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Analyse zum DFB-Team
"Die Mannschaft" steckt im Umbruch

Die Sommer-Bilanz der Nationalspieler
Die Sommer-Bilanz der Nationalspieler FOTO: afp, fl/raf
Düsseldorf/Faro. Nach der Länderspielsaison 2014/15 ist klar: Ein neuer Lahm ist ebenso wenig in Sicht wie ein neuer Klose. Podolskis Stern sinkt. Von Bernd Jolitz

Sehr viel schlauer sind die deutschen Fußballfans auch nach dem letzten Länderspiel der Saison nicht geworden. 7:0 hat "Die Mannschaft", wie sich das Nationalteam seit Manager Oliver Bierhoffs PR-Offensive nun nennt, bei Fußballzwerg Gibraltar gewonnen - gut und schön. Aber weiß der geneigte Anhänger von Schwarz und Weiß deshalb besser, wohin der Weg der Löw-Truppe in Zukunft führt? Ganz sicher nicht.

Elf Monate sind nach dem Triumph im WM-Finale gegen Argentinien ins Land gegangen. Doch was die Nachfolge einiger gestandener Nationalelf-Größen anbelangt, ist in dieser Zeit nicht viel passiert. Ein neuer Philipp Lahm ist ebenso wenig in Sicht wie ein neuer Per Mertesacker oder ein neuer Miroslav Klose. "Wir kennen unsere Probleme und werden sie nach der Pause angehen", hat der Bundestrainer angekündigt. Eine Übersicht.

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Torhüter An Manuel Neuer geht weiterhin kein Weg vorbei. Zwar hat Marc-André ter Stegen mit dem FC Barcelona die Champions League gewonnen, doch bis der frühere Mönchengladbacher an Neuers Thron rütteln kann, wird es noch etliche Jahre dauern. Immerhin plagen den Bundestrainer auf dieser Position keine Sorgen: Obwohl der Dortmunder Roman Weidenfeller (34) aus dem Kreis der Nationalkeeper ausscheidet, kann Joachim Löw auf einen ausreichenden Fundus zurückgreifen. Neben ter Stegen haben Leverkusens Bernd Leno und der Kölner Timo Horn die besten Chance auf die Kronprinzen-Rolle.

Abwehr Das größte Sorgenkind. Gibraltar konnte das DFB-Ensemble nicht nennenswert fordern - die USA wenige Tage zuvor hingegen schon. Dabei wurde deutlich, dass es auf der rechten Abwehrseite noch immer keine Alternative zum zurückgetretenen Ex-Kapitän Philipp Lahm gibt. Der Hoffenheimer Sebastian Rudy ist ein Notbehelf, nicht mehr. Bei der Besetzung der linken Seite scheint Löw zum Fan des Kölners Jonas Hector geworden zu sein. Hauptgrund für dessen Aufstieg ist jedoch das Fehlen von Konkurrenz. Linksverteidiger ist in Deutschland die Mangelposition schlechthin, und der defensiv anfällige Hector hat wenigstens offensiv etwas zu bieten. In der Abwehrzentrale klafft hinter Jerome Boateng und Mats Hummels eine große Lücke. Löw hofft vor allem auf den Münchner Holger Badstuber - sofern dessen Gesundheit mitspielt.

Mittelfeld Die "Generation 30+" biegt auf die Zielgerade ihrer Karriere ein. Das betrifft Bastian Schweinsteiger, der am 1. August 31 wird, noch nicht unmittelbar: Seine Ankündigung, sich ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages beim FC Bayern in aller Ruhe mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge unterhalten zu wollen, hat zwar einige Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied ausgelöst. Dass der Kapitän sich jedoch bereits jetzt aufs Altenteil US-Profiliga zurückzieht, ist unwahrscheinlich.

Schweinsteigers alter Kumpel Lukas Podolski (30) muss sich mit dem Ende seiner internationalen Karriere anfreunden. Die Sympathien, die "Poldi" immer noch genießt und die sich in Sprechchören schon beim Warmmachen ausdrücken, stehen im krassen Widerspruch zu dem, was die kölsche Ikone auf dem Platz abzuliefern imstande ist. An den flinken Konkurrenten wie André Schürrle, Marco Reus oder Karim Bellarabi kommt Podolski nicht mehr vorbei.

Angriff Ein Nachfolger Kloses wird nach wie vor gesucht. Mario Gomez ist es nicht, Mario Götze oder Reus sind es nur insofern, als sie im System der "falschen Neun" am weitesten vorn spielen. Horst Hrubesch, Trainer der U21 und früher selbst Torjäger, beklagt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" das Aussterben der Neuner: "Alle Kids wollen heute Özil oder Götze sein, Mittelstürmer ist nicht mehr so attraktiv. Das müssen wir unbedingt wieder ändern, der Fußball braucht die ganze Bandbreite." Bis es einmal so weit ist, wird "Die Mannschaft" wohl zwei bis drei weitere Umbruchphasen erleben.

Quelle: RP
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