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"Es gibt keine Wunschelf"
Joachim Löws großes Personal-Puzzle

Fotos: Gewinner und Verlierer der EM-Vorbereitung
Fotos: Gewinner und Verlierer der EM-Vorbereitung FOTO: dpa, mb wst
Gelsenkirchen. Die EM-Generalprobe hat Deutschland erfolgreich bestanden, aber gut eine Woche vor dem ersten Gruppenspiel lief beim Weltmeister längst noch nicht alles rund. Gesetzt sind nur wenige Spieler.

Joachim Löw setzte sein Pokerface auf und sorgte nach der erfolgreichen EM-Generalprobe von Weltmeister Deutschland für mehr Verwirrung als Aufklärung. "Das weiß ich noch nicht. Wir entscheiden von Spiel zu Spiel. Es gibt keine Wunschelf", antwortete der Bundestrainer nach dem 2:0 (1:0) gegen Ungarn knapp auf die vielen Fragen nach Personal und System für das erste EM-Gruppenspiel der DFB-Auswahl am Sonntag in Lille gegen die Ukraine (21 Uhr/Live-Ticker).

Löw hielt sich bewusst bedeckt. Das Ziel des 56-Jährigen war es offenkundig, nicht nur die Spione des ersten Vorrundengegners auf der Tribüne in Gelsenkirchen zu verwirren, sondern auch den Konkurrenzkampf bis zum Startschuss der erneuten Mission Titelgewinn am 12. Juni hochzuhalten.

Auf eine Startelf wolle er sich "nicht festnageln lassen", sagte Löw ungerührt, "wichtig ist, dass alle Spieler wissen, wie sie auf den verschiedenen Positionen agieren müssen". Alles sei möglich, ergänzte er in Bezug auf die Besetzung der Außenbahnen oder des Angriffs, in dem eine falsche (Mario Götze) und eine richtige Neun (Mario Gomez) um einen Platz in der Anfangsformation konkurrieren.

Rüdiger bringt sich in Position

Als Alternative für den verletzten Mats Hummels in der Innenverteidigung hat sich Antonio Rüdiger ("Ich habe nie an mir gezweifelt") in die Pole Position gebracht. Er gehört zu den Gewinnern der Vorbereitung. Um die Planstelle auf der rechten Seite der Viererkette kämpfen der offensiv limitierte Benedikt Höwedes ("Zum Dani Alves werde ich nicht mehr") und Shootingstar Joshua Kimmich, dem Löw "gute Fähigkeiten" nach vorne bescheinigte.

Links ist Turnier-Neuling Jonas Hector, der gegen die Ungarn auch offensiv forsch spielte, alternativlos. Emre Can, am Samstag nach der Pause Hector-Ersatz auf links, pendelt zwischen den Welten und ist von Löw zunächst als Springer vorgesehen. Möglich sei in der Abwehr aber auch eine Dreierkette, "das entscheiden wir wie auch andere Fragen von Spiel zu Spiel", sagte der Bundestrainer, der damit die Verwirrung komplett machte.

Im Mittelfeld sind Mesut Özil, Toni Kroos und Sami Khedira gesetzt. Ob Özil aber auf der Zehn oder Sechs spielt ist offen - gegen Ungarn probierte Löw beide Varianten. "Er hat auf beiden Positionen seine Vorzüge", sagte der Bundestrainer. Thomas Müller, der nach dem 1:0 durch ein Eigentor von Adam Lang (39.) in der 63. Minute für die Entscheidung sorgte, hat im offensiven Mittelfeld Narrenfreiheit.

Löw mit Götze und Gomez "sehr zufrieden"

Hinter welcher Spitze der Münchner gegen die Ukraine seine Kreise zieht, ist aber ebenfalls offen. Götze stand beim 1:0, Gomez beim 2:0 Pate. "Ich bin mit beiden sehr zufrieden", konstatierte Löw, der nach dem Rücktritt von Miroslav Klose das Thema klassischer Mittelstürmer vor der "Auferstehung" von Gomez eigentlich schon zu den Akten gelegt hatte. Aber man könnte auch mit zwei Spitzen agieren.

Fraglich ist ebenfalls, wann Bastian Schweinsteiger der Mannschaft wieder helfen kann. Löw sprach nach dem Kurz-Comeback seines Kapitäns von einem "sehr, sehr wichtigen ersten Schritt". Aber noch sei der 31-Jährige weit von seiner Bestform entfernt. Der England-Legionär selbst äußerte sich vorsichtig optimistisch: "25 bis 30 Minuten geht es schon ganz gut. Aber 90 Minuten im ersten Spiel, das geht eher nicht."

Nicht nur der lange verletzte Schweinsteiger hat Nachholbedarf. "Es gibt noch sehr viele Sachen, die wir verbessern müssen", sagte Abwehrchef Jerome Boateng. Und Champions-League-Sieger Kroos meinte: "Es war schon recht ordentlich, aber es gibt noch Luft nach oben." Diese Ansicht teilte Löw: "In manchen Situationen haben wir gespürt, dass die Spritzigkeit und die Dynamik gefehlt haben. Da müssen wir nachjustieren."

Bis Dienstagmittag haben die Spielern nun frei. Von Frankfurt/Main aus startet der DFB-Tross dann Richtung EM-Camp nach Évian am Genfer See, wo der Feinschliff erfolgen soll.

(sid)
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