan habe", sagte der 68 Jahre alte Siegenthaler der Bild: "Jeder kann erzählen, was er will - frei und unbefangen. Sich so zu äußern, ist Scholls gutes Recht. Ich kenne ihn allerdings persönlich nicht."

Zur sachlichen Kritik des Ex-Nationalspielers sagte er nur: "Vor 1000 Jahren haben die Menschen die Erde auch nicht als Kugel gesehen." Er meinte damit offenbar, dass Scholl bei den Entwicklungen des Fußballs nicht auf der Höhe der Zeit ist.

Löw verärgert

Einzelkritik: Hummels und Neuer überragend FOTO: afp

Bundestrainer Löw hat verärgert auf die Attacken von Scholl reagiert. "Ich finde es äußerst negativ, wenn man wertvolle Mitarbeiter so persönlich angreift", sagte Löw über die Kritik des Ex-Nationalspielers: "Das finde ich nicht in Ordnung, weil Außenstehende die Abläufe nicht beurteilen können. Da sollte sich der ein oder andere einmal Gedanken machen."

Weiter führte der Bundestrainer aus: "Man kann geteilter Meinung sein, das ist das Recht eines jeden", versicherte er: "Für solche Dinge bin ich auch offen. Es ist jedem überlassen, ob er eine Taktik gut, weniger gut oder falsch findet. Diese Diskussionen sind für mich in Ordnung."

Grundsätzlich erklärte Löw, dass man sich immer auch ein wenig nach dem Gegner richten müsse. "Alles andere wäre fahrlässig, naiv und unprofessionell", sagte er: "Die Dreierkette war gegen Italien notwendig. Natürlich ist es ein bisschen zu Lasten der Offensive gegangen. Aber gegen Italien waren Intelligenz und Geduld gefragt. Sie wollten, dass wir angreifen, dann hätten wir denen super in die Karten gespielt. Dann hätten wir nicht gewinnen können.

Rückendeckung vom Kaiser

Auch "Kaiser" Franz Beckenbauer gab Siegenthaler und Bundestrainer Joachim Löw Rückendeckung. "Es gehört zum modernen Fußball, dass man mehrere Systeme einsetzt", sagte der frühere DFB-Teamchef und heutige Bild-Experte: "Es wäre geradezu fahrlässig von Jogi Löw gewesen, sich nicht auf Italien einzustellen."

Scholl hatte Siegenthaler "und Konsorten" als Fehler-Einflüsterer bei Joachim Löw ausgemacht und vor fast 30 Millionen TV-Zuschauern darüber geschimpft, dass dieser Löw falsche Tipps gebe. ""Der Herr Siegenthaler möge bitte seinen Job machen, morgens liegen bleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht mit irgendwelchen Ideen kommen", hatte Scholl gesagt.

(sid)
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