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EM-Qualifikation
Die Schmach von Tirana – als die DFB-Elf das EM-Ticket verspielte

Helmut Schön: Der Mann mit der Mütze
Helmut Schön: Der Mann mit der Mütze FOTO: dpa, sk hpl
Leipzig. Der 17. Dezember 1967 ist einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Damals verspielte die DFB-Elf das erste und bis heute einzige Mal die Teilnahme an einer EM-Endrunde - und das in Tirana, bei Fußball-Zwerg Albanien.

Bundestrainer Helmut Schön war derart siegessicher, dass er im entscheidenden Qualifikationsspiel auf Spieler von Bayern München verzichtete. "Da können auch der 1.FC Nürnberg oder Eintracht Braunschweig hinreisen, ohne dass etwas passieren wird", meinte Bundesligacoach Max Merkel im Vorfeld der Begegnung im Qemal-Stafa-Stadion.

Das Hinspiel hatte der Vize-Weltmeister locker 6:0 gewonnen; ein einfacher Sieg hätte gereicht, um Konkurrent Jugoslawien zu distanzieren und zur Endrunde nach Italien zu reisen. Doch es kam anders. Deutschland um die Edeltechniker Netzer und Overath hatte auf dem betonharten Platz gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Albaner größte Mühe, sein Spiel aufzuziehen - und scheiterte. Bei der Rückkehr wurden die "Versager" vom Flughafenpersonal beschimpft, die Bild-Zeitung forderte Schöns Rauswurf: "Lasst den Merkel ran!"

Schön, der Deutschland 1972 zum EM- und zwei Jahre später zum WM-Titel führen sollte, sprach noch Jahre später von seinem "schwärzesten Tag als Bundestrainer". Netzer meinte Jahrzehnte danach in einem Interview mit dem Tagesspiegel: "Wir wussten, dass uns dieser Tag ein Leben lang verfolgen würde. Es war eine einzige Katastrophe, der absolute Tiefpunkt."

Die deutsche Aufstellung bei der "Schmach von Tirana": Wolter - Höttges, Patzke, Weber - Held, Küppers, Netzer, Overath, Schulz - Löhr, Meyer.

(sid)
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