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3:2-Sieg in Schottland
Müller-Gala: Weltmeister haben eine Hand am EM-Ticket

Schottland - Deutschland
Schottland - Deutschland FOTO: dpa, fg kno
Die deutsche Nationalmannschaft setzt sich 3:2 in Schottland durch – der Angreifer des FC Bayern liefert mit zwei Toren und einer Vorlage eine starke Vorstellung ab. In der Defensive sieht das DFB-Team weniger gut aus. Von Robert Peters

Es war der Abend für Fußball-Liebhaber. Großartiges Wetter, ein Rasenteppich im Hampden-Park, fantastische Stimmung auf den Rängen und ordentlich Tore. Daran hatten fast alle Spaß, nur die Trainer nicht, denn sie haben bei Gegentoren natürlich immer etwas auszusetzen. Der große Favorit Deutschland hatte in Glasgow beim EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland erwartungsgemäß harte Arbeit zu verrichten. Am Ende reichte es zu einem 3:2.

Schon die ersten Minuten der Fußball-Party im Hampden-Park zeigten die unterschiedlichen Spielsysteme. Die Deutschen ließen den Ball laufen, hatten fußballerisch deutliche Vorteile, und sie ließen sich zunächst mal nicht beeindrucken. Die Schotten verriegelten die eigene Hälfte und warteten auf Kontergelegenheiten. Darauf war die Mannschaft von Joachim Löw vorbereitet. Auf die sogenannten Standardsituationen aber offenbar nicht. In der ersten Hälfte glichen die frenetisch angefeuerten Gastgeber zweimal die deutsche Führung nach "ruhenden Bällen" aus.

Zum 1:1 leistete Emre Can durch einen ungeschickten Zweikampf in Strafraumnähe die Vorarbeit. Nach einem wilden Gestocher vor Manuel Neuers Tor war Verteidiger Mats Hummels als letzter Spieler am Ball, bevor der im Netz landete. Beim 2:2 wehrte die deutsche Abwehr die Kugel nach einem Eckstoß an die 16-Meterlinie ab. James McArthur versenkte den Ball per Dropkick. Neuer sah nicht sehr glücklich aus.

Pressestimmen: "Müller bricht wieder die Herzen" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Die DFB-Auswahl hatte sich selbst in Schwierigkeiten gebracht, obwohl sie das Spiel kontrollierte und durch zwei Tore von Thomas Müller jeweils in Führung gegangen war. Ihre eigenen Treffer waren Ausdruck fußballerischer Klasse. Vielleicht ging das alles auch ein bisschen zu leicht und selbstverständlich. Die Tore beflügelten die Schotten, ihr Selbstbewusstsein wuchs mit jedem Zweikampf. Löws Team musste sich erst wieder zurück ins Spiel bringen. Das gelang ihr mit geduldigen Kombinationen über die ganze Breite des Felds. Die Gastgeber ließen den Weltmeister spielen, sie hatten kein Interesse daran, sich auf ein offenes Spiel einzulassen. Zweifellos die richtige Taktik.

Den erneuten Rückstand konnten sie allerdings nicht verhindern. Ilkay Gündogan, nach seiner starken Vorstellung gegen die Polen in der Anfangsformation, traf nach einem sehenswerten Zusammenspiel mit Müller zum 3:2 für den Gast. Löw befiel augenblicklich die Sorge, seine Elf werde den Gegner nun noch einmal aufbauen.

Deshalb bezog er minutenlang Stellung in der Coachingzone. Seine Spieler bemühten sich artig, ihre Feldüberlegenheit aufrechtzuerhalten. Das gelangen ihnen meist. Und wenn der Ball nicht nach ein paar wilden Schlägen gerade mal in der Luft war, hatten sie klare Vorteile. Nur leise und immer wiederkehrende Anflüge von Überheblichkeit brachten die Schotten zu gefährlichen Ansätzen im Duell gegen den Weltmeister.

Die besten Torjäger in der EM-Qualifikation FOTO: dpa, fg fdt

Dass sie in ihren kämpferischen Bemühungen nie zurückstecken, hatte sich offensichtlich bei einigen der gekrönten Häupter aus Deutschland noch nicht in vollem Umfang herumgesprochen. Das erhielt die Spannung an diesem unterhaltsamen Abend, der auch nach Gündogans Führungstreffer nicht in einen Spaziergang für den Favoriten münden wollte. Dennoch waren die Angriffsversuche der Schotten vergleichsweise bieder.

Sie boten mehr Herz als fußballerisches Können. Doch das störte zumindest ihr leidenschaftliches Publikum nicht, das jede Standardsituationen voller Vorfreude gegen den Konkurrenten begeistert feierte. Aus dem Spiel brachten die Schotten wenig Eindrucksvolles zustande. Das kennen ihre Fans.

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