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Vorrunden-Zeugnis der DFB-Elf
Gomez, Khedira und Neuer die Besten

EM 2012: Das Vorrunden-Zeugnis der DFB-Spieler
EM 2012: Das Vorrunden-Zeugnis der DFB-Spieler FOTO: afp, ANNE-CHRISTINE POUJOULAT
Düsseldorf. In einigen Mannschaftsteilen läuft es bei den Deutschen richtig rund, in anderen klemmt es trotz der optimalen Punktausbeute noch ein wenig. In der Offensive gibt es Luft nach oben – die körperliche Verfassung ist aber über jeden Zweifel erhaben. Eine Zwischenbilanz. Von Friedhelm Körner

Joachim Löw hatte rechtzeitig zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine eine Elf gefunden, die zur Stammformation geworden ist. Zu Umstellungen ist der Bundestrainer, vorerst jedenfalls, nur gezwungen, wenn einer seiner Akteure gesperrt ist, wie am Sonntag Außenverteidiger Jérome Boateng, oder wenn sich ein Spieler verletzen sollte. Die Tatsache, dass die Mannschaft von größeren Blessuren bisher verschont blieb, mag auch Glück sein, zeugt aber vielleicht auch wieder von einer guten körperlichen Verfassung der Spieler und damit von einer vorzüglichen Arbeit der Fitnesstrainer. Eine Bilanz der Vorrunde.

Torhüter

Manuel Neuer beweist bisher wie schon bei der WM in Südafrika seine Klasse. Sein Auftreten in allen Spielen war praktisch fehlerfrei. Durch seine Größe und sein athletisches Auftreten verschafft sich der 1,92-Meter-Mann aus München bei den Gegnern großen Respekt. Die Ausstrahlung auf seine Vorderleute ist perfekt.

Abwehr

Die defensive Viererkette ist – anders als nach der blamablen 3:5-Niederlage beim Test in der Schweiz befürchtet, bislang keine Schwachstelle, die Sorgen macht. Mats Hummels und Holger Badstuber werden das Turnier als Innenverteidiger, sofern keiner von ihnen ausfällt, durchspielen. Da bleibt für Routinier Per Mertesacker nur die Rolle auf der Bank. Kapitän Philipp Lahm hat nach seiner schwachen Leistung zum Auftakt gegen Portugal die gewohnte Stabilität zurückgewonnen.

Auf der rechten Außenbahn hat Löw jetzt sogar die Qual der Wahl nach dem forschen Spiel des selbstbewussten und äußerst laufstarken Leverkuseners Lars Bender. Jérome Boateng, zuletzt nach zwei Gelben Karten gesperrt, hat es nicht leicht, den Platz zurückzuerobern. Nach Benders mit dem Siegtreffer zum 2:1 gekrönter Leistung gegen Dänemark muss sich der Schalker Kapitän Benedikt Höwedes darauf einrichten, bei dieser EM nicht mehr als ein Trainingspartner für die Kollegen und Bankdrücker zu sein. Ohne große Aussichten darauf, das Löw ihn beim Saisonhöhepunkt noch einmal nominiert.

Mittelfeld

Wenngleich Bastian Schweinsteiger gegen die Niederlande an frühere Klasse anknüpfte, ist gegenwärtig eher Sami Khedira mit seiner Präsenz, seiner körperlichen Kraft und seiner entschlossenen Art, eine Führungsrolle wahrzunehmen, der Chef und wichtigster Fixpunkt im Mittelfeld. Das Spiel seines Madrider Klubkollegen Mesut Özil ist dagegen erheblichen Schwankungen unterworfen. Der Regisseur des spanischen Meisters setzt zuweilen gute Akzente, in anderen Szenen lässt er aber jegliche Dynamik vermissen.

Die Körpersprache des gebürtigen Gelsenkircheners ist insgesamt schwach, manchmal sogar ärgerlich und wirkt mitunter divenhaft. Da ist Joachim Löw gefordert. Thomas Müller hat sich in der Vorrunde von Spiel zu Spiel gesteigert, ohne jedoch die Klasse seiner Auftritte bei der Weltmeisterschaft zu erreichen. Er ist engagiert und quirlig, aber im Abschluss hat der WM-Torschützenkönig noch nicht wieder die frühere Unbekümmertheit und Zielsicherheit.

Lukas Podolski erzielte zwar gegen Dänemark in seinem 100. Länderspiel ein Tor, von seiner gewohnten Durchschlagskraft und auch von der Form, die er in der abgelaufenen Bundesliga-Saison beim 1. FC Köln zeigte, blieb er insgesamt aber noch weit entfernt. In Andre Schürrle sitzt dem künftigen Profi von Arsenal London ein Konkurrent im Nacken, der als Einwechselspieler ein ums andere Mal überzeugt und irgendwann einen Einsatz in der Startelf verdient hat, sofern er – auch im Training – die Form bestätigt. Toni Kroos, vor wenigen Monaten kaum noch aus der Elf wegzudenken, bleibt derzeit nur Ergänzungsspieler. Schade, dass in dem Mönchengladbacher Marco Reus einer der überragenden Akteure der Bundesligasaison bei dieser EM bisher nur eine Randfigur ist. Der Konkurrenzkampf im Kader bleibt hart und spannend.

Angriff

Mario Gomez hat mit drei Toren sein Soll erfüllt. Bemerkenswert ist die Rolle von Miroslav Klose: Der mit 34 Jahren erfahrenste Profi im Aufgebot stellt sein Spiel völlig in den Dienst der Mannschaft. Wenn er eingewechselt wird, kämpft er wie ein junger Spieler, der am Anfang der Karriere steht. In seiner selbstlosen Art ist er wieder ein Vorbild. Reus, von Löw vor der EM auch als Stürmer ins Gespräch gebracht, hat es da schwer, Klose die Position hinter Gomez streitig zu machen.

(RP/seeg/csi)
 
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