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Max Kruse im Interview
"Deutschland wird das Finale erreichen"

Max Kruse im Interview: "Deutschland wird das EM-Finale erreichen"
Max Kruse schließt eine Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach generell nicht aus. Andere Lösungen sind jedoch wahrscheinlicher. FOTO: dpa, gki nic
Exklusiv | Düsseldorf. Max Kruse hat beruflich und privat eine turbulente Saison hinter sich. Ob sich der 28-Jährige einen Wechsel nach Borussia Mönchengladbach vorstellen kann und wie er mit seinem EM-Aus umgeht, erzählt er im Interview mit unserer Redaktion.  Von Sabine Kricke

Herr Kruse, die Vorbereitung beim VfL Wolfsburg läuft wieder. Wie haben Sie die freie Zeit davor verbracht?

Max Kruse Nach der turbulenten und anstrengenden Saison habe ich viel Wert auf Erholung gelegt. Ich war in Amerika bei meinem Sohn, habe darüber hinaus auch ein bisschen in Las Vegas gepokert. Wie eigentlich jedes Jahr kurz vor der neuen Saison habe ich mich auf Ibiza in einem eigenen Trainingscamp vorbereitet.

In Amerika und auf Ibiza haben Sie dann auch die EM-Spiele der Deutschen Nationalmannschaft verfolgt?

Kruse Ja, selbstverständlich. Die Uhrzeiten waren zwar ein bisschen schwierig wegen der Zeitumstellung, aber die Spiele habe ich alle gesehen.

Wie ist es für Sie, nach der WM 2014 auch bei der EM in diesem Jahr nicht im Kader zu sein?

Kruse Das ist natürlich kein schönes Gefühl. Vor allem weil ich bei beiden Qualifikationsphasen dabei war und bei eigentlich fast allen Spielen im Kader war, ist es natürlich bitter, wenn man bei so großen Turnieren nicht dabei ist. Aber am Ende muss man das sportlich sehen. Ich hab's zweimal nicht geschafft unter die letzten 23 zu kommen und jetzt geht es halt weiter. Es ist wieder an der Zeit, Gas zu geben und sich anzubieten, um wieder neu Anschluss zu finden.

Also sehen Sie für sich in Zukunft erneut einen Platz im DFB-Team?

Kruse Das ist die Entscheidung des Bundestrainers, aber ich werde alles dafür tun, um mit meiner sportlichen Leistung wieder auf mich aufmerksam zu machen, das ist ganz klar.

Wo haben Sie das Spiel Deutschland gegen Italien gesehen?

Kruse Am Samstag hatte ich ein Fußballspiel mit meiner damaligen alten Mannschaft in meiner Heimat und mit den Jungs habe ich das Spiel abends gesehen.

Wie nervös waren Sie beim Elfmeterschießen als Zuschauer?

Kruse Elfmeterschießen ist natürlich immer ein bisschen Lotterie. Aber ich war mir eigentlich schon zum Ende der Verlängerung sicher, dass wir das Ding auch beim Elfmeterschießen gewinnen – weil Deutschland eigentlich ganz gut darin ist. Dass wir dieses Mal gleich drei von den ersten fünf verschossen haben, war natürlich bitter. Aber in Manuel Neuer hatten wir einen sicheren Rückhalt hinten, der dann auch mit zur Entscheidung beigetragen hat.

Wer hat Ihrer Meinung nach die bessere Ausgangsposition für das Halbfinale am Donnerstag, Frankreich oder Deutschland?

Kruse Das wird relativ ausgeglichen sein. Natürlich könnte man sagen, Deutschland hat einen Tag mehr Regeneration, dafür hatten die Jungs aber auch nochmal 30 Minuten mehr Spielzeit und dann auch noch das Elfmeterschießen. Durch die Ausfälle ist die Situation beim Deutschen Team vielleicht etwas schwieriger, aber die Mannschaft hat auch in der zweiten Reihe Spieler, die ein Spiel entscheiden können. Von daher würde ich mir keine Sorgen deswegen machen. Ich bin der Überzeugung, dass Deutschland das Finale erreichen wird.

