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Unterstützung von Löw
Götze will doch nur spielen

Fotos: Mario Götze – Schwabe, Borusse, Weltmeister
Fotos: Mario Götze – Schwabe, Borusse, Weltmeister FOTO: afp, desk
Düsseldorf/Berlin. Bei der Nationalmannschaft ist Bayern-Profi Mario Götze wieder in der Wohlfühl-Oase. Joachim Löw zählt auf den Münchner. Ganz im Gegensatz zu Pep Guardiola. Von Robert Peters

Mario Götze ist ein armer Kerl. Er hat sich von seiner Muskelverletzung erholt, die ihn fünf Monate seines Fußballerlebens gekostet hat. Aber spielen darf er beim FC Bayern München nur in Ausnahmefällen. Selbst in Köln, als Trainer Pep Guardiola mehr als der halben Stammbesetzung eine Erholungspause gönnte, tat Götze, was er seit Wochen tut. Er saß auf der Bank und verließ anschließend ohne ein Wort das Stadion.

Mario Götze ist aber auch gut dran. Denn es gibt die Nationalmannschaft. Dort ist seit vielen Jahren noch jeder Mühselige und Beladene mit großer Güte aufgenommen worden - von Lukas Podolski über Christoph Metzelder bis Miroslav Klose. Max Kruse ist wahrscheinlich die schäbige Ausnahme von dieser Regel. Bundestrainer Joachim Löw hat Götze ebenso wie Bastian Schweinsteiger und André Schürrle, die im Verein alles andere als glanzvoll auftreten, in sein Aufgebot für die Länderspiele gegen England in Berlin (Samstag) und gegen Italien in München (nächsten Dienstag) berufen.

"Auf Mario", sagt Löw, "zähle ich. Es lohnt sich immer, ihn zu unterstützen, weil er ein Spieler ist, der Dinge kann, die andere nicht können." Genauer: "Weil er ein Spieler ist, der unberechenbar und technisch gut ist." Ein Fußballer folglich, der (das muss der gebildete Coach von heute so sagen) "in unsere Philosophie passt".

Ersatzspieler Müller als Einheizer und fürsorglicher Teamkollege FOTO: afp, PST

Dem Philosophen-Kollegen Guardiola passt Götze nicht so gut ins, schlichter ausgedrückt, Spielsystem, auch wenn der Katalane seinen teuren Bankdrücker natürlich einen "Top-top-top-Spieler" nennt. Das hat allerdings nichts zu bedeuten. Bedeutsamer für Guardiolas fußballerische Vorstellungen ist die Zusammensetzung seiner Mannschaft. Da hat Götze das Pech, in Konkurrenz mit dem besten Mittelstürmer Europas, Robert Lewandowski, rasenden Flügelrennern wie Douglas Costa, Franck Ribéry oder Kingsley Coman zu stehen. Und die Rolle dessen, der in kein Schema und deshalb in jedes passt, übernimmt bei den Bayern der Nationalmannschaftskollege Thomas Müller. Götzes überragende Qualitäten beim Dribbling im Strafraum werden immer seltener aufgerufen.

In der DFB-Auswahl sieht die Welt ganz anders aus. Löw hat zwar auch einen Mittelstürmer im Aufgebot, aber Mario Gomez ist längst nicht so perfekt wie Lewandowski. Götze entspricht viel mehr dem Lieblingsspielertyp des deutschen Trainers. Löw will eine Offensivabteilung, die den Gegner mit Positionswechseln auseinanderspielt. Und Götzes kurze Drehungen sind da einfach erfolgversprechender als ein im Zentrum wartender Angreifer des Modells "Stoßstürmer". Löw kann ganz angewidert dreinschauen, wenn er über das einsame Mittelstürmerwesen vergangener Tage und die aussterbende Gattung "echter Neuner" spricht.

Köln - Bayern FOTO: dpa, mb hpl

Deshalb ist die Berufung Götzes nicht allein ein später Dank an den Schützen des Tores im WM-Finale, sondern im Blick auf Löws System voller Sinn. Götze hat schon bewiesen, dass er das deutsche Team nach vorn bringen kann. Weniger durch seine Leistungen bei der WM in Brasilien, die nicht unbedingt nach professioneller Geradlinigkeit schmeckten. Vielmehr im entscheidenden EM-Qualifikationsspiel gegen die Polen in Frankfurt. Beim 3:1 im vergangenen September schoss Götze zwei Tore, und er zauberte sich manchmal wie von einer Tarnkappe geschützt durch die polnische Deckung.

Er hatte nicht nur auf dem Rasen Spaß, er strahlte auch nachher so, dass er mühelos jeden Kabinengang beleuchten konnte. Das war anders als in München und anders als über weite Strecken in Brasilien, als ihm nicht mehr als ein müdes Lächeln gelang, das, wer will, mit leiser Überheblichkeit verwechseln kann. Das wollen noch immer viele.

Löw nicht. Er verweist darauf, dass Götze im Prinzip ein fröhlicher Junge sei, wenn er denn nur spielen darf. Dass seine Berater das öffentliche Bild des eher verwöhnten Knaben unterstreichen, indem sie den fröhlichen Jungen der Öffentlichkeit meist entziehen, kommentiert Löw nicht.

Im Moment ist Götzes öffentliches Bild ein stummes Leiden an der bösen Fußballwelt. Löw sieht das nicht gern, weil er Götze für die EM in Frankreich braucht. Und selbst seinen alten Dienstherren in Dortmund nötigt das Bedauern ab. "Ich kenne ihn seit elf Jahren", sagt Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, "er ist ein total netter Kerl, und deswegen tut es mir auch ein bisschen leid."

Daraus leitet die "Bildzeitung" ab, der BVB wolle den verlorenen Sohn zurück nach Dortmund holen. Davon will wiederum Watzke öffentlich nichts wissen. Und was die Fans dazu sagen, ist auch noch nicht heraus. Ihre Meinung zu Götzes Wechsel 2013 geben sie alljährlich bei den Bayern-Gastspielen im ehemaligen Westfalenstadion kund. Sie pfeifen dann, dass sich jeder, der nicht schnell genug seine Ohren verstopft, in akuter Tinnitus-Gefahr befindet.

Quelle: RP
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