| 11.39 Uhr

Löw über den Auftaktsieg
"Es ist gut, wenn man einen Nachbarn wie Jerome Boateng hat"

"Ohne Nachbarn ständ es jetzt 1:1"
"Ohne Nachbarn ständ es jetzt 1:1"
Lille. Deutschland legt ergebnistechnisch einen gelungen EM-Start hin, kann und muss sich aber noch steigern. Bundestrainer Joachim Löw verteilte nach dem 2:0 gegen die Ukraine ein Sonderlob an Jerome Boateng und Bastian Schweinsteiger. Von Robert Peters

Wer solche Geschichten schreibt, der muss sich einen unzulässigen Hang zur Romantik vorwerfen lassen. Der Fußball erzählt aber solche Geschichten, er erfindet sie nicht. Da wird Bastian Schweinsteiger, den viele schon auf dem Altenteil sahen, zur Nachspielzeit des deutschen EM-Eröffnungsspiels gegen die Ukraine eingewechselt. Und mit seiner zweiten Ballberührung entscheidet er die Begegnung. Er trifft zum 2:0 und zeigt danach, dass er zumindest noch einen rekordverdächtig langen Jubellauf über den ganzen Platz bis in die Arme von Torwart Manuel Neuer zurücklegen kann.

Joker Schweinsteiger sorgt für die Entscheidung FOTO: dpa, kno

Deutschlands Start ist vom Ergebnis her gelungen. Es bleibt allerdings viel Luft nach oben. Das offenbarte vor allem die zweite Hälfte der ersten Halbzeit im Stadion von Lille. Die Elf von Bundestrainer Joachim Löw ging zwar durch einen herzhaften Kopfball von Shkodran Mustafi früh in Führung, aber die schnellen Angriffe der Ukrainer brachten die unsortiert verteidigende Mannschaft des Weltmeisters in arge Verlegenheit. Nur Neuers Parade und eine artistische Flugabwehr von Jerome Boateng auf der Linie verhinderten den überfälligen Ausgleich. Der Coach nahm es locker. "Es ist gut, wenn man einen Nachbarn wie Jerome Boateng in der Abwehr hat", sagte er. 

Erst im zweiten Durchgang fingen sich Löws Spieler. Das Spiel wirkte organisierter, die Räume für den Gegner waren nicht mehr so groß. Die DFB-Auswahl übte die Spielkontrolle aus, wie das heute so schön heißt. Toni Kroos führte sicher Regie, und er brachte auch den notwendigen Schuss Zielstrebigkeit in die deutschen Aktionen. Gute Ansätze zu klaren Angriffen versandeten aber regelmäßig in überflüssigen Kringeldrehern von Mario Götze und manchmal auch von Mesut Özil.

Trotzdem war Löw mit der zweiten Hälfte und dem größten Teil des Spiels "sehr zufrieden". Sicher auch mit Özils Vorbereitung des entscheidenden Treffers. Der nach anfänglichen Schwierigkeiten gute Mustafi hatte den letzten ukrainischen Angriff abgewehrt, und Özil bediente im Konter den mitgelaufenen Schweinsteiger. Der Rest war Jubel. "Ich freue mich für den Bastian, dass er nach all der Schufterei so ein Comeback hatte", erklärte Löw.

Die Deutschen hatten freilich nicht vergessen, dass nach einer weitgehend kontrollierten zweiten Hälfte kurz vor Schluss um ein Haar doch noch der Ausgleich gefallen wäre. Neuer stand nach einem langen Pass aus der Abwehr viel zu weit vor seinem Tor, Mustafis Rückgabe erreichte er nicht, dafür sperrte den ukrainischen Stürmer Yevhen Seleznyov. Es hat schon Schiedsrichter gegeben, die für solche Aktionen Elfmeter verhängen. Martin Atkinson aus England tat es nicht. Zum Glück für den Weltmeister.

Fotos: Boateng rettet artistisch auf der Linie FOTO: dpa, ks
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