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BKA-Warnung vor Anschlägen
Die Terrorangst spielt bei der EM mit

Terrorwelle erschüttert Paris
Terrorwelle erschüttert Paris FOTO: dpa, yv ks
Düsseldorf. Die Organisatoren geben 34 Millionen Euro aus, um mit 12.000 Sicherheitskräften das Turnier in Frankreich zu sichern. Von Patrick Scherer

Es ist der 13. November 2015. Im Stade de France in Saint-Denis vor den Toren von Paris trifft die französische Auswahl auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Während das Testspiel läuft, sprengen sich drei Selbstmordattentäter an den Zugängen zum Stadion in die Luft. Es ist der Beginn einer Terrorserie, bei der 130 Menschen in der französischen Hauptstadt ihr Leben verlieren. Wenige Tage später soll die deutsche Elf in Hannover gegen die Niederlande auflaufen. Das Spiel wird wegen Terrorverdachts abgesagt, als sich die deutsche Elf schon auf dem Weg zum Stadion befindet. Der Terror hat den europäischen Fußball erreicht.

Knapp sieben Monate später wird im Stade de France eines der größten Sportfeste der Welt eröffnet. Am 10. Juni beginnt dort die Europameisterschaft mit dem Spiel Frankreich gegen Rumänien. Es steht fest, dass die Angst vor weiteren Terroranschlägen mitspielen wird. Die französische Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um größtmögliche Sicherheit zu garantieren. Sie will unter anderem den seit den Anschlägen verhängten Ausnahmezustand für das Turnier verlängern und den Sicherheitsorganen somit Sonderrechte zusichern.

BKA warnt vor Anschlägen

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt aktuell offenbar vor möglichen islamistischen Anschlägen auf die Europameisterschaft (10. Juni bis 10. Juli). Unter Berufung auf ein geheimes BKA-Papier berichtet die "Bild", dass auch Teams gefährdet seien.

"Ein erfolgreicher Anschlag auf Mannschaften von 'Kreuzfahrernationen', zu denen Deutschland ebenfalls gezählt wird, hätte dabei besondere Symbolwirkung", zitiert das Blatt aus dem BKA-Dokument mit dem Titel "Gefährdungslage zur Uefa-Fußball-Europameisterschaft 2016". Gemeint sind Teams aus christlich geprägten westlichen Staaten.

Frankreich stehe aufgrund seiner Kolonialgeschichte und seines militärischen Engagements unter anderem im Kampf gegen die Terrormiliz IS besonders im Visier "islamistisch motivierter Täter". Mögliche weitere Anschlagsziele seien auch "symbolträchtige und 'weiche' Ziele mit einer großen medialen Aufmerksamkeit und entsprechend hohen zu erwartenden Opferzahlen", heißt es weiter.

Am Donnerstagmittag bestätigte das französische Parlament die Verlängerung des seit den November-Anschlägen verhängten Ausnahmezustands um zwei weitere Monate bis nach der Tour de France (2. bis 24. Juli). Damit gehören unter anderem Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss, Versammlungsverbote und Ingewahrsamnahmen verdächtiger Personen zum Alltag, es werden Tausende Polizeikräfte im Einsatz sein.

Potentielle Anschlagsziele weit gestreut

Potentielle Anschlagsziele sind weit gestreut. Zwischen den zehn Spielorten pendeln 24 Mannschaften. Im Schlepptau: Tausende Fans, die insgesamt 51 Spiele im Stadion, in Bars, Strandcafés oder beim Public Viewing verfolgen werden. Um für die Sicherheit aller Menschen zu sorgen, verfügen die Organisatoren über ein 34-Millionen-Euro-Budget. 12.000 Sicherheitskräfte werden jegliche Aktivitäten rund um das Sportfest beschützen. Andere Länder haben Unterstützung zugesagt. Deutschland schickt Polizeibeamte nach Frankreich. Österreich hat Fans aufgefordert, sich vor der EM-Reise zu registrieren, um im Notfall per SMS über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten zu werden.

"Wenn am 10. Juni die Europameisterschaft beginnt, dann haben wir alles getan, um das höchstmögliche Sicherheitsniveau zu erreichen", sagte Jacques Lambert, Chef des Organisationskomitees, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Experten hätten gesagt, dass Terroristen "weiche Ziele suchen - solche, wo man keinen Terroranschlag erwartet", betonte der 68-Jährige. "Ich kann ihnen versichern: Die Europameisterschaft 2016 wird kein weiches Ziel sein."

Dazu gibt es auch anderslautende Meinungen. Als "Versuchung für Terroristen jeglicher Coleur" bezeichnet beispielsweise der konservative Abgeordnete Philippe Goujon die Fanzone direkt am Eiffelturm. Dort sollen 90.000 Fußballanhänger unbeschwert feiern können. Dieses Fanfest ist für viele mehr als eine Public Viewing Area. Es soll vor allem als Symbol der Freiheit dienen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo wünscht sich "eine Party von riesigem Ausmaß - aber gleichzeitig gesichert".

Wachsamkeit fordert auch DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. "Es wäre ein großer Fehler, das Thema zu bagatellisieren oder es komplett zu verdrängen", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der 59-Jährige hätte Verständnis, falls Fans aus zu großer Sorge von einer Reise nach Frankreich absehen. "Auf der anderen Seite habe ich großes Vertrauen, dass im Rahmen aller Möglichkeiten seitens der für die Sicherheit zuständigen Stellen und Institutionen in Deutschland und Frankreich die richtigen Vorkehrungen geschaffen werden."

Die Fans teilen allem Anschein nach dieses Vertrauen: Mit 14 Prozent ist Deutschland der größte Ticketabnehmer unter den anreisenden Nationen. Insgesamt zwei Drittel der Zuschauer kommen aus dem Ausland. Ursprünglich hatten die Organisatoren nur mit 40 Prozent kalkuliert.

Quelle: RP
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