Vor den Spielen der Deutschen Mannschaft haben Sie sich aus dem Urlaub häufig auf Facebook in einer Video-Live-Übertragung den Fragen ihrer Fans gestellt. Warum suchen Sie den direkten Kontakt zu ihren Fans?

Kruse Ich habe mich lange Zeit zu gar keinem Thema öffentlich geäußert. Vieles wurde geschrieben, was nicht der Wahrheit entspricht. Daher bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, mich direkt an die Fans zu wenden. Weil sie dann aus meiner Sicht erfahren, was gerade bei mir passiert. Und ich denke dieser direkte Weg führt dazu, dass es keine Missverständnisse gibt und das niemand etwas schreiben kann, was ich nie gesagt habe.

Neben viel Lob für diese Ehrlichkeit ernten Sie in den Kommentaren unter ihren Videos auch Kritik. Wie gehen Sie damit um? Bei Live-Übertragungen kann man schließlich nicht lange überlegen, was man antwortet.

Kruse Das stimmt, lange überlegen kann ich wirklich nicht. Aber eigentlich habe ich immer eine entsprechende Antwort parat. Sachliche Kritik finde ich gut, das ist ja auch der Sinn der Sache. Dass ich mit den Fans diskutieren kann. Bei solchen Live-Übertragungen merken die Fans auch, dass das, was ich in diesem Moment erzähle, keine Lüge ist. Das ist mir wichtig.

Kommen wir zurück zum Sportlichen. Christoph Kramer ist zur neuen Saison von Leverkusen zurück nach Gladbach gewechselt. Sie waren früher gut befreundet. Was sagen Sie zu diesem Schritt?

Kruse Wir waren nicht nur früher gut befreundet, wir sind auch heute noch sehr gute Freunde. Wir haben sehr viel Kontakt und das wird auch nicht abreißen. Dafür haben wir uns immer zu gut verstanden. Zu dem Schritt zurück nach Gladbach zu gehen, kann ich Christoph nur gratulieren. Ich glaube auch für ihn war es kein leichtes Jahr. Wobei ich nicht verstehen kann, woher zum Teil die Kritik an ihm kam. Ich finde, dass Christoph einer der Spieler bei Bayer war, der letztes Jahr eine gute Leistung gezeigt hat. Aber ich weiß, dass Christoph sich bei Gladbach sehr wohl gefühlt hat. Er hat ja damals schon gesagt, dass ein Wechsel nach Leverkusen gar nicht notwendig sei, weil er sich in Gladbach total wohl gefühlt hat. Für ihn war sicher relativ schnell klar, dass er diesen Schritt geht, als Gladbach wieder Interesse an ihm hatte.

Wäre ein Wechsel zurück nach Gladbach ebenfalls eine Option für Sie?

Kruse Noch ist bei mir alles offen. Das kann ich weder ausschließen noch zusagen.

Sie sagen, hinsichtlich ihrer sportlichen Zukunft ist noch alles ist offen, wie könnte Ihre Perspektive beim VfL Wolfsburg aussehen?

Kruse Die letzte Saison war für uns alle nicht erfolgreich und zufriedenstellend. Ich glaube, dass die nächsten Tage und Wochen dazu dienen werden, Klarheit über meine Personalie zu schaffen – wie und wo es weitergeht.

Im letzten Jahr haben Sie privat eine turbulente Zeit durchgemacht. Glauben Sie, dass ein räumlicher Wechsel vielleicht notwendig ist, um einen Neubeginn zu starten? Es gibt Gerüchte, dass Sie in Erwägung ziehen, zu einem Fußballverein in Las Vegas zu wechseln?

Kruse Also Las Vegas ist absoluter Quatsch. Die haben ja nicht mal einen richtigen Verein. Da sollte wohl ein Sommerloch gefüllt werden. Aber natürlich ist es reizvoll, auch mal im Ausland zu spielen und neue Erfahrungen zu sammeln. Eine Option kann das Ausland eventuell werden. Aber das werden die nächsten Wochen zeigen. 

Sabine Kricke führte das Gespräch.

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