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Analyse zur EM-Auslosung
Schöne Bescherung

Düsseldorf/Paris. Deutschland trifft bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich in der Vorrundengruppe C auf Polen, die Ukraine und Nordirland. Es hätte schlimmer kommen können. Auf Angstgegner Italien könnte Löws Team im Viertelfinale treffen. Von Robert Peters

Bundestrainer Joachim Löw musste sich nicht verzweifelt die Haare raufen und die bösen Mächte des Fußball-Schicksals beklagen. Denn der DFB hatte mal wieder Losglück. Das gehört bei den großen Turnieren offenbar dazu. Bei der Europameisterschafts-Endrunde im kommenden Jahr in Frankreich tritt sein Team in der Vorrunde gegen Polen, die Ukraine und Nordirland an. "Unsere Gruppe", sagte Löw, "ist für uns machbar, klar. Wir sind der Favorit, diese Rolle nehmen wir an, das ist unser Anspruch." Widerspruch erntete der Weltmeister-Trainer damit nicht. Klar. Ein Blick auf die Gegner.

Polen Obwohl der Nachbar im Osten in der Weltrangliste auf Platz 34 vier Ränge hinter Nordirland und fünf hinter der Ukraine liegt, ist Polens Auswahl mit großer Sicherheit der schwerste Gegner für den Weltmeister. In der EM-Qualifikation bezwang die Mannschaft von Trainer Adam Navalka die Deutschen in Warschau mit 2:0. Und sie war auch bei der 1:3-Niederlage in Frankfurt im September ein unangenehmer Gegner. Das Team kann ein sehr hohes Tempo gehen und ist bei ihren schnellen Gegenstößen über die Außenpositionen extrem gefährlich. In der Mitte gibt es schließlich einen Abnehmer von Weltklasse. Robert Lewandowski, der für Bayern München in diesem Jahr gegen Wolfsburg einen Fünferpack auf den Rasen zauberte, trifft auch für sein Heimatland bei jeder Gelegenheit. Er ist schnell, extrem wendig, kopfballstark und sehr begabt im Umgang mit dem Ball. Lewandowski hat gar keine Schwächen. Sein Trainer Navalka sagte: "Robert gibt unserem Spiel das gewisse Etwas." Sein deutscher Kollege Löw erklärte: "Wir wissen, was die Polen können." Klar.

Ukraine Im Osten des Landes herrschen immer noch Kriegszustände, pro-russische Rebellen und ukrainische Soldaten stehen sich unversöhnlich gegenüber. In der Nationalmannschaft aber herrscht Einigkeit. Besondere Qualitäten hat das Team in der Abwehr, es ließ in der Qualifikation nur vier Gegentore zu - Deutschland neun. In den Play-offs profitierte die Ukraine gegen Slowenien von Andrej Jarmolenkos Abschluss-Qualitäten. Der Stürmer ist neben dem hochbegabten Flügelflitzer Jewgeni Konopljanka vom FC Sevilla der populärste Spieler der Mannschaft, die nicht die großen fußballerischen Fähigkeiten vergangener ukrainischer Teams hat, aber durch ihre Geschlossenheit überzeugt. Ebenso wie Polen beherrscht die Ukraine das Kontern, im neuen Taktik-Deutsch: das Umschaltspiel. "Damit müssen wir uns auseinandersetzen", erklärte Löw. Klar.

Nordirland Der DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hat besonders gute Erinnerungen an Nordirland. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1998 rettete er die Nationalelf mit einem Hattrick in sechs Minuten vor einer Blamage. Deutschland gewann nach 0:1-Rückstand mit 3:1 in Belfast. Das war zu Zeiten, als es im deutschen Fußball derart mächtig zu rumpeln begann, dass man sich das heute gar nicht mehr vorstellen mag. Weil auch die Nordiren nicht eben mit dem feinsten Werkzeug arbeiteten, hatte der Ball in Belfast ganz selten mal Bodenkontakt. Die bemitleidenswerten Mittelfeldspieler schauten der Kugel mit traurigem Blick hinterher, wenn sie wieder den Luftraum über der Mittellinie durchquerte. Ein wenig vom ehemals inseltypischen Kick-and-Rush hat sich bei Nordirland erhalten. Es setzt wie sein großer Nachbar Irland auf die sogenannten langen Bälle und ist vor allem bei Standardsituationen gefährlich. Dann können die Nordiren ihre Kopfballstärke und ihren Mut in Anschlag bringen. Mit einer ganz ähnlichen Spielweise hat Irland den Deutschen im Oktober eine 0:1-Niederlage beigebracht. Löw sagte im Vergleich der beiden Teams: "Das ist auch eine Mannschaft, die natürlich unbequem ist." Klar.

Quelle: RP
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