| 11.10 Uhr

Löws neue Außenverteidiger
Hector überzeugt – Debütant Can mit Problemen

Can feiert Debüt für Deutschland
Can feiert Debüt für Deutschland FOTO: afp, agz
Frankfurt/Main. Freud und Leid mit den Außenverteidigern: Jonas Hector hat sich links festgespielt, Emre Cans Debüt war derweil durchwachsen.

Die Problemzone links scheint geschlossen, auf die erlösende Erkenntnis hoffte Joachim Löw aber vergeblich. Das 3:1 in der EM-Qualifikation gegen Polen, das wichtigste Spiel seit dem WM-Finale, brachte dem Bundestrainer auch in Bezug auf die seit Jahren problematische defensive Flügelzange wichtige Erkenntnisse – und damit Freud und Leid.

Freude bereitete ihm zweifelsohne der Kölner Linksverteidiger Jonas Hector, der in seinem sechsten Länderspiel neben der gewohnten Stabilität auch stetig steigende Offensivgefahr an den Tag legte – untermauert durch seine Vorlagen zu den ersten beiden Tore. Debütant und England-Legionär Emre Can zeigte dagegen flatternde Nerven und taktische Mängel – auch er dient bestenfalls als Notlösung, die bis zu einer möglichen EM-Teilnahme noch einige Entwicklungsschritte gehen muss.

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"Froh, überhaupt spielen zu dürfen"

Entsprechend gemischte Gefühle hatte der 21-Jährige nach seinem ersten A-Länderspiel. Es sei natürlich "ein Traum wahr geworden, ausgerechnet in meiner Heimatstadt", deshalb sei es auch okay, dass er auf einer ungewohnten Position spielen musste: "Ich war froh, dass ich überhaupt spielen durfte. Wenn wir da Bedarf haben, spiele ich da sehr gerne."

Andererseits zeigte sich der bei Bayern München ausgebildete und bei Bayer Leverkusen geförderte Defensivakteur des FC Liverpool auch gewohnt selbstkritisch. Er sei "schon nervös" gewesen, es sei eben eine völlig andere Position und außerdem habe er schon "einen sehr großen Unterschied" zur U21 gemerkt: "Da sind viele junge Spieler dabei, hier sind es Männer und erwachsene Leute." Als verbesserungswürdig sah er sein Stellungsspiel an: "Manchmal muss ich noch lernen, wann ich nach innen komme und wann ich nach außen gehe. Aber je mehr ich spiele, desto mehr lerne ich." Deshalb habe er auch "nichts dagegen, am Montag wieder zu spielen".

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Can überzeugt Löw mit körperlicher Robustheit

Ein erneuter Einsatz in Schottland ist durchaus möglich, denn Löw zeigte sich trotz der Mitschuld am Gegentor ("Da kam ich zu spät und Thomas Müller auch") demonstrativ "sehr zufrieden" mit dem Debütanten. In ihm erkennt der Bundestrainer wohl zumindest das größte Entwicklungspotenzial aller Kandidaten. Ihm gefallen die körperliche Robustheit und die Selbstkritik, die Can vor allem nach dem Halbfinal-Aus mit der U21 bei der EM an den Tag gelegt hatte ("Vielleicht habe ich gedacht, dass ich der Größte bin. Ich glaube, ich muss wieder auf den Boden kommen.")

Hector läuft dagegen keinerlei Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren. Auf dem Platz interpretiert er die Rolle nicht mehr mit bloßer taktischer Pflichterfüllung. Doch vor den Mikrofonen gibt er sich weiter eher scheu und zurückhaltend. "Ein Selbstläufer wird es nicht und ich sollte mich nicht darauf ausruhen", antwortete er auf die Frage, ob er sich festgespielt habe: "Ich muss mich jedes mal neu beweisen."

Im 16-maligen Nationalspieler Marcel Schmelzer erwächst nach dessen starken Saisonstart in Dortmund zwar ein möglicher Rivale, doch sogar dessen Klubkollege Mats Hummels ist sich offenbar nicht mehr sicher, wer ihm an seiner Seite lieber wäre: "Dass ich mit Schmelle eingespielt bin, lässt sich nicht leugnen", sagte Hummels: "Aber auch Jonas ist ein ausgezeichneter Linksverteidiger."

Löw erklärte derweil betont gelassen, Hector zeige "bei uns eben immer gute Leistungen". Er schaute zufrieden und wusste: Eine Problemzone hat er erst einmal geschlossen.

(sid)
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