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Hype um EM-Helden
Das Saarland wird zum "Hectorland"

Hector schießt Deutschland ins Glück
Hector schießt Deutschland ins Glück FOTO: dpa, ks
Evian/Saarbrücken. Durch seinen verwandelten Elfmeter gegen Italien wurde Jonas Hector vor allem in seiner saarländischen Heimat zum Helden.

 In seinem Heimatdorf läuten die Kirchenglocken, die Ministerpräsidentin und der Bundesminister sind mächtig stolz. Seine Stamm-Disco verspricht sogar Freigetränke auf Lebenszeit. Jonas Hector ist mit seinem verwandelten Elfmeter im EM-Viertelfinale gegen Italien zum saarländischen Volkshelden aufgestiegen. Sogar die "Universität des Saarlandes" benannte sich zwischenzeitlich in "Universität des Hectorlandes" um.

Das kleinste Flächenland Deutschlands hat seit 20 Jahren keinen Nationalspieler bei einer WM oder EM dabei gehabt. Der letzte war Stefan Kuntz 1996. Kein Zufall, glaubt die Ministerpräsidentin. "Jonas Hector ist für Deutschland ein gutes Omen", sagte Annegret Kramp-Karrenbauer dem SID: "Als zuletzt ein Saarländer bei einer EM dabei war, sind wir Europameister geworden." Auch Kabarettist Gerd Dudenhöffer, als "Heinz Becker" der vielleicht bekannteste Saarländer, sagte dem SID: "Es wäre zu wünschen, dass künftig bei jedem Turnier ein Saarländer dabei ist. Denn wir wissen, wie es geht."

Die Ministerpräsidentin wird Hector in jedem Fall am 15. Juli in dessen Heimatgemeinde Auersmacher empfangen - unabhängig vom weiteren Verlauf des Turniers. Für das Halbfinale gegen Frankreich am Donnerstag feuert das Saarland das DFB-Team auf der offiziellen Facebook-Seite mit "Allez Hectors" an.

"Made in Köln ist leider falsch"

Dem Ur-Kölner Lukas Podolski, der dem "Effzeh"-Profi Hector direkt mit "Made in Köln" huldigte, widersprechen die Ministerpräsidentin und Kabarettist Dudenhöffer aber. "Ich mag ja Lukas Podolski", erklärte Kramp-Karrenbauer mit einem Schmunzeln: "Aber made in Köln ist leider falsch. Einmal Saarländer, immer Saarländer." Und "Heinz Becker" betonte: "Der Erfolg hat ja viele Väter. Bei mir waren auch 4000 Jungs in der Klasse. Aber das war schon ein saarländisches Tor. Das lassen wir uns nicht nehmen."

Schon direkt nach Hectors goldenem Schuss im Elfmeterschießen gegen Italien hatte Kramp-Karrenbauer bei Facebook geschrieben: "Und wer hat's gemacht? Der Saarländer." In Auersmacher, wo Jonas Hector bis zu seinem 21. Lebensjahr spielte, läuteten zu seinen Ehren direkt nach Spielende um Mitternacht die Glocken.

Auch der in Saarlouis geborene Bundesjustizminister Heiko Maas ordnete Hectors Heldentat gleich mal ein. "Dass Saarländer in der deutschen Nationalelf auf Torejagd gehen, ist keine historische Selbstverständlichkeit", schrieb er bei Facebook. Er erinnerte an den März 1954, in dem das damals (teil-)autonome Saarland in der WM-Qualifikation 1:3 gegen Deutschland und damit die späteren "Helden von Bern" verlor. "Noch heute sagen viele Saarländer, man habe die Walter-Elf 'gewinnen lassen', um so den späteren WM-Triumph zu ermöglichen und das deutsche Wirtschaftswunder zu beschleunigen", schrieb Maas: "Saarländer helfen halt, wo sie können."

Auch Walter Ries feierte den entscheidenden Elfmeter durch Hector besonders. Der Mitbesitzer des "Clubseven" in Saarbrücken kennt den 26 Jahre alten "Elfer-Gott" als Stammgast. Auch wenn er, wie Ries der Bild-Zeitung erklärte, heute meist nur noch zu Weihnachten dort ist und als Profisportler "immer alkoholfreie Getränke bestellt." Davon kann er aber künftig so viele haben, wie er will. "Jonas! Du musst nie wieder bei uns zahlen!", hieß es auf der Facebook-Seite des Klubs: "Danke für die Rettung der EM!"

Dabei muss das Saarland sich laut Dudenhöffer gar nicht so klein machen. "Wenn irgendwo ein Ölteppich verglichen wird, heißt es immer: Der ist soundso groß wie das Saarland", erklärte er: "Wir sind also das Maß aller Dinge."

(sid)
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