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Terror in Istanbul
Gomez sorgt sich um Freunde in der Türkei

Istanbul: Mario Gomez sorgt sich um Freunde in der Türkei
Nationalstürmer Mario Gomez spielt für Besiktas Istanbul. FOTO: dpa, nic
Évian-les-Bains. Als Mario Gomez die Nachricht von den erneuten Terroranschlägen in seiner Wahl-Heimat Istanbul erreichte, war er "einfach nur geschockt und sehr traurig". Nicht schon wieder! "Ich hoffe, dass das Ganze nun ein Ende hat", sagte der 30-Jährige nachdenklich.

Am Dienstagabend hatte der Stürmer von Besiktas Istanbul im EM-Camp der Nationalmannschaft direkt zum Handy gegriffen und "natürlich allen Bekannten eine SMS geschickt, ob es ihnen gut geht". Die Rückmeldungen sorgten zumindest für Erleichterung, aus seinem Umfeld war niemand von den Anschlägen auf dem Istanbuler Flughafen Atatürk betroffen, bei dem Selbstmordattentäter am Dienstagabend mindestens 41 Menschen in den Tod rissen.

Dennoch ist die Reihe von Anschlägen natürlich "ein sehr trauriges Thema", wie der sichtlich bewegte Gomez am Mittwoch auf der Pressekonferenz des DFB in Evian erklärte. Er müsse sich aber auf Fußball konzentrieren, am Samstag steht das EM-Viertelfinale gegen Italien auf dem Programm. "Der Fußball hilft ganz gut, um den Fokus umzulenken", sagte er.

Doch so ganz freimachen kann sich Gomez natürlich nicht. "Das Land wird darunter leiden, die Liga wird darunter leiden", erklärte er. Und all das wird ihn nachdenklich machen. Denn ob er bei Besiktas bleiben wird, hat er noch nicht entschieden. Und er will es auch nicht tun bis nach der EM, die für Deutschland hoffentlich bis zum 10. Juli dauert: Dem Tag des Finals an Gomez' 31. Geburtstag.

Teamkollege Lukas Podolski, der bei Stadtrivale Galatasaray spielt, zeigte ebenfalls sein Mitgefühl. Über einem Foto mit den Worten "betet für Istanbul", schrieb der 31-Jährige in türkischer Sprache auf Twitter: "Wir verurteilen den Terrorismus. Wir sind bei den Angehörigen derer, die bei den heimtückischen Angriffen getötet wurden und wünschen den Verwundeten baldige Genesung."

Podolski, erst Anfang Juni zum zweiten Mal Vater geworden, hatte bereits Ende März nach der Spielabsage des Derbys gegen Fenerbahce wegen einer Terrorwarnung erklärt, dass ihn die Situation belaste und er sich Gedanken mache. "Es ist doch klar, dass ich keine Lust darauf habe, ständig in Sorge zu sein. Wenn die Bedrohung so nahe kommt, macht man sich natürlich Gedanken", hatte er damals der Sport Bild gesagt.

So weit, sich mit einem Wechsel zu beschäftigen, gingen seine Überlegungen nach eigener Auskunft damals noch nicht. "Es wäre aber doch fahrlässig, wenn ich mir angesichts der Anschläge keine Gedanken machen würde", erklärte Podolski: "Ich bin nicht nur Fußball-Profi, sondern auch Familien-Vater. So etwas lässt keinen Menschen kalt, wenn das in seinem Lebensumfeld passiert. Egal, wer oder wo er ist."

Zunächst einmal versuchen Gomez und Podolski sich so gut es geht auf Fußball und die EM zu konzentrieren. Dass sie danach in die Türkei zurückkehren, erscheint aber immer fraglicher.

(areh/dpa)
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