| 14.51 Uhr

Kölner ist der Matchwinner gegen Italien
Der stille Hector genießt seinen "größten Moment"

Hector schießt Deutschland ins Glück
Hector schießt Deutschland ins Glück FOTO: dpa, ks
Mit seinem ersten Elfmetertor im Profifußball hat Jonas Hector ein Kapitel deutscher Fußball-Geschichte geschrieben. Ihm schien der ganze Wirbel um seine Person fast schon peinlich zu sein.

Sein Handy piepte wie wild, vor Schulterklopfern konnte sich Jonas Hector kaum retten. Und der stille Held? Dem schien das alles ein wenig peinlich zu sein. Als er weit nach Mitternacht in den Katakomben des Stade de Bordeaux den längsten Interview-Marathon seiner Karriere absolvierte, sprach Hector so ungerührt über seinen "größten Moment", als sei nichts geschehen.

"Es bringt ja nichts, wenn ich jetzt hier rumspringe", sagte der 26-Jährige. Grund genug hätte er gehabt: Im Elfmeterschießen des EM-Viertelfinales gegen Italien avancierte er neben Torhüter Manuel Neuer zu einem der beiden Matchwinner für die deutsche Mannschaft. Mit seinem entscheidenden Treffer zum 6:5 beendete er das deutsche Trauma gegen den Angstgegner, er gab damit den Startschuss zu einer großen deutschen Party - doch er blieb, was er ist: ein zurückhaltender Star.

Erzählen musste er dennoch, und das ausführlich. "Das ist schwer in Worte zu fassen. Ich bin glücklich, dass der Ball reingegangenen ist. An die Bilanz denkt man nicht, man will nur, dass der Ball irgendwie reingeht", schilderte er seine Gedanken, erkennbar glücklich, überglücklich, aber cool und sachlich wie fast immer. "In der Jugend bei einem Turnier habe ich mal einen Elfer geschossen, im Seniorenbereich aber noch keinen", berichtete er - und musste doch mal kurz lächeln.

Italien trauert dem Halbfinale nach, Buffon weint FOTO: afp

Dass er zunächst in die deutsche Kurve gerannt war, auf dem Kopf ein Käppi des 1. FC Köln, das ihm der Ur-Kölner Lukas Podolski zur Feier des Tages aufgesetzt hatte, das war Hector dann schon wieder unangenehm. "Das gehört halt auch dazu", sagte er über die Selfies, die sich in Windeseile in den sozialen Netzwerken verbreiteten. Lieber wies er immer wieder darauf hin, dass er in der magischen Nacht von Bordeaux nicht alleine den Ruhm einheimsen wolle.

"Ich habe den entscheidenden Elfmeter geschossen. Aber ohne Manu und die anderen, die getroffen haben, wäre es nicht dazu gekommen", sagte Hector. Damit gerechnet, schießen zu müssen, hatte er nicht. "Wir haben auf dem Platz abgesprochen, wer als nächstes schießt. Und irgendwann war ich dann plötzlich dran", berichtete er, "da wird man schon ein bisschen nervös. Ich habe mir aber einfach gesagt, den musst du jetzt irgendwie reinmachen. Und da habe ich mein Herz in die Hand genommen."

Bei all dem Jubel ging beinahe unter, dass Hector auch das 1:0 durch Mesut Özil (65.) mit vorbereitet hatte. "Es war ein bisschen Instinkt dabei. Der Raum war frei", beschrieb er die Traumkombination vor dem Führungstreffer, an der auch Mario Gomez maßgeblich beteiligt war. Dass er eine gute Stunde später noch einen draufsetzen konnte und eine ganze Nation glücklich machte, hätte sich Hector aber nicht träumen lassen.

Die TV-Quoten der EM-Spiele FOTO: ap, AF FP

"Wenn man sich die Dramatik vor Augen hält und daran denkt, dass ich das erste Mal bei einem Turnier dabei, war das sicher mein bislang größter Moment", sagte er. Dann trat er aus den Schweinwerfern - er konnte endlich seine Mailbox abhören und die vielen Nachrichten lesen.

(sid)
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