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Trotz Wadenverletzung
Boss Boateng jetzt auch noch Torjäger

Boateng jubelt mit Müller-Wohlfahrt
Boateng jubelt mit Müller-Wohlfahrt FOTO: dpa, jai
Lille. Jetzt trifft er auch noch: Mit seinem ersten Länderspieltreffer ebnete Jerome Boateng Deutschland den Weg ins EM-Viertelfinale.

Jerome Boateng durfte sich erholen. Die Reservisten standen um zwölf Uhr mittags auf dem Trainingsplatz in Evian, er dagegen stretchte sich am Hotelpool des Ermitage und fuhr ein bisschen Rad. Boateng braucht Ruhe, er hat viel zu tun in diesen Tagen: Jetzt schießt er sogar noch Tore. Beim 3:0 (2:0) gegen die Slowakei erzielte der Abwehrchef sein erstes überhaupt für die DFB-Auswahl - es war zugleich das schnellste der deutschen EM-Geschichte.

Nach dem Treffer rannte Boateng wie entfesselt Richtung Auswechselbank und fiel nach einem Freudensprung glückselig Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physiotherapeut Klaus Eder in die Arme. "Ohne sie hätte ich nicht spielen können. Jeder weiß, dass sie die letzten Tage Vollgas gegeben haben. Da habe ich mich bedankt", sagte Boateng zu jener Szene in der achten Minute. Die medizinische Abteilung wird sich aber auch in den nächsten Tagen um ihn kümmern müssen.

Die Wade wird fest

In der 72. Minute eines Spiels, in dem er mit seinem strammen Schuss aus 20 Metern der Panzerknacker wurde, ging Boateng vom Feld. "Die Wade ist ein bisschen fester geworden, es war nur eine Vorsichtsmaßnahme", beruhigte er anschließend. Benedikt Höwedes, der seinen Platz auf der rechten Seite endgültig an Joshua Kimmich verloren haben dürfte, durfte den bislang bei der EM überragenden Münchner vertreten. Am Samstag im Viertelfinale in Bordeaux will Boateng wieder fit sein.

Wie wertvoll er ist, das war schon vor dem Achtelfinale bekannt. Wie wertvoll er zusätzlich sein kann, bislang jedoch nicht. Sein Treffer zum 1:0 war wichtig, weil er der deutschen Mannschaft sehr früh den Weg gegen einen defensiv eingestellten Gegner wies. Und schön war er außerdem: "Ich habe gesehen, dass der Ball in meine Richtung kommt, und ihn ganz gut getroffen. Es wurde auch Zeit", sagte Boateng. 63. Länderspiel, erstes Tor - der Zeitpunkt für die Premiere passte.

Auch Bundestrainer Joachim Löw konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Normalerweise ist er da immer nur zur Absicherung eingeteilt, aber den Ball nimmt er natürlich überragend. Ich wusste gar nicht, dass er das auch so gut kann", sagte er. Den Ball hatte Boateng aus der Luft genommen, ein bisschen wurde der Schuss aber auch noch abgefälscht. "Ich freue mich, dass ich der Mannschaft mit meinem Tor helfen konnte", sagte Boateng: "Ob ich jetzt einen ausgeben muss, weiß ich nicht."

Wichtiger ist eh, dass die rechte Wade heil bleibt. Löw weiß, dass er in der Runde der letzten Acht einen topfitten Boateng braucht, um die nächste Hürde zu nehmen. "Die Mannschaft weiß, dass auf ihn Verlass ist: Er gewinnt die Zweikämpfe und tut auch viel nach vorne", sagte der Bundestrainer. Und Boateng rüttelt auf: Seine Ansage nach dem 0:0 im zweiten Gruppenspiel gegen Polen ("So kommen wir nicht weit!") hat Wirkung gezeigt. Jetzt sagt Boateng: "Wir fürchten uns vor niemandem."

(sid)
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