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EM-Auftakt gegen Ukraine
Löw gibt Özil Einsatzgarantie und lässt Kapitänsfrage offen

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Lille. Einen Tag vor dem EM-Auftakt gegen die Ukraine lässt Bundestrainer Joachim Löw sich in Sachen Personal nicht in die Karten schauen. Nur in einer Frage bezieht er klar Stellung. Von Robert Peters

Zur Feier des Tages präsentiert die DFB-Delegation ihre beiden mit Abstand entspanntesten Mitglieder der Öffentlichkeit. Am Vorabend ihres Auftaktspiels der Europameisterschaft in Lille gegen die Ukraine schickt die deutsche Mannschaft Bundestrainer Joachim Löw und Mittelfeldspieler Toni Kroos auf die große Bühne. Beide sehen aus, als erreiche ihr Ruhepuls allenfalls 50 Schläge. Und beide lassen sich in ihrer demonstrativen Ruhe überhaupt nicht erschüttern.

Löw sagt: "Ich freu mich wahnsinnig darauf, dass es jetzt losgeht." Auf die Frage, ob er nicht doch einen gewissen Druck verspüre, antwortet er leicht irritiert: "Druck? Weiß ich nicht. Natürlich sind die Erwartungen hoch, aber damit können wir umgehen."

Kroos beteuert: "Bei mir ist es wie immer, ich bin entspannt." Große internationale Spiele machen ihn schon lange nicht mehr kribbelig. Kein Wunder nach Jahren, in denen er deutsche Meisterschaften, die Champions League und als Krönung vor zwei Jahren die Weltmeisterschaft gewonnen hat.  Einen Freiflugschein für sein Team gegen den Außenseiter Ukraine leitet er daraus nicht ab. "Ich glaube nicht, dass es einfach wird", erklärt Kroos, "man hat schon häufig gesehen, dass es unangenehm wird, wenn man nicht von Anfang an da ist. Es wird wichtig, früh auf einem relativ guten Niveau zu sein."

Löw preist die Qualitäten des Gegners. "Das ist schon auch eine physisch sehr gute Mannschaft", sagt der Bundestrainer, "sehr dynamisch und im Konter gefährlich." Er hat deshalb versucht, seine Mannschaft rechtzeitig auch auf den kämpferischen Weg zu führen. Er benützt bewusst Wörter wie "Abnutzungskampf" und "Einstellung". Kroos hat die Absicht dahinter erkannt. "Der Trainer hat immer ein gutes Gefühl dafür gehabt, wann er was anspricht", erklärt der Spieler, "er will damit sagen: Wenn wir die gleichen kämpferischen Tugenden bringen wie unser Gegner, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir gewinnen, weil wir eine fußballerisch gute Mannschaft sind. Wenn wir kämpferisch weniger bringen, wird's schwer." Davon ist der Coach ebenfalls überzeugt. "Wenn wir unsere Stärken einbringen, dann sind wir in der Lage, die Ukraine zu schlagen", versichert er.

Und natürlich verrät er nicht, mit welcher Aufstellung diese Stärken eingebracht werden sollen. "Es muss nicht immer von Nachteil sein, den Gegner zu überraschen", erklärt er. Schließlich werde sein Team sicher auch seit geraumer Zeit von den Ukrainern genau beobachtet. Ob es da allerdings noch Geheimnisse gibt, die über die eine oder andere personelle Variante hinausgehen, wird selbst Löw nicht ernsthaft glauben.

Immerhin aber lässt er betont offen, ob Benedikt Höwedes auf der rechten Seite gegen die konterstarken Ukrainer verteidigen werde oder vielleicht doch Bayern Münchens Senkrechtstarter Joshua Kimmich. Über das Spielmodell - Dreier-, Vierer-, Fünferkette - will er ebenfalls keine Auskunft geben.

Eine Startelf-Garantie gibt er dann doch. "Es ist überhaupt keine Frage, dass Mesut Özil spielt", sagt Löw, "der Mesut ist in einer überragenden Verfassung. Ihm hat der Wechsel zum FC Arsenal richtig gut getan. Er hat überragende Fähigkeiten wie kaum ein anderer Spieler, seine Pässe sind genial." Wenn Özil zugegen wäre, bekäme er wahrscheinlich rote Ohren.

Kroos findet solche Lobeshymnen für den Kollegen selbstverständlich. Er hält es auch für wenig zielführend, über die genaue Position des Spielmachers von Arsenal zu diskutieren, wie es Özil selbst so gern tut. "Wo er am Ende spielt, ist für ihn wichtiger als für mich. Er ist überall, ob auf der Sechs, auf der Zehn oder links, wichtig für uns", erklärt der Mitspieler. Entscheidend sei Özils Fähigkeit, "gute Lösungen im Spiel nach vorn zu haben." Gerade im Eröffnungsspiel. Denn solche Spiele, sagt Kroos, "sind nie leicht". Aber die Aussicht darauf macht ihn nicht nervös. Wie auch?

